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Prozess in Niebüll : Kokain-Segler schweigt – Richter droht mit Beugehaft

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Frank Jan L. kann sich im Prozess um Kokain-Schmuggel auf Föhr nicht mehr belasten - er wurde bereits verurteilt. Gestern trat er vor Gericht als Zeuge auf - und schwieg.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2013 | 00:31 Uhr

Niebüll | Sein Verhalten sorgte gestern sowohl bei der Staatsanwaltschaft wie auch bei der Verteidigung für Unverständnis. Frank Jan L. (47) von der Insel Föhr weigert sich, als Zeuge am Schöffengericht Niebüll auszusagen. Hier wird seit Ende August gegen zwei weitere Bewohner der Insel wegen Beihilfe bei groß angelegten Kokain-Transporten durch die Karibik verhandelt. Genau wegen dieser Transporte ist L. bereits Ende Dezember 2012 als einer von drei Hauptakteuren am Landgericht Flensburg zu sieben Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Aus der Justizvollzugsanstalt Neumünster heraus wurde der 47-Jährige gestern als Zeuge vorgeführt.

Doch sagen wollte L. nichts. „Dabei wären seine Aussagen geeignet, meinen Mandanten zu entlasten“, sagte Jan J. Gärtner, Rechtsanwalt aus Flensburg, im Anschluss an den nur einige Minuten dauernden Verhandlungstermin. Seinem 44-jährigen Mandanten sowie einer 46-jährigen Föhrerin wird vorgeworfen, L. in den Jahren 2010 und 2011 bei den Vorbereitungen der Transporte und bei den tonnenschweren Kokain-Transfers in der Karibik geholfen zu haben.

Als bereits Verurteilter im damaligen „Karibik-Verfahren“ indes kann sich L. nicht mehr selbst belasten. Der Föhrer kann daher von seinem Zeugnisverweigerungsrecht keinen Gebrauch machen. L. sieht das jedoch anders. Aus seiner Sicht könnten Aussagen im Prozess zur Folge haben, dass die Staatsanwaltschaft Hamburg Ermittlungen gegen seinen Bruder wegen Drogenhandels, die sie eigentlich bereits eingestellt hatte, wieder aufnimmt.

Der Disput hatte Folgen: Das Schöffengericht Niebüll beschloss gegen den Zeugen eine Beugehaft von sechs Monaten für den Fall, dass dieser Auskünfte weiterhin verweigert. Dagegen wiederum hat L. Beschwerde beim Landgericht Flensburg eingelegt. Diese wurde jedoch am Montag verworfen. Gestern also hätte L. nach Ansicht des Niebüller Gerichtes Auskunft geben müssen. Seine Aussagen würden jene Vorgänge, die seinen Bruder betreffen, nicht einbeziehen, sagte der Vorsitzende Richter.

Doch L. blieb hart: „Sie werden keine Aussage von mir hören – heute nicht, und auch in einem halben Jahr nicht“, sagte der 47-Jährige. Die Folgen einer Nichtaussage – wie die zusätzliche Haft – seien für ihn „kein Problem“, so der Zeuge. Der Staatsanwalt riet ihm daraufhin, das „weiterhin rechtsfeindliche Verhalten“ noch einmal zu überdenken. Im Falle einer vorzeitigen Haftentlassung werde auch seine Stellungnahme eingeholt, so der Staatsanwalt weiter. „Das klingt für mich wie eine Erpressung“, sagte L. ungerührt und ließ sich von den Justizbeamten wieder aus dem Gerichtssaal führen.

Die Anordnung der Beugehaft und Androhung von Kostenübernahmen im Verfahren bleibe damit bestehen, so der Vorsitzende Richter. Dem Zeugen solle aber Gelegenheit gegeben werden, seinen Standpunkt noch einmal mit seinem Anwalt zu beraten. Dazu hat er nun bis zum 25. Oktober Zeit. Dann soll das Beihilfeverfahren mit Plädoyers und Urteilen zu Ende gebracht werden.

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