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Bov Museum : Kleine Dinge machen Geschichte greifbar

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Die Museumslandschaft im deutsch-dänischen Grenzland lebt keineswegs nur von den großen Häusern und Schlössern. Ihre Vielfalt wird nachhaltig von den vielen kleinen, oft ehrenamtlich betriebenen Standorten geprägt.

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erstellt am 16.Feb.2008 | 10:48 Uhr

Kinder verstehen es meist sofort: "Damals, das war ganz schön harte Arbeit - auf dem Bauernhof und auch zu Hause." So reagieren die meisten jungen Besucher, wenn sie durchs Museum streifen und "Geschichte tanken", erzählt der Leiter des Bov-Museums, Jens Erik Bendtsen. Das regionalgeschichtlich und landwirtschaftlich ausgerichtete Haus in Pattburg will vor allem eines bieten: Geschichte zum Anfassen.
Denn auch, wenn es sich heute viele nicht mehr vorstellen können: Einst gab es keine elektrischen Geräte, Wäsche waschen und Bügeln zum Beispiel waren schwere körperliche Arbeit. Bendtsen erzählt: "Ganz besonders begeistert reagieren die Kinder auf das kabellose Bügeleisen in unserer Sammlung - wie praktisch, meinen sie. Doch dabei vergessen sie, dass die heißen Kohlenstücke im Bügeleisen auch viel Dreck und Arbeit gemacht haben."
Unser Museum wirkt hell und freundlich - überhaupt nicht verstaubt
Der hauptamtlich angestellte Museumsmann ist seit vielen Jahren dabei und kennt jeden Winkel des "Bov Museums", das in einem alten restaurierten Hof untergebracht ist. Dessen Geschichte geht zurück bis ins Jahr 1472. Die landwirtschaftliche Sammlung ist die größte in ganz Süd-Dänemark. Die meisten der rund 13 000 Ausstellungsstücke sind Geschenke beziehungsweise Leihgaben von Bürgern. Das Museum hat auch einen neuen Trakt, die sogenannten Pyramiden, in moderner Architektur und lichtdurchflutet. "Unser Museum wirkt hell und freundlich - überhaupt nicht verstaubt", findet Ruth Bøg. Sie ist Archivarin beim "Historischen Verein", der das Museum verwaltet. Ruth Bøg ist fasziniert von Exponaten, die voller Geschichte(n) stecken: "Vor ein paar Jahren bekamen wir eine antiquarische Geldbörse mit handschriftlichen Aufzeichnungen über An- und Verkäufe von Aktien." In ihrer Fantasie stellt sich Ruth Bøg vor, wer diese Notizen vor rund 100 Jahren wohl verfasst haben könnte. Für sie sind es die kleinen Dinge, die Geschichte schreiben und immer wieder greifbar machen.
Bei aller Liebe zur Vergangenheit verliert aber Museumschef Jens Erik Bendtsen die Zukunft nicht aus den Augen. Er sagt: "Wenn’s klappt, sind wir bald Mitglied beim Verband der Museen in Süddänemark." Momentan ist sein Haus staatlich nicht anerkannt und bekommt keine Zuschüsse aus Kopenhagen. Dabei könnte das Museum für die geplante Grenzlandausstellung gut noch einen zusätzlichen Ausstellungsraum gebrauchen, ergänzt Vereinsvorsitzender Asmus Jørgen Brylle. Er organisiert gemeinsam mit den Mitgliedern jedes Jahr Sonderausstellungen - unter anderem über die Themen Konfirmation, Spielzeug, Puppen.
Es lockt die Nähe zu Deutschland
In den Sommerferien werden Aktionstage für Kinder veranstaltet, zum Beispiel Klöppel-Workshops, oder es kommen Rebschläger, die mit den Kindern Springtaue knüpfen. In diesen Tagen ist die Anspannung im "Bov Museum" besonders groß, denn demnächst beginnt die neue Saison - wie jedes Jahr mit einer Großveranstaltung. "Wir bereiten unser traditionelles Kuchen-Büffet zu Ostern vor. Die berühmten dänischen "boller", das sind weiche dänische Brötchen, werden schon jetzt gebacken, eingefroren und neue Rezepte für die rund 40 Kuchen- und Torten-Sorten ausprobiert", erzählt Ruth Bøg.
Jedes Jahr am Gründonnerstag und Karfreitag lädt das Museum zum traditionellen "Sønderjydsk kaffebord" ein. Der Besucher zahlt einen festen Eintrittspreis und kann soviel Kuchen essen und Kaffee trinken wie er will. Überall im Museum, in den Ausstellungsräumen und im Café sind dann Tische und Stühle aufgestellt. Die Besucher stehen jedes Mal Schlange und kommen sogar aus dem hohen Norden Dänemarks angereist. "Dabei", sagt Asmus Jørgen Brylle, "lockt natürlich auch die Nähe zu Deutschland. Die Besucher gehen vorher in Flensburg shoppen und machen sich anschließend bei uns übers "Sønderjydsk kaffebord" her."

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