Mordprozess : Kopfschüsse statt Autokauf

Der Tatort in der Nähe von  Plön: In diesem Mercedes wurde der 33-jährige Lübecker Sergej L. erschossen. Foto: Kuhr
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Der Tatort in der Nähe von Plön: In diesem Mercedes wurde der 33-jährige Lübecker Sergej L. erschossen. Foto: Kuhr

Die brutale Tat liegt mehr als fünf Jahre zurück - jetzt müssen sich zwei Litauer vor dem Landgericht in Kiel verantworten. Sie sollen einen Lübecker Autohändler getötet und ausgeraubt haben.

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12. Oktober 2008, 10:22 Uhr

Er hatte keine Chance. Sergej L. (33) war sofort tot. Zwei Kugeln aus einer Browning-Sportpistole, Kaliber 22, trafen den Lübecker "aus absoluter Nähe" in den Kopf. Die Schusskanäle, berichtet der Staatsanwalt, führten von hinten rechts nach vorne links. Die Projektile blieben im Schädel stecken. Einzelheiten eines Raubmordes, der seit gestern in Kiel verhandelt wird.
Mehr als fünf Jahre danach müssen sich die beiden mutmaßlichen Täter vor dem Landgericht verantworten. Den 42 und 45 Jahre alten Männern aus Litauen wird heimtückischer Mord aus Habgier und Raub mit Todesfolge vorgeworfen. Sie sollen ihr arg- und wehrloses Opfer am 30. August 2003 auf einen Parkplatz an der B76 bei Bösdorf im Kreis Plön gelockt und dort erschossen haben. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wollten sie an das Geld kommen, das der Lübecker bei sich führte. Es soll eine fünfstellige Summe gewesen sein.
Die Angeklagten brauchten dringend Geld
Sergej L. war ein fliegender Händler. Er kaufte Autos, um sie über Neustadt in die Ostsee-Exklave Kaliningrad (Königsberg) zu verschiffen. Laimonas O. und Juozas S. gaben sich laut Anklage als vermeintliche Anbieter aus. "Sie waren annähernd mittellos und benötigten dringend Geld", sagt Staatsanwalt Michael Bimler. Die Polizei kam ihnen unter anderem durch ein Telefonat, das einer der Angeklagten kurz vor der Tat mit dem Opfer führte, auf die Spur.
Die Litauer schweigen. Laimonas O., der ältere Angeklagte, ist kreidebleich, als er in den Saal geführt wird. Er trägt Handschellen, die ihm abgenommen werden. Der dreifache Vater wirkt angespannt. Augenringe lassen ihn müde und sein Gesicht blutleer aussehen. Der 45-Jährige schnauft kurz durch, als er zwischen Dolmetscherin und Anwalt Platz nimmt. "Mein Mandant wird sich zur Person äußern, zur Sache nicht", sagt sein Verteidiger.Juozas S., sein mutmaßlicher Komplize, ist anders. Er sitzt auf der Anklagebank, als warte er auf den Bus. Ruhig, gleichmütig, ohne Regung. Anders als Laimonas O. wirkt der 42-Jährige nicht osteuropäisch. Mit seinem lichten, rotblonden Haar könnte er auch als Engländer durchgehen.
Überforderte Übersetzerinnen
Juozas S. macht sich Notizen, als sein Anwalt sagt: "Mein Mandant erklärt, nicht Täter der ihm vorgehaltenen Taten zu sein." Keine weiteren Einlassungen. Also nur Indizien. Ein zäher, weil zweisprachig geführter Prozess. Jeder Satz im Saal, jedes Zitat aus den Akten wird ins Litauische übersetzt. Alle Beteiligten sprechen wie in Zeitlupe, damit die bemühten, aber beim Auftakt mitunter überforderten Übersetzerinnen mitkommen. Da keiner die brutale Tat beobachtet hat, will das Gericht rund 20 Zeugen auch aus Litauen hören. Sechs Verhandlungstage sind anberaumt. Der Prozess wird am 27. Oktober fortgesetzt.

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