Epidemiologe: : "Konsequenzen aus der EHEC-Welle ziehen"

Emil Reisinger. Foto: dpa
Emil Reisinger. Foto: dpa

Neue Regeln im Umgang mit Epidemien fordert Epidemiologe Emil Reisinger. Der Datenschutz könne eingeschränkt, Bio-Lebensmittel stärker überwacht werden.

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20. Juni 2011, 12:13 Uhr

Die nachlassende EHEC-Epidemie gibt nach Ansicht des Rostocker Epidemiologen und Tropenmediziners Emil Reisinger Anlass, einige Regularien beim Umgang mit solchen Krankheitswellen zu überdenken. "Um schneller Erkenntnisse über das Krankheitsgeschehen und den Ursprung zu erhalten, müssen die Bögen zur Patientenbefragung eher bereitstehen", sagte Reisinger. Dazu sollten entsprechende Fragebögen schon vor einer Epidemie ausgearbeitet sein, die dann beim Auftreten einer neuen Seuche schnell angepasst werden können. "Wenn man bei EHEC früher auf die Quelle gekommen wäre, hätte man einige Fälle verhindern können."
Es hatte Mitte Mai nach Bekanntwerden des vermehrten Auftretens von Durchfallerkrankungen mehrere Tage gedauert, bis die Fragebögen zur Verfügung standen. "Sie müssen künftig ins Internet gestellt werden, wo sie abgerufen werden und dann an eine zentrale Stelle zur Auswertung geschickt werden können", sagte Reisinger. Die technischen Möglichkeiten des Internets würden noch nicht genügend genutzt, Briefe sollen bei einer Epidemie keine Rolle mehr spielen. Oft würden bei der Ablehnung von Internet oder E-Mail Probleme beim Datenschutz genannt. "Bei einer Epidemie sollte der Datenschutz aber nicht auf die Spitze getrieben werden."
Verunsicherung der Verbraucher führte zur Eindämmung der Epidemie
Die EHEC-Krise habe auch auf Probleme bei der Kontrolle von Lebensmitteln hingewiesen. "Es ist interessant, dass auch von Bio-Produkten Gefahren ausgehen können. Es muss überlegt werden, ob die aktuellen Vorschriften für die Kontrolle von Bio-Nahrungsmitteln ausreichen", sagte Reisinger. Bio-Höfe und die dort hergestellten Lebensmittel werden von den Bioverbänden überwacht. Er schlug vor, Biolebensmittel auch von staatlichen Behörden kontrollieren zu lassen.
Aus den vorangegangenen Epidemien wie Schweine- oder Vogelgrippe sei schon viel gelernt worden, betonte Reisinger. So habe bei EHEC der Kontakt zwischen niedergelassenen Ärzten und Kliniken sehr gut geklappt. Der "Seuchenplan" sei gut umgesetzt worden. In diesem Zusammenhang lobte Reisinger auch die Medien. Die schnell verbreiteten Warnungen vor Lebensmitteln hätten zur "Verunsicherung" der Menschen geführt. Dies wiederum habe zur Folge gehabt, dass einige Lebensmittel gemieden wurden, was zur Eindämmung von EHEC geführt habe.
(dpa, shz)

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