Explosion : Kieler Student bastelt Sprengstoff in Wohnung

Alarm im Kieler Stadtteil Ravensberg: Ein Student hatte Sprengstoff gebastelt, der in seiner Wohnung explodierte.
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Alarm im Kieler Stadtteil Ravensberg: Ein Student hatte Sprengstoff gebastelt, der in seiner Wohnung explodierte.

"Erhebliche Mengen" Chemikalien mixte ein Kieler Student zusammen - dann ging das Gemisch in die Luft. Der 26-Jährige wurde dabei schwer verletzt. Das Motiv ist unklar.

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03. März 2008, 04:24 Uhr

Noch nicht einmal Nachbarn hörten den Knall, als ein Teil der brisanten Mischung detonierte - ein 26Jahre alter Student in Kiel hat sich mit selbsthergestelltem Sprengstoff schwer verletzt. "Die Chemikalien waren alle zwar frei erhältlich", berichtet Polizeisprecher Jürgen Börner. "Daraus hat er sich dann den Sprengstoff zusammengemischt, und das ist strafbar."
Und gefährlich - am Freitagabend hatte der junge Mann, der im Kieler Stadtteil Ravensberg eine Erdgeschosswohnung im Mehrfamilienhaus bewohnt, das Gemisch nicht mehr unter Kontrolle. Nach der Explosion rief der verletzte 26-Jährige selbst Feuerwehr und Polizei.
In der Wohnung entdeckten die Beamten "erhebliche Mengen" von selbst hergestellten Substanzen. Mehr als 100 Anwohner wurden im Umkreis von 500 Metern in Sicherheit gebracht. Anschließend alarmierten die Behörden den Kampfmittelräumdienst sowie die Sprengstoffermittler des Landeskriminalamtes (LKA). Die Experten hätten die Substanzen als "hochexplosiv" eingeschätzt, sagte Börner. Sie sollen die Gefährlichkeit von TNT gehabt haben. Schon bei geringer Erschütterung hätten die aus verschiedenen Chemikalien hergestellten Sprengstoffe explodieren können. "Wenn die gesamte Menge explodiert wäre, hätte dies einen massiven Gebäudeschaden zu Folge gehabt mit weiteren Verletzten", so Polizeisprecher Börner.
Kontrollierte Sprengung vor dem Haus
Wegen der Gefährlichkeit der Stoffe war es erforderlich, vor dem Haus eine kontrollierte Sprengung vorzunehmen. Die Anwohner wurden in einer Schule und einem bereitgestellten Bus untergebracht. Erst am frühen Samstagmorgen seien die letzten Chemikalien vernichtet worden. Anschließend konnten die Anwohner wieder in ihre Häuser zurückkehren.
Der 26-Jährige wurde in ein Kieler Krankenhaus gebracht und notoperiert. Nach unbestätigten Angaben hat er schwere Gesichtverletzungen sowie eine Hand verloren. Das Motiv sei noch unklar, sagte Börner. "Dies ist bei Selbstbastlern häufig unergründlich." Einen politischen oder gar terroristischen Hintergrund schließt die Polizei jedoch aus. Die weiteren Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und des Herbeiführens einer Explosion hat das LKA übernommen. Der deutsche Student muss sich jetzt in einem Strafverfahren verantworten.

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