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Blog aus Afghanistan : Khaled Waziri: Ein Schleswig-Holsteiner in Kabul

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Khaled Waziri lebt in Malente, seine Wurzeln liegen in Afghanistan. Die kommenden sechs Monate verbringt er in Kabul. Ab sofort berichtet er auf shz.de über seine Eindrücke.

Malente/Kabul | „Ich bin davon überzeugt, dass in diesem Jahr die Entscheidung fällt, wie sich Afghanistan und vielleicht die ganze Region in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird. 2014 wird ein Schicksalsjahr“, sagt Khaled Waziri. Der 23-jährige Student, in Deutschland aufgewachsener Sohn afghanischer Eltern, will diese Entwicklung in Afghanistan „hautnah“ verfolgen. Am Montagabend ist Waziri in die Heimat seiner Eltern gereist. Die nächsten sechs Monate möchte er in Kabul bei Verwandten leben – und für shz.de berichten, was in dem Vielvölkerstaat am Hindukusch passiert.

2014 warten zwei entscheidende Ereignisse: eine Präsidentschaftswahl am 5. April und der bis zum Jahresende geplante Abzug aller ausländischen Kampftruppen. Zurzeit steht noch nicht fest, wie sich die internationale Staatengemeinschaft über 2014 hinaus in Afghanistan engagieren wird. Ein entsprechendes Abkommen will der scheidende Präsident Hamid Karsai bislang seinem Nachfolger überlassen.

Khaled Waziri ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Seine Eltern waren zu Beginn des Bürgerkriegs, der 1989 dem Abzug sowjetischer Truppen aus Afghanistan folgte, nach Deutschland geflohen. Seit zwölf Jahren lebt die Familie in Malente (Ostholstein). Die drei Kinder – Khaled ist der älteste Sohn – sind zweisprachig aufgewachsen.

Khaled Waziri ist 2012 zum ersten Mal in die Heimat seiner Eltern gereist. Antrieb dazu gab ihm die Ermordung eines Onkels in Kabul, den er nie kennengelernt hatte: Ein Journalist, dem offensichtlich kritische Berichterstattung zum Verhängnis wurde. „Meine Ankunft in Kabul war ein Kulturschock“, erinnert sich Waziri, der ein Studium der Philosophie und Geschichte in Marburg unterbrochen hat: Er sei in eine vollkommen andere Welt gekommen. Die hielt viele Überraschungen für ihn bereit. Zu den schönen zählt die Herzlichkeit der Menschen.

Zu den positiven Erkenntnissen zähle auch, dass es trotz der schwierigen Sicherheitslage in Kabul und vielen Teilen des Landes bei den meisten Menschen ein geregeltes Leben, einen normalen Alltag gebe. Es existiere eine breite bürgerliche Schicht, die des Krieges und der Gewalt überdrüssig sei, die sich nach einem unbeschwerten Leben sehne.

„In vielen Berichten, die man hier in Deutschland liest, wird Afghanistan aus der Brille der Bundeswehr gesehen“, sagt Waziri. Er würde gerne ein anderes Bild von der Heimat seiner Eltern zeichnen, Nachrichten mitten aus der Zivilgesellschaft eines durch mehr als 30 Jahre Krieg gequälten Landes liefern, die trotz der weit verbreiteten Gewalt viele Freiheiten genießt. Zu denen zählen ein reichhaltiges Musikleben, aber auch eine unendliche Zahl an Radio- und Fernsehsendern. Das gab es während der Taliban-Herrschaft alles nicht.

Was treibt ihn neben der Faszination an, die das Land auf alle Besucher ausübt? „Es ist für mich eine einmalige Chance, ein historisches Jahr unmittelbar zu erleben. Und irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass die Arbeit meines Onkel nicht umsonst gewesen sein darf.“

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erstellt am 11.Feb.2014 | 06:00 Uhr

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