Aufklärungsflugzeug : Keine Zulassung für Drohne Eurohawk

Zu unsicher für den deutschen Luftraum: Die Prüfer verweigern dem Eurohawk die Zulassung. Foto: dpa
Zu unsicher für den deutschen Luftraum: Die Prüfer verweigern dem Eurohawk die Zulassung. Foto: dpa

Sie sollte für die Luftwaffe einen Aufbruch symbolisieren - die Eurohawk-Drohne. Doch das Aufklärungsflugzeug droht, am Boden zu bleiben.

shz.de von
23. März 2013, 11:32 Uhr

Jagel/Berlin | Die Serienproduktion des Eurohawk steht vor dem Aus. Und selbst dem Prototypen, der seit Dezember 2011 im bayerischen Manching getestet wird, könnte die Zulassung verweigert werden. "Es ist zutreffend, dass zum Erwirken einer Muster- und Verkehrszulassung für die Eurohawk-Serie (...) mögliche, nicht unerhebliche Mehrkosten identifiziert wurden", heißt es im Antwortschreiben des Parlamentarischen Verteidigungsstaatssekretärs Thomas Kossendey (CDU) auf eine Anfrage des Kieler SPD-Verteidigungspolitikers Hans-Peter Bartels.

Die Mehrkosten belaufen sich nach sh:z-Informationen auf 600 Millionen Euro. Schon jetzt hat die Einführung des Eurohawk-Systems 1,3 Milliarden Euro verschlungen - von der Entwicklung bis zu den 40 Millionen Euro für die bereits fertig gestellte Infrastruktur auf dem Fliegerhorst Jagel bei Schleswig. Dort soll der erste Eurohawk mit zweijähriger Verspätung eigentlich in diesem Spätsommer stationiert werden. Insgesamt plante die Luftwaffe den Kauf von neun Maschinen - teils zur signalerfassenden, teils zur optischen Aufklärung.

Wirtschaftlichkeit in Frage gestellt

Die Prüfer des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung wollen bei dem Eurohawk offenbar die Gefahr von Zusammenstößen mit Passagiermaschinen derzeit noch nicht völlig ausschließen. Dem Vernehmen nach fehlt die technische Dokumentation des in den USA entwickelten Flugzeugs. "Derzeit wird abschließend geprüft, ob eine Beschaffung vor dem Hintergrund der Zulassungsproblematik zu rechtfertigen sei", heißt es in Kossendeys Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt.

Und noch ein Argument führt der Staatssekretär gegen die Riesendrohne ins Feld. Die Amerikaner hätten die Anschaffung weiterer Global Hawk - die fast baugleiche US-Variante - eingestellt. Damit sei auch die Wirtschaftlichkeit des Eurohawk in Frage gestellt.

"Die Fähigkeiten, die dieses Flugzeug hat, sind immens"

SPD-Mann Bartels spricht von einem "Desaster". Er frage sich, warum die Probleme so spät erkannt worden seien. Das tut auch Oberst Hans-Jürgen Knittlmeier, Kommodore des Jageler Aufklärungsgeschwaders (AG) 51. Schließlich hätten deutsche Zulassungsexperten die Entwicklung des Eurohawk schon zwei Jahre lang in den USA begleitet. Knittlmeier hofft, dass wenigstens dem Prototypen die Lizenz erteilt wird. Denn: "Die Fähigkeiten, die dieses Flugzeug hat, sind immens."

Bartels plädiert dafür, die Sensorik des Eurohawk in bemannten, marktreifen Flugzeugen einzubauen. Davon unbenommen ist die Zukunft des AG 51. Dort bleiben Tornado-Jets stationiert.

Doch mit dem Eurohawk-Desaster rückt auch die von Verteidigungsminister Thomas de Maizière geplante Anschaffung von Kampfdrohnen des US-Typs Predator in weite Ferne. In den Regierungsfraktionen wächst offenkundig die Skepsis, das emotional stark besetzte Thema im Wahljahr auf der Agenda zu lassen.

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