zur Navigation springen

Plattdeutsch in Schleswig-Holstein : Kieler Forscher sucht junge Plattschnacker

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Das Plattdeutsche wird nicht sterben, aber es wird immer ärmer“, sagt Professor Michael Elmentaler von der Uni Kiel. In einem Forschungsprojekt soll ein Atlas der niederdeutschen Dialekte in Schleswig-Holstein entstehen.

Wir wissen zu wenig. Zumindest zu wenig über das Plattdeutsche, glaubt Professor Dr. Michael Elmentaler von der Universität Kiel. Deshalb will der Hochschullehrer für Niederdeutsch in seinem einzigartigen Forschungsprojekt „Plattdüütsch Hüüt“ herausfinden, wo die Menschen im Norden wie platt sprechen. Dazu befragen Elmentaler und sein Team über Jahre mehrere Hundert Schleswig-Holsteiner aus allen Landesteilen und verschiedenen Generationen in drei Runden – die zweite steht kurz vor dem Abschluss. In ein bis zwei Jahren will Elmentaler einen Atlas von Schleswig-Holstein erstellen, in dem verschiedene plattdeutsche Dialekte verzeichnet sind. Auch ein Folgeprojekt bis nach Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern kann der 48-Jährige sich vorstellen.

„Bislang wurde vor allem über Wortschatz und Aussprache geforscht, aber nicht zu regionalen Unterschieden in der Grammatik“, sagt Elmentaler. Sein Ergebnis: Die Eigenarten des Plattdeutschen verschwinden immer mehr. „Dort , wo es im Niederdeutschen zwei mögliche Formen gibt, verwenden die Leute meist die, die dem Hochdeutschen ähnlicher ist“, sagt der Professor. So wird platt langsam durch hochdeutsch gekillt. Während Ältere eher sagen: „Ik gah na mien’n Lehrer“ würden jüngere eher die Form: „Ik gah to mien’n Lehrer“ wählen. „Beide Formen sind im Plattdeutschen gebräuchlich, die zweite ähnelt aber eher dem Hochdeutschen“, so Elmentaler. Zweisprachige Sprecher versuchten im Kopf, die Sprachen zu vereinheitlichen. Hinzu komme das ursprünglich eher platte Image des Plattdeutschen. Wenn ein Zuhörer, der im Niederdeutschen nicht zu Hause ist, die erste Form höre, könne er dem Sprecher unterstellen, die deutsche Grammatik nicht richtig zu beherrschen.

Vielleicht verschwinden deshalb auch manch andere Besonderheiten, wie etwa die doppelte Verneinung. „Das Plattdeutsche wird nicht sterben, aber es wird immer ärmer“, sagt Elmentaler. Das findet der Forscher schade, aber es sei eben dem modernen Sprachwandel geschuldet, in dem Niederdeutsch immer weiter zurückgedrängt werde. „Wenn man die Besonderheiten erhalten will, muss man sie den Menschen wieder gezielt beibringen.“

Immerhin hat der Professor auch Konstanten gefunden. So bleiben etwa die Unterschiede im plattdeutschen Sprachgebrauch zwischen den Landesteilen Holstein und Schleswig einigermaßen stabil. „Das hat mich sogar ein bisschen überrascht“, sagt der Professor. Offenbar sei der lokale Bezug im Niederdeutschen noch wichtiger als von vielen gedacht.

Elmentaler kann das so genau sagen, weil viele Plattschnacker aus unterschiedlichen Landesteilen seine Fragebögen beantwortet haben. Aus dem Rücklauf kann Elmentaler die These erhärten, dass vor allem im Norden und Westen mehr platt gesprochen wird als im Süden oder Osten Schleswig-Holsteins. Um den Wandel der Sprache noch weiter herauszuarbeiten braucht der Professor vor allem noch junge Plattschnacker, von denen es immer weniger gibt. „In unserer zweiten Runde haben wir nur 30 Teilnehmer unter 35 Jahren gehabt. Wir bräuchten so um die 100, um verlässliche Ergebnisse zu bekommen“, sagt Elmentaler. „Wir haben etwa niemanden aus Dithmarschen, dabei wird platt doch dort viel gesprochen.“ Wichtig sei nicht, dass man platt in Perfektion spreche, die Fragen seien nicht besonders schwer. Und die Beantwortung hilft einem gestandenen Professor, bald wieder ein bisschen mehr zu wissen.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen