Tankstellen : Kommt die australische Benzinpreisbremse?

Ärger an der Zapfsäule: Ganz Deutschland stöhnt derzeit über die hohen Spritpreise. Foto: dpa
Ärger an der Zapfsäule: Ganz Deutschland stöhnt derzeit über die hohen Spritpreise. Foto: dpa

Mehrmals am Tag die Preise verändern: Das Gebaren der Ölkonzerne könnte ein Ende haben, wenn das australische Modell eingeführt wird. Der ADAC warnt jedoch.

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07. März 2012, 10:23 Uhr

Berlin/Kiel | Das Bundeskartellamt denkt über ein Modell aus Australien nach, um der Preispolitik der großen Tankstellenketten beizukommen: In Australien müssen Unternehmen jeweils um 14 Uhr den Benzinpreis für den nächsten Tag beim Handelsministerium melden. "Dieser Preis gilt ab 6 Uhr morgens und darf erst am Tag danach verändert werden. Die Unternehmen wissen also nie, wie teuer der Kraftstoff bei der Konkurrenz ist", sagte Andreas Mundt, der Präsident des Bundeskartellamts, der "WirtschaftsWoche".
Für Deutschland sprach Mundt von einem Oligopol. Die fünf großen Anbieter Aral, Esso, Jet, Shell und Total hätten bei Preiserhöhungen ein festes Verhaltensmuster entwickelt: "In 90 Prozent der Fälle preschen Shell oder Aral mit einer Preiserhöhung vor - und exakt drei Stunden später folgt der andere. Die nächsten Anbieter erhöhen nach exakt fünf Stunden", sagte Mundt. Dies sei kartellrechtlich nicht angreifbar, deshalb brachte er das australische Modell ins Spiel.
"Das könnte nach hinten losgehen"
Der Benzinpreis war auch Thema bei den Koalitionsgesprächen in Berlin. Nach Worten von FDP-Generalsekretär Patrick Döring sei Ziel der FDP, den Wettbewerb auf dem Benzinmarkt zu erleichtern: "Wichtig für uns ist die Novelle zum Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen. Sie gibt dem Kartellamt mehr Macht. Dann könnte das Kartellamt endlich auf dem Mineralölmarkt mehr Wettbewerb durchsetzen. Damit kriegt man auch die Benzinpreise ein
Stück weit in den Griff", sagte Döring laut Medienberichten.
So optimistisch ist der ADAC nicht. "Das könnte auch nach hinten losgehen", warnte Ulf Evert, Sprecher des ADAC in Schleswig-Holstein im Gespräch mit shz.de. "Wenn man nur einmal am Tag die Möglichkeit hat, den Benzinpreis zu ändern, wird man morgens möglichst hoch starten", gab Evert zu bedenken. Wichtiger als diese Regulierung sei es, die Preiskalkulation der Ölkonzerne endlich transparent zu machen.
Das Modell "Österreich" als Alternative
Neben dem australischen Modell wird häufig auch das österreichische System zur Preisregulierung an den Zapfsäulen genannt. "Bei uns dürfen die Spritpreise täglich nur um 12 Uhr erhöht werden", sagte Martin Grasslober, verswirtschaftlicher Experte des Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Clubs (ÖAMTC), zu shz.de. Danach könnten die Tankstellen ihre Preise nur noch senken.
Abschließend könne man noch kein Fazit zum 2009 eingeführten System geben, so Grasslober. Dafür gebe es noch keine differenzierten Analysen. Allerdings sei es ein Vorteil, dass Autofahrer genau wüssten, wann der Preis am niedrigsten ist - kurz vor 12 Uhr. "Dafür sind die Spritpreis kurz nach 12 Uhr wiederum um bis zu 12 Cent teurer. So haben die Tankstellen ein Polster nach unten", erklärt der Experte.
Hinzu kommt in Österreich eine öffentliche Datenbank. Hier müssen Tankenstellenbesitzer Preiserhöherungen unmittelbar und -senkungen innerhalb einer halben Stunde eintragen. So haben Autofahrer alle Preise über das Internet immer im Blick.

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