Kinderbetreuung in SH : Kitas: Verbände fordern mehr Qualität und mehr Personal

Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit (SPD).
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Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit (SPD).

Nach dem Großausbau der Kindertagesstätten fordert ein Aktionsbündnis nun Investitionen in die Qualität der Betreuung. Das Personal soll entlastet und aufgestockt werden. Ziel bleibt die kostenfreie Kita.

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12. Januar 2015, 16:44 Uhr

Kiel | Mit den Forderungen unterscheidet sich das Aktionsbündnis „Unsere Kinder - unsere Zukunft“ der Sozialverbände nicht grundsätzlich von den Plänen der Landesregierung: Nach der deutlichen Aufstockung der Kita-Plätze in den vergangenen drei Jahren müsse nun die Qualität der Betreuung verbessert werden. Wie das Aktionsbündnis aus Wohlfahrtsverbänden, Kita-Trägern, Gewerkschaften und Elternvertretungen in ihrem an der Fachhochschule Kiel vorgestellten Positionspapier „Zukunft für Kinder gestalten: Kita-Qualität heute schaffen!“ ausführt, ist es in den letzten Jahren allerdings zu einer erkennbaren Verschlechterung der Standards gekommen. Trotz gestiegener Landesförderung auf 158,29 Millionen Euro im vergangenen Jahr sei der Kita-Bereich immer noch „chronisch unterfinanziert“.

Angesichts der gedeihenden Gruppengrößen litten die pädagogischen Fachkräfte unter einer wachsenden Arbeitsbelastung, die sich dadurch verschlimmere, dass Sondergenehmigungen für Gruppengrößen über 25 keine Seltenheit mehr seien. Die Situation sei in vielen Fällen so angespannt, dass der Überbelastung der Fachkräfte mit gesundheitsfördernden Maßnahmen entgegengewirkt werden müsse. Kinder mit unterschiedlichen Startchancen zu begleiten und zu fördern sei unter den gegebenen Umständen nur schwer möglich.

Der derzeit vorgegebene Personalschlüssel für die Kindergärten sieht 1,5 Erzieher für 20, 22 im Ausnahmefall sogar 25 Kinder vor. Bei den Krippen ist ein Verhältnis von zwei zu zehn vorgeschrieben, empfohlen wird ein Personalschlüssel von 1:3. Nach den heute vorherrschenden fachlichen Ansprüchen sei das einfach zu wenig. Das Bündnis fordert daher, jede Gruppe müsse mindestens – also auch im Krankheitsfall – zwei volle Fachkräfte haben. Langfristig müssten alle Gruppen verkleinert werden: In den Kindergärten auf 16 und in den Krippen auf acht Plätze.

Das zusätzliche Geld aus Kiel und Berlin sei in den letzten Jahren überwiegend in den Bau neuer Krippenplätze geflossen und konnte deshalb nicht in die Verbesserung der Rahmenbedingungen investiert werden. Im Interesse der Kinder, der Eltern und der überforderten Erzieher müsse nun gegengesteuert werden, fordert das Bündnis. Gerade bei der Kinderbetreuung würden die Weichen für die Bildung gestellt. Nötig sei im Hinblick auf Entwicklungsverzögerungen auch eine kontinuierliche Fachberatung der Kindertagseinrichtungen und die bezahlte Fortbildung des Personals.

Die Angebote der Kitas müssten sich in Zukunft noch flexibler auch auf die Bedürfnisse der Eltern einstellen, heißt es. Insgesamt seien die gesellschaftlichen Anforderungen an die Krippen nur durch angemessene personelle und finanzielle Ausstattung der Kitas zu realisieren. Mittel- bis langfristig sollten die überdurchschnittlich hohen Betreuungsgebühren wegfallen. Zunächst müsse sich die Landesregierung aber um einen „Kita-Masterplan“ kümmern, der für eine einheitliche Finanzierung sorgen und regionale Uneinheitlichkeiten in der Betreuung begradigen soll .

Das Bündnis erhofft sich einen Schulterschluss aller Beteiligten im Land, um die dringenden Probleme im Kita-Bereich zu lösen. Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) sagte, in diesem Jahr werde landesweit mit dem Aufbau eines Qualitätsmanagements begonnen. „Die getroffene Vereinbarung von Bund und Ländern ist richtig und wichtig. Ich erwarte aber auch vom Bund ein stärkeres und dauerhaftes finanzielles Engagement. Denn eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung zahlt sich auf allen staatlichen Ebenen aus, daher sollten sich auch alle staatlichen Ebenen angemessen an der Finanzierung beteiligen“, so Alheit.

Den Mangel an Fachpersonal will die Landesregierung mit dem 2014 begonnenen Programm bekämpfen, das die Erzieher-Ausbildung von Quereinsteigern fördert. Die Ausbildungskapazitäten an beruflichen Schulen wurden von rund 700 auf mehr als 1000 erhöht. Zudem wurde eine berufsbegleitende Ausbildung eingeführt.

Mit dpa

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