Uetersen : Knirps rettet kleinem Kumpel das Leben

Der kleine Lebensretter: Jason Tylor. Foto: Brameshuber
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Der kleine Lebensretter: Jason Tylor. Foto: Brameshuber

Der knapp zwei Jahre alte Jason Tyler sieht seinen Freund in den Gartenteich fallen. Er macht instinktiv genau das Richtige und rettet seinem Spielkameraden das Leben.

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17. August 2011, 10:19 Uhr

Uetersen | Der kleine Jason Tylor Schneider aus Uetersen - am Donnerstag wird der Steppke zwei Jahre alt. Und er sorgt weit über den Kreis Pinneberg hinaus für Schlagzeilen, hat er doch seinem noch jüngeren Freund Leon aus Elmshorn das Leben gerettet.
Rückblende: Es ist Sonnabendnachmittag, 14.55 Uhr. Jason Tylor und Leon spielen im Garten eines Mehrfamilienhauses. Im Wohnzimmer sitzen Evelyn Hanz und ihre Freundin Tatjana Scharp. Die beiden 16 Jahre alten Mädchen schauen Fernsehen. Sie passen auf die Jungs auf. Immer wieder blickt Evelyn durchs Fenster nach den beiden. Sie kämpfen ein bisschen ums Dreirad, alles ganz harmlos. Vom selbst angelegten Zierteich, in dem die Koi-Karpfen schwimmen, halten sie Abstand. Evelyns Aufmerksamkeit richtet sich wieder Pro Sieben zu. Plötzlich steht Jason Tylor im Wohnzimmer. "Tanti, Baby, bad", sagt er ganz aufgeregt. Er nimmt Evelyns Hand, zieht an ihr, will ihr etwas zeigen. Evelyn folgt ihm. Dann der Schock: Im Teich liegt Leon. Das Gesicht unter Wasser, leblos. Es sind die Minuten, die Eyelyn und ihre Familie nie mehr vergessen werden, in denen es um Leben und Tod geht. Tatjana rennt um den Teich herum, zieht den kleinen Körper aus dem Wasser. "Ich konnte keinen Puls mehr fühlen", erinnert sich Evelyn. Sie handelt, ganz automatisch, ohne viel nachzudenken. Herz-Druck-Massage, das hat sie im Erste-Hilfe-Kurs gelernt. Leon läuft Wasser aus dem Mund, dann fängt er plötzlich wieder an zu atmen, wie ein Fisch nach Luft zu schnappen.
Mit dem Rettungshubschrauber zur Intensivstation
Jason Tylor steht die ganze Zeit dabei. Er streicht seinem Freund über den Kopf, registriert, dass etwas nicht stimmt. Minuten später treffen die alarmierten Rettungskräfte ein. Ein Polizeibeamter kümmert sich um Leon, bis der Notarzt da ist. Sie ziehen Leon die nassen Kleider aus, hüllen ihn in warme Decken. Ein Rettungshubschrauber landet mitten auf der Kreuzung. Der knapp zwei Jahre alte Junge wird ins Kinderkrankenhaus nach Hamburg-Altona geflogen, auf der Intensivstation betreut.
Als der Hubschrauber abhebt, fängt Evelyn an zu zittern. Sie weint hemmungslos. "Wenn der kleine Jason nicht zu mir gekommen wäre, dann wäre Leon jetzt wohl tot." Der Gedanke ist für sie unerträglich. Leon hat keine Folgeschäden, war am Sonntag schon wieder in bester Verfassung: Als diese Nachricht aus dem Krankenhaus kommt, atmet die ganze Familie erleichtert auf.
Wahrscheinlich wollte er zwei Gartenzwerge aus dem Teich retten
Der kleine Gartenteich ist eineinhalb Meter tief und nur durch einen 40 Zentimeter hohen, dünnen Drahtzaun gesichert. "Mangelhaft", wie die Polizei sagt. Sie hat ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen eingeleitet, weil der Verdacht besteht, dass die Aufsichtspflicht verletzt wurde. Sie weist in diesem Zusammenhang noch einmal ausdrücklich daraufhin, dass Kinder, insbesondere Kleinkinder, niemals unbeaufsichtigt in der Nähe von Gewässern, Teichen und anderen Gefahrenquellen spielen sollten.
Warum Leon in den Teich gefallen ist? "Er hatte wahrscheinlich zwei Gartenzwerge hineingeworfen und wollte sie wieder herausholen", mutmaßt die Oma. Jason Tylor weiß genau, dass der Teich für ihn tabu ist. "Opa schimpft", sagt er und rennt durch den Garten. "Das ist ein intelligenter Junge", betont seine Mutter Melanie Schneider.
Der Schreck ist gewichen. Das Lachen ist zurück. Jason Tylor aus Uetersen ist ein kleiner Held - wohl der jüngste Lebensretter in Schleswig-Holstein.
(cpr, brh, shz)

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