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Nach Einschränkungen in Boltenhagen : Keine Pläne für Fotoverbote an Stränden in SH

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Fotos am Strand sind in Schleswig-Holstein kein Problem, sagt das Tourismusmarketing. Verbote würden das Problem ohnehin nicht lösen, meint die Datenschutzbeauftragte.

Lübeck | Der Rummel um ein angebliches Fotoverbot am Strand des Ostseebades Boltenhagen in Mecklenburg-Vorpommern lassen die Tourismus-Verantwortlichen in Schleswig-Holstein weitgehend kalt. Im nördlichsten Bundesland habe es seines Wissens bislang keine Beschwerden von Badegästen gegeben, die gegen ihren Willen fotografiert worden seien, sagte der Sprecher der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH), Marc Euler.

In Boltenhagen sollen an den Strandzugängen demnächst Aufkleber in Deutsch, Englisch und Arabisch darauf hinweisen, keine fremden Menschen ohne deren Zustimmung zu fotografieren. Zunächst hatten Medien berichtet, das Fotografieren am Strand solle generell untersagt werden.

„Wir befinden uns im Abstimmungsprozess, ob so ein Verbot in Schleswig-Holstein überhaupt nötig ist“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Landestourismusverbandes, Frank Behrens. Für die Landesdatenschutzbeauftragte Marit Hansen besteht für ein Verbot kein Anlass. „Das wäre auch schwer durchsetzbar und noch schwerer zu überwachen“, sagte sie. Doch der Hinweis, dass an bestimmten Orten das Fotografieren nicht erwünscht ist, sei schon sinnvoll. Sie plädierte dafür, schon Jugendliche über das Recht am eigenen Bild aufzuklären. 

Die Kurdirektorin von Boltenhagen, Claudia Hörl, hatte die Einschränkungen unter anderem damit begründet, dass viele Gäste in Boltenhagen wegen der früheren Nähe zur innerdeutschen Grenze auf Ferngläser und Kameras am Strand immer noch sehr sensibel reagierten.

„Ein generelles Fotoverbot am Strand wäre ein ganz krasser Einschnitt in das Urlaubserlebnis der Gäste. Sie wollen Fotos von sich und ihrer Familie am Strand mit nach Hause nehmen und auch in den sozialen Netzwerken verschicken“, sagte dagegen TASH-Sprecher Euler. Das Teilen von Urlaubsfotos aus Schleswig-Holstein sei zudem auch ein wichtiger Bestandteil des touristischen Marketings.

Das bestätigte auch der Kurdirektor des zu Lübeck gehörenden Ostseebades Travemünde, Uwe Kirchhoff. „Wir wollen bei der Neugestaltung unserer Travepromenade einen ,Selfie-Point‘ einrichten, wo die Gäste Handyfotos von sich mit der ,Passat‘ im Hintergrund machen können“, sagte er. „Schnappschüsse von glücklichen Urlaubern sind die beste Werbung für uns.“ In den Lübecker Hallen- und Freibädern dagegen gehen die Persönlichkeitsrechte der Badegäste vor. Laut der Haus- und Badeordnung ist das Fotografieren und Filmen fremder Personen und Gruppen ohne deren Einwilligung nicht gestattet, sagte eine Sprecherin der Lübecker Schwimmbäder. Bislang habe es aber keine Beschwerden über unerlaubtes Fotografieren gegeben.

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erstellt am 20.Jun.2016 | 17:06 Uhr

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