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„11.111 Sekunden von Homfeld“ : Knattern, bis das Moped kracht

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Kurz vor dem Start wird noch eine Stahlplatte eingeschweißt, dann fliegt das Renn-Moped schon über die Sprungschanze. Das 11.111-Sekunden-Rennen in Homfeld verlangt den Fahrern einiges ab.

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erstellt am 06.Okt.2013 | 11:16 Uhr

Schon vor dem Start zählen die „11.111 Sekunden von Homfeld“ ihr erstes Opfer: Der 29-jährige Dries prügelt sein selbst gebautes Renn-Moped zweieinhalb Trainingsrunden lang über den Parcours, doch dann ist plötzlich Schluss. Der Stahl der Maschine ist nicht hart genug für den Sprung über die Wippe im dritten Gang mit Vollgas. Der Rahmen sei an zwei Stellen gebrochen, erzählt der Bruder des Fahrers, Claas (31). Eine Blitzreparatur auf dem heimischen Hof ist notwendig - als Verstärkung wird noch eine Stahlplatte eingeschweißt. Wenige Minuten vor dem offiziellen Startschuss des Spaßrennens am Samstag waren Crew und Maschine wieder zurück und einsatzbereit. 

Das Spektakel mitten im Naturpark Aukrug hat in den Jahren seines Bestehens Kult-Status erlangt. Es lockt mittlerweile Besucher aus ganz Norddeutschland an, wie die Autokennzeichen auf dem Parkplatz verraten. Der Ursprung war vor mehr als zehn Jahren eine Bierwette, erinnerte sich Ralf Rathjen, einer der Organisatoren. Damals sei es um einen Kasten Bier und die Frage gegangen, ob ein Schrottauto noch einen Berg hinab rollen könne. „Daraus entwickelten sich zunächst Seifenkisten-Rennen für Erwachsene; 2011 wurde daraus ein Mofa-Rennen, und im vergangenen Jahr gingen „getunte“ Rasenmäher-Trecker an den Start“, berichtet Rathjen. „Wir lassen uns jetzt jedes Jahr etwas Neues einfallen.“ Diesmal waren es selbst gebaute geländegängige Mopeds. 

Auch das Team „Crash-Kids“ hatten ihr schwarzes Renn-Moped in den vergangenen Monaten komplett aus alten Teilen zusammengeschraubt. „Neuer Zylinderkopf und anderer Vergaser, dazu ein selbst konstruierter Auspuff“, sagt Claas. Sinn des 11.111 Sekunden-Rennens ist einzig und allein der Spaß. „Wer glaubt, sich profilieren zu müssen und seine Knochen gefährdet, hat hier nichts zu suchen“, stellte Rathjen am Rande des Spektakels klar, zu dem rund ein Dutzend Mannschaften aus ganz Schleswig-Holstein mit ihren Familien gekommen waren.

11.111 Sekunden – das sind etwas über drei Stunden, die das Rennen dauert, erklärte „Rennleiter“ Torben Halft. In dieser Zeit mussten möglichst viele Runden absolviert werden. Die Rundenzahl wurden mit Hilfe von Kartoffeln gezählt. Um es den Fahrern nicht zu leicht zu machen (und den Zuschauern etwas zu bieten), gab es auf dem abgesteckten Parcours auch Schikanen.  Besonders bejubelt wurden neben einer rund vier Meter langen Wippe und einer buckeligen Brücke aus gespaltenen Baumstämmen (natürlich mit der runden Seite nach oben) der „Point of no Return“ - ein Sprungschanze über einen Graben. Wer seinem Moped oder sich selber dieses Hindernis nicht zutraute, konnte auf den „Chicken Run“ ausweichen – einen vielleicht 25 Meter langen Halbbogen. 

Am Nachmittag dann war alles vorbei: Die Mannschaften brachten ihre Mopeds nach Hause und freuten sich bereits auf das nächste Jahr. Die Organisatoren werden den Winter über sich in bewährter Manier die Köpfe zerbrechen, womit die Teams 2014 an den Start gehen sollen. Rennfahrern und Zuschauern ist das letztendlich egal, denn sie sind sich sicher: Die „11.111 Sekunden von Homfeld“ werden auch 2014 wieder einen Spaßfaktor von 100 Prozent haben.

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