zur Navigation springen

Sturmschäden : Kein Strom, kein Mobilfunk, kein Dach – wer zahlt?

vom

Nach Orkan „Christian“ wird in Schleswig-Holstein aufgeräumt. Strom- und Kommunikationsnetze werden wieder hergestellt, Straßen und Gleise frei geräumt und Häuser repariert. Nicht immer kommen für die Kosten Versicherungen auf.

von
erstellt am 29.Okt.2013 | 12:42 Uhr

„Christian“ hat Schleswig-Holstein stärker erwischt als erwartet. 50.000 Haushalte waren laut Ove Struck von der Schleswig-Holstein Netz AG zur Spitzenzeit ohne Strom, rund 700 waren es noch am Dienstag um 11 Uhr. Auf Leitungen gekippte Bäume und Äste, gerissene Seile und sogar umgeknickte Masten sind die häufigsten Schäden. „Aus ganz Deutschland bekommen wir Notstromaggregate, um sie dort aufzustellen, wo eine Reparatur noch länger dauert“, erklärt Struck. Der Schwerpunkt liege im Kreis Nordfriesland. Allein in Niebüll seien 13 Aggregate in Betrieb. Die Schwierigkeit bestehe oft darin, die Geräte an die richtigen Stellen zu bekommen – weil Bäume und Gegenstände die Straßen blockieren. Bis 20 Uhr sollen auch die letzten Häuser und Höfe wieder versorgt sein. Dass nicht mehr Haushalte stromlos waren, ist laut Struck der Tatsache zu verdanken, dass 90 Prozent der Mittelspannungsleitungen und fast alle Niederspannungsleitungen unter der Erde liegen.

Auch Mobilfunknetze waren vom Sturm betroffen. In und um Flensburg klagten Kunden von E-Plus und O2 über Probleme. O2-Sprecherin Julia Leuffen bestätigt „witterungsbedingte Störungen im Richtfunk“. Wo die Fehler genau liegen, ist noch unklar. Leuffen: „Es kann sein, dass Antennen durch den Wind verdreht wurden und neu ausgerichtet werden müssen, dass es einen kurzen Stromausfall gab und die Hardware neu gestartet werden muss oder Masten beschädigt sind.“ Wo genau die Probleme liegen und warum sie teilweise auch 24 Stunden nach dem ersten Auftreten noch nicht behoben sind, kann Leuffen noch nicht sagen. Sie rät betroffenen Kunden, sich wegen möglicherweise entstandener Zusatzkosten an die Hotline zu wenden.

Für Schäden an Autos, Gebäuden oder anderen Gegenständen springen verschiedene Versicherungen ein. Dafür muss der Wind aber schneller als 61 Stundenkilometer gewesen sein – erst dann sprechen Versicherungen von Sturm.

Kaskoversicherungen

Durch die Kaskoversicherungen werden alle unmittelbaren Sturm- und Hagelschäden an Autos abgedeckt. Wird das Fahrzeug beispielsweise durch umherfliegende Dachpfannen, herabstürzende Äste oder umgestürzte Bäume beschädigt, tritt die Teilkaskoversicherung ein. Sie zahlt die notwendigen Reparaturen oder ersetzt im Bedarfsfall den Zeitwert des Wagens. Die Teilkasko kommt allerdings nicht für mittelbare Sturmschäden auf, hier bedarf es einer Vollkaskoversicherung. Diese ersetzt Schäden, auch am eigenen Fahrzeug, die durch eigenes Verschulden entstanden sind: Wenn z.B. ein unachtsamer Fahrer bei einem Wagen auffährt, der zuvor gegen einen vom Sturm umgestürzten Baum geprallt ist.

Welche Auswirkungen die Inanspruchnahme auf die Schadenfreiheitsklasse hat, sollte vor dem Einreichen des Schadens geklärt werden, rät Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Laut Holger N. Koch, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute, Bezirksverband Kiel, zahlen die Kaskoversicherungen in der Regel „zwar abzüglich vereinbarter Selbstbehalte, aber ohne Rabattrückstufung“.

Hausratversicherung

Neben Standardleistungen wie beispielsweise Einbruch, Brand- und Leitungswasserschäden ersetzt sie auch Sturmschäden an Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen. Auch hier sind die Folgeschäden am Hausrat mitversichert, wenn das Dach durch den Sturm beschädigt oder abgedeckt wurde. Die Glasversicherung deckt Bruchschäden an Fenster- und Türscheiben sowie Glasdächern – einschließlich der Kosten für eine eventuell erforderliche Notverglasung. Für Gebäude, die sich noch im Bau befinden, ist eine Bauleistungsversicherung notwendig.

Wohngebäudeversicherung

Die heute übliche Wohngebäudeversicherung deckt alle Sturmschäden am Gebäude ab. Sie schließt ebenfalls Feuer-, Leitungswasser-, Hagelschäden mit ein. Auch Folgeschäden sind mitversichert – wenn beispielsweise durch ein abgedecktes Dach Regenwasser ins Haus eindringt und Wände, Decken oder Fliesen beschädigt. Die Versicherung übernimmt die Kosten, um das Haus nach einem Sturm wieder in Stand zu setzen. Für Hauseigentümer ist sie eine Pflichtversicherung. Die Gebäudeversicherung für Eigentumswohnungen wird in der Regel von der Hausverwaltung abgeschlossen. Die Höhe der Versicherungsbeiträge richtet sich nach der Region, in der man wohnt. Deutschland ist dabei in verschiedene Gefahrenzonen aufgeteilt: In Gebieten, in denen es häufiger stürmt, ist es demzufolge teurer, sich gegen Sturmschäden zu versichern.

Schäden durch Bäume

Ein immer wiederkehrender Streitpunkt sind umstürzende Bäume oder abknickende Äste, die parkende Autos beschädigen. Experten der Arag-Versicherung weisen auf einen Fall hin, bei dem ein Pkw durch einen herabgefallenen Platanen-Ast beschädigt worden ist. Die Ausbesserung der im Fahrzeugdach entstandenen Dellen kostete rund 1500 Euro. Der erboste Autofahrer verklagte die Gemeinde auf Schadensersatz. Diese habe ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt und dadurch den Schaden verschuldet, meinte er. Sie wäre dazu verpflichtet gewesen, den 15 Meter hohen Baum nicht nur – wie geschehen – vom Boden aus, sondern mithilfe eines Hubwagens eingehend auf trockene Äste zu untersuchen. Das zuständige Gericht sah den Fall nicht so (OLG Frankfurt, AZ: 1 U 30/07; ähnlich OLG Brandenburg AZ: 2 U 58/99). Anders sieht es allerdings aus, wenn der Baum trotz äußerer Krankheitszeichen nicht auf seinen Zustand hin untersucht wurde (OLG Nürnberg, AZ: 4 U 1761/95).

 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen