Justiz-Skandal : Kinderschänder kommt jetzt doch frei

Zick-Zack-Kurs in der Kieler Justiz. Jetzt soll ein gefährlicher Kinderschänder doch entlassen werden, weil ein Gutachten zu spät kam.

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08. Oktober 2008, 04:37 Uhr

Ein als gefährlich eingestufter Sexualstraftäter kommt möglicherweise noch Ende Oktober wegen eines Formfehlers auf freien Fuß. Das teilte der Sprecher des Kieler Landgerichts, Peter Doebel, mit. Die Staatsanwaltschaft hatte für den 61- Jährigen nachträgliche Sicherungsverwahrung beantragt. Zugleich forderte sie den Erlass eines Unterbringungsbefehls. Dies habe eine Strafkammer am Montag aber abgelehnt, sagte Doebel. Der Kieler Oberstaatsanwalt Uwe Wick kündigte unterdessen an, Rechtsmittel einzulegen.
Der Straftäter war im Juli 2004 zu fünf Jahren Haft unter anderem wegen schwerem sexuellen Missbrauchs eines Kleinkindes, seiner Stieftochter, verurteilt worden. Zwei Gutachter hatten den 61- Jährigen als gefährlich eingestuft. Im Lübecker Strafvollzug hatte er sich den Einschätzungen zufolge als nicht therapierbar erwiesen. Dennoch hob der BGH die ausgesprochene Sicherungsverwahrung auf, weil Fristen verstrichen waren. Dies war eingetreten, weil einer der Sachverständigen dauerhaft krank war.
Schleswig-Holsteins Justizminister Uwe Döring (SPD) hatte den Fall bekanntgemacht und erklärt, dass er eine Freilassung des Mannes für einen Fehler halte. Er kündigte an, über den Bundesrat auch eine Lücke im Gesetz zu schließen, die es ermöglicht, dass Sexualtäter freikommen, obwohl sich nach Gutachteransicht in Sicherungsverwahrung gehören.

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