EU einigt sich nicht auf ein Verbot : Klon-Fleisch wird weiter ohne Hinweis verkauft

Was landet wirklich in der Pfanne? In vielen Fällen kann sich der Verbraucher davon kein Bild machen. Foto: dpa
Was landet wirklich in der Pfanne? In vielen Fällen kann sich der Verbraucher davon kein Bild machen. Foto: dpa

Auch künftig können die Verbraucher im Norden nicht erkennen, ob Fleisch oder Milch von den Nachfahren geklonter Tiere stammt.

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31. März 2011, 08:39 Uhr

Brüssel/Kiel | Die Verhandlungen über eine neue EU-Regelung, die ein Verkaufsverbot und eine Kennzeichnung bei der Vermarktung von Klonfleisch möglich gemacht hätte, scheiterte nach zwölfstündigen Gesprächen in Brüssel. Das Parlament konnte sich mit seinen weit reichenden Forderungen nicht gegen den Widerstand einiger EU-Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland, und Europäischer Kommission durchsetzen.
Bei Verbraucherschützern und Grünen stößt diese Entscheidung auf Unverständnis. Das Ergebnis der Verhandlungen sei "sehr bedauerlich", erklärte Gudrun Köster von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Die Verbraucherzentralen hatten zumindest eine Kennzeichnung für Fleisch von Klon-Nachkommen gefordert. Idealerweise hätte jedoch die Rückverfolgbarkeit des Fleisches gewährleistet sein und die Produktionskette offen gelegt werden müssen.
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"Aus unserer Sicht ist das eine ethisch fragwürdige Spielerei"
Geklonte Tiere selbst werden in der EU zwar nicht zu Lebensmitteln verarbeitet. Es kann aber sein, dass sich Produkte von Klontiernachfahren, die mit Bullensperma aus den USA oder Lateinamerika gezeugt wurden, im Handel befinden. "Ich würde es nicht ausschließen", sagt auch Köster. Und Bernd Voss, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Kieler Landtag erklärt das Dilemma: "Wir haben da überhaupt keinen Überblick."
Die Verbraucherschützer betonen dabei, dass die Ablehnung des Klonfleisches oder des Fleisches von Klon-Nachkommen auch ethische Gründe habe. Im Landwirtschaftsministerium in Schleswig-Holsteins sieht man dies ähnlich. "Aus unserer Sicht ist das eine ethisch fragwürdige Spielerei", erklärt Sprecher Christian Seyfert mit Blick auf das Klonen insgesamt.
Die EU-Kommission lehnt die Vorschläge des Parlaments mit der Begründung ab, dass eine effiziente Kontrolle und Kennzeichnung des Fleisches zu aufwendig sei. Zudem besteht in Brüssel mit Hinweis auf die Bestimmungen der Welthandelsorganisation die Sorge vor einem Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten. Die USA sind der Hauptexporteur von geklonten Zuchtbullen.
(shz)

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