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Vermittler zwischen Interessen : "Kompromiss ist das Wichtigste"

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Seit Anfang des Jahres ist Schuldirektor Peter Lynggaard Jacobsen Vorsitzender des gemeinsamen Rates für Südschleswig. Die Arbeit des Rates war in der Vergangenheit oft geprägt von Diskussionen und Unstimmigkeiten zwischen den südschleswigschen Organisationen, die im Rat vertreten sind.

shz.de von
erstellt am 21.Mär.2008 | 03:52 Uhr

"Sicherlich bin ich noch nicht so lange dabei, aber all dies ist mehr ein positives als ein negatives Zeichen, wenn im gemeinsamen Rat lebhaft diskutiert wird. Das zeigt, dass es sich hierbei um eine lebendige Organisation handelt, die dabei ist, sich zu entwickeln. Es wäre doch viel schlimmer, wenn es nur Stille und Einstimmigkeit geben würde", meint Lynggaard Jacobsen.
Die einzelnen Einrichtungen der dänischen Minderheit sind selbstständig - sowohl im Hinblick auf ihre Beschlussfähigkeit als auch auf die Steuerung ihrer Wirtschaft. Der gemeinsame Rat fungiert in diesem Zusammenhang als eine Art Forum, in dem die Organisationen sich treffen können und Ziele miteinander diskutieren. Des Weiteren ist er auch die Stelle, an der wirtschaftliche Wünsche vorgetragen werden, wenn sich alle beispielsweise mit den Vertretern für Südschleswig des dänischen Ministeriums treffen.
Die Organisationen müssen geschickt für ihre Wünsche argumentieren
"Jede Organisation hat ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Die einzelnen Organisationen wissen zudem, dass sich nicht alle Wünsche erfüllen lassen, denn die Mittel sind begrenzt. Die Organisationen müssen daher geschickt für ihre Wünsche argumentieren und diese auch begründen können. Dabei geht es unter anderem darum, welchen Nutzen diese Wünsche für Südschleswig als Einheit haben. Da sind manches Mal lange und hitzige Debatten vorprogrammiert, aber das Wichtigste ist, dass man am Ende einen Kompromiss schließt, mit dem alle leben können", so Lynggaard Jacobsen.
Er erkennt jedoch, dass die Diskussionen im gemeinsamen Rat nicht leichter werden, wenn die Zuschüsse aus Deutschland und Dänemark nicht in dem gleichen Maß steigen, wie beispielsweise die Lohnentwicklungen."Um das Bestehen der dänischen Sprache und Kultur in Südschleswig auf Dauer zu sichern, ist es wichtig, dass laufend mehr Lehrer und Pädagogen aus Dänemark zu uns kommen. Das wird aber schwer werden, wenn wir nicht auf Dauer Arbeitsplätze anbieten können, die genauso attraktiv sind, wie die in Dänemark", meint der Ratsvorsitzende.
"In Dänemark wachsen die Dinge vom Boden aus nach oben"
Der gemeinsame Rat ist wirtschaftlich von den Rahmenbedingungen abhängig, wie sie die dänischen und deutschen Zuschüsse ausmachen. Der enge Finanzrahmen führt dazu, dass man die Dinge gründlich ausdiskutieren und ein gemeinsames Verständnis dafür bekommen muss, welche Ausgaben wichtig sind und welche noch warten können. Daher sind Diskussionen nicht nur unumgänglich, sondern auch notwendig. Nach Ansicht von Lynggaard Jacobsen ist der gemeinsame Rat daher in den vergangenen Jahrzehnten mit der Entwicklung in Dänemark übereingekommen. Auch dort kann man erleben, dass die Verteilung finanzieller Mittel zu teilweise kontroversen Diskussionen zwischen Politikern führt. Und dennoch setzen sich am Ende alle an einen Tisch und suchen gemeinsam nach Lösungen.
"In Dänemark wachsen die Dinge vom Boden aus nach oben, das ist das, woran wir uns in Südschleswig orientieren müssen. Erst wenn die Dinge auch Hand und Fuß haben, halten sie auch, was sie versprechen, dann ist das Verständnis in der Gemeinschaft viel größer", erklärt Lyngaard Jacobsen. Der gleiche Mechanismus greift auch im Verhältnis zur Europäischen Union, in der die Dänen oftmals ein großes Fragezeichen hinter neue Vorschläge setzen. Im Gegenzeug dazu halten sich die Dänen an alle Absprachen, die sie getroffen haben. Und das gleiche Prinzip gilt auch für die dänische Minderheit.

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