Untersuchung zur Einschulung : Kinder mit kleinen Macken

Gewichtsprobleme und Sprachfehler: Jeder zweite Schulanfänger hat eine "Auffälligkeit". Das haben Untersuchungen von fast 25.000 Kindern ergeben

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11. August 2011, 09:00 Uhr

Nachdenklich stimmt eine Studie der Gesundheitsämter in Schleswig-Holstein, die 25.000 ABC-Schützen des Schuljahrganges 2009/10 untersuchten. Demnach zeigt jeder zweite ABC-Schütze in Schleswig-Holstein bei der Schuleingangsuntersuchung mindestens eine Auffälligkeit in den Bereichen Sehen, Hören, Körpergewicht, Motorik, Sprache oder Verhalten. Besonders häufig sind Ernährungsstörungen, ergab die Auswertung der Gesundheitsämter. Bemerkenswert sei, dass Unter- und Übergewicht mit jeweils rund zehn Prozent annähernd gleich verbreitet sind, sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) gestern bei der Vorstellung der Studie.
Bei jedem vierten im letzen Jahr eingeschulten Kind lagen Sprachauffälligkeiten vor, die so gravierend waren, dass in den allermeisten Fällen die niedergelassenen Kinderärzte bereits eine Sprachtherapie beim Logopäden rezeptiert hatten. Der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen ist dabei gravierend: Ein Drittel der Jungen aber nur ein Fünftel der Mädchen brauchte eine Förderung.
Garg: Kinder brauchen Zeit zum Toben und Spielen
Starke regionale Unterschiede ( Neumünster 31 Prozent, Steinburg 22) lassen vermuten, dass die Anzahl der Logopäden in der Region bei der Verordnung eine Rolle spielt. Dem Bericht zufolge war zudem jedes fünfte Kind bei den Untersuchungen verhaltensauffällig, war beispielsweise hyperaktiv oder hatte Probleme mit Gleichaltrigen.
Auffälligkeiten im Bereich der Motorik gingen leicht zurück. Sie wurden bei "nur" noch 16,7 Prozent der Einschüler beobachtet, im Vorjahr waren es noch 17,1 Prozent.
Garg betonte, dass trotz der vorgelegten Zahlen Schleswig-Holsteins Schulanfänger in einigen Bereichen gesünder sind als Kinder in anderen Bundesländern. So seien sie seltener übergewichtig oder von Allergien betroffen. Allerdings stelle der kinderärztlichen Dienst immer mehr Sprach- und Verhaltensauffälligkeiten fest. Garg appellierte an die Eltern, mit ihren Kindern selber viel zu machen und ihnen Zeit zum Toben und Spielen zu lassen. All dies können helfen, dass eine Therapie nicht notwendig werde.
(kim, shz)

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