Unternehmen im Norden : Keine Sonderrechte für WM-Fans

Dem ungetrübten Fanvergnügen beim Public Viewing sind bei dieser WM durch die Zeitverschiebung bisweilen Grenzen gesetzt.
Dem ungetrübten Fanvergnügen beim Public Viewing sind bei dieser WM durch die Zeitverschiebung bisweilen Grenzen gesetzt.

Schleswig-Holsteins Arbeitnehmern droht während der Fußball-WM Schlafmangel. Die teilweise späten Anstoßzeiten in Brasilien treffen vor allem Fußballfans, die am nächsten Tag Frühdienst haben. Einige Unternehmen warten erst mal ab, andere bieten Public Viewing.

shz.de von
08. Juni 2014, 12:00 Uhr

Flensburg | Bei der Fußball-WM bis nach Mitternacht vor dem Fernseher sitzen? Schleswig-Holsteins Fußballfans droht Schlafmangel, denn die Arbeit geht im nördlichsten Bundesland natürlich normal weiter. Die Mehrzahl der Arbeitgeber belässt es erst mal bei den üblichen Arbeitsabläufen, wie eine Umfrage von Schleswig-Holstein am Sonntag unter Unternehmen im Norden ergab.

Lübeck

Fußballgünstig sieht es für die Mitarbeiter des Lübecker Medizintechnik-Konzerns Dräger aus. „Wir haben eine eigenverantwortliche Arbeitszeit“, sagt Unternehmenssprecher Herbert Glass. Allerdings müssen sich die dortigen Fußballfans mit ihren Kollegen absprechen, wenn sie später anfangen wollen. „Denn die Arbeitsfähigkeit des Unternehmens muss erhalten bleiben.“ Dies gilt besonders für die Produktion. Das dortige Schichtsystem wird zur WM nicht gelockert.

Flensburg

Auch bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft sind bislang keine Umstellungen des Schichtbetriebs geplant. Die Frühschichten werden auch an den Tagen nach den Spielen der deutschen Mannschaft jeweils pünktlich um 6 Uhr beginnen. Werftsprecher Raimon Strunck macht den 700 Beschäftigten allerdings Hoffnung, bei einem erfolgreichen Turnierverlauf möglicherweise länger schlafen zu können: „Wenn die Mannschaft in die letzten ein, zwei Runden kommen sollte, werden wir flexibel reagieren“, sagte er.

Getrübte Fußball-Aussichten gibt es auch für die Bierbrauer im Norden. „Aufgrund der Hochkonjunktur wird es bei uns keine Änderungen der Arbeitsschichten geben“, sagt der Sprecher der Flensburger Brauerei Ralf Höpfner. Aktuell arbeite der Betrieb rund um die Uhr. Völlig verzichten auf den Fußball müssen die Flensburger Bierbrauer aber selbst dann nicht, wenn sie abends arbeiten: „Es besteht die Möglichkeit, im Pausenraum einen Fernseher aufzustellen“, sagt Höpfner. Direkt an der Abfüllanlage ginge das aber nicht. „Das ist aus Arbeitsschutz-Gründen nicht möglich.“

Dithmarschen

Auch die 65 Beschäftigten der Dithmarscher Brauerei in Marne müssen notfalls Schlafmangel in Kauf nehmen, wollen sie späte deutsche Spiele sehen. Derzeit herrsche für das Unternehmen Hochbetrieb, sagte eine Unternehmenssprecherin. „Biersaison ist Biersaison.“

Kiel

Verständlicherweise kann das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) – mit mehr als 10.000 Beschäftigten größter Arbeitgeber des Landes – auf die WM keine Rücksicht nehmen. „Wenn Patienten da sind, müssen wir schließlich handeln“, sagt UKSH-Sprecher Oliver Grieve.

Da haben es die Mitarbeiter der Industrie- und Handelskammer Kiel viel besser: „Wir haben eine sehr großzügige Gleitzeit-Verordnung, die auch dem leidenschaftlichsten Fußball-Fan gerecht wird“, sagt Sprecher Michael Legband.

Beim Telekommunikations-Unternehmen Freenet hat man sich dagegen bereits auf die WM eingestellt. „Am Standort Büdelsdorf wird es ein Public Viewing des ersten Spiels der deutschen Mannschaft geben“, sagt Unternehmenssprecherin Elke Rüther. Dort arbeiten 150 Callcenter-Mitarbeiter bis 20 Uhr. Wer unbedingt Spiele um 18 Uhr sehen will, kann seine Schicht tauschen. „Das können wir bislang aber gar nicht feststellen.“

Ähnlich sieht es bei der HSH Nordbank aus: „Die Mitarbeiter entscheiden selbst, wie sie ihre Arbeit geregelt bekommen“, sagt HSH-Sprecher Rune Hoffmann. Der überwiegende Teil der Mitarbeiter habe gleitende Arbeitszeiten.

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