zur Navigation springen

Gute Nachbarschaft : Klüger sein als der Einbrecher

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gute Nachbarschaft ist wichtig – denn sie ist ein besserer Einbruchsschutz als so manche aufwändige Schließanlage. Vor allem, wenn Hausbesitzer in den Urlaub fahren wollen.

Kiel | Jens Weerts ist zwar sicherheitstechnischer Berater bei der Landespolizei. Doch sein erster und bester Tipp für den Einbruchsschutz hat nichts mit Schlössern, Riegeln und Alarmanlagen zu tun. „Pflegen Sie die Nachbarschaft. Das ist ganz wichtig“, erklärt Weerts. Wer nämlich dafür sorgt, dass auch während des eigenen Urlaubs der Briefkasten regelmäßig geleert wird, Blumen gegossen und gelbe Säcke abtransportiert werden, erweckt nicht den Eindruck, das Haus wäre tagelang unbewohnt. Genau diesen Zustand setzen die Langfinger aber voraus. „Sie kundschaften das Objekt vorher aus“, weiß Weerts. Fremde Personen, die sich verdächtig verhalten, fallen wiederum einer aufmerksamen Nachbarschaft auf.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Einbrecher sind im vergangenen Jahr in genau 7543 Wohnungen in Schleswig-Holstein eingedrungen. Das sind zwar 120 weniger als 2012 (minus 1,6 Prozent), was die Polizei durchaus als Erfolg wertet. Doch es bedeutet auch, dass noch immer Tag für Tag (oft auch Nacht für Nacht) 20 Wohnungen und Häuser das Ziel von Langfingern werden. Allerdings: Es gibt einige Möglichkeiten, ungebetenen Besuch zu verhindern. „Cleverer sein als der Dieb“ heißt die Devise.

Die Experten der Polizei geben einfache praktische Ratschläge, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Anwesenheitssimulation

Lampen und auch das Radio lassen sich über eine Zeitschaltuhr regelmäßig an- und ausschalten. Wer keine Zeitschaltuhr hat, sollte Nachbarn bitten, die Rollläden runter- und abends wieder hochzuziehen. Die Fachleute haben ein eigenes Wort geprägt: „Anwesenheitssimulation“ ist  für sie  ein wirksames Mittel, um potenziellen Dieben die Lust am Einbruch zu nehmen.

Warnung vor Facebook-Fotos

Schriftliche Hinweise für den Postboten am Briefkasten sind ebenso wie entsprechende Nachrichten auf dem Anrufbeantworter („Wir sind für die nächsten drei Wochen in Urlaub. Grüße vom sonnigen Mittelmeer“) geradezu eine Einladung für Einbrecher. Das gilt natürlich ebenso für die Abwesenheitsmeldung auf dem Anrufbeantworter oder  im  E-Mail-Programm. Jens Weerts warnt auch ausdrücklich davor, entsprechende Informationen in sozialen Netzwerken wie Facebook zu veröffentlichen. Der Nachwuchs, der stolz auf die bevorstehende  Flugreise hinweist oder sogar ein launiges Ferienfoto ins Netz stellt („Wir haben viel Spaß am Strand“), sollte wissen, dass  hundertfach mitgelesen wird – natürlich auch von Kriminellen.

Vorsicht beginnt bei Abreise

Am Flughafen oder auf Bahnhöfen spionieren gewiefte Einbrecher gerne Reisende aus. Daher sollte man am besten keine oder nur zuklappbare Kofferanhänger mit der eigenen Anschrift  verwenden.

Fenster sichern

Versucht es der Einbrecher trotz aller Vorkehrungen, hindert ihn nur die richtige Technik am Eindringen. „In 75 Prozent aller Fälle wird mit dem Schraubenzieher aufgehebelt“, erklärt Weerts  und verweist auf spezielle Schutzvorrichtungen. Sichere Türen haben Wandverankerungen, Bänder und einen Scharnierseitenschutz sowie Zusatzschlösser. Fenster brauchen aufhebelsichere Pilzkopfzapfen, die am ganzen Fensterrahmen verteilt sind. Wird das Fenster geschlossen, greifen sie in verschraubte Stahlschließbleche im Rahmen und verringern das Risiko, dass das Fenster aufgehebelt wird. Sinnvoll sind auch Fenster mit abschließbaren Oliven. Das Fensterglas sollte Wurfgeschossen standhalten. Wer seine Fenster nicht gleich für viel Geld austauschen möchte, kann eine Sicherheitsfolie nachträglich auftragen.

Nebeneingänge sichern

Nach Erfahrungen von Weerts und seinen Kollegen haben Wohnungs- und Hauseigentümer die Vordertür meist gut gesichert. Viele Bewohner vergessen dabei aber Nebeneingänge, Rollläden, Lichtschächte oder Balkonfenster. Die Experten warnen auch vor einer Selbsttäuschung: Eine metallene Feuerschutztür hält zwar Flammen, aber nicht automatisch Einbrecher fern.

Nachrüsten

Wer sein Haus, seine Wohnung nachrüsten möchte, sollte nur zertifizierte Produkte verwenden. Bei Fenstern und Türen etwa bescheinigt Din EN 1627 eine erhöhte Einbruchshemmnis. Im Internet (www.polizei.schleswig-holstein. de) finden sich entsprechende Ratschläge und auch ein Verweis auf das „interaktive“ Musterhaus. Dort wie auch bei der Zentralstelle Polizeiliche Prävention (Mühlenweg 166,  24166 Kiel) ist zudem  eine Liste von 140 Firmen erhältlich, die eine kostenlose Vorort-Beratung vornehmen.

 
zur Startseite

von
erstellt am 20.05.2014 | 17:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert