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Der Panther von Heikendorf : Kein Museumsstück: Der Panzer im Keller

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein 78-Jähriger aus Heikendorf sorgte Mitte 2015 mit seinem Arsenal samt Panzer für Aufsehen - und den Besuch der Staatsanwaltschaft.

shz.de von
erstellt am 26.12.2015 | 09:00 Uhr

Heikendorf | Er hat im vergangenen Jahr weltweit Schlagzeilen gemacht: Der Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg, den Bundeswehrpioniere im Juli aus einer Art Ruhmeshalle im Keller einer Villa in Heikendorf (Kreis Plön) gezogen haben. Finanzmakler Klaus-Dieter F. (78) hatte den „Panther“ liebevoll restauriert – und dabei nahezu einsatzbereit gemacht. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Beschlagnahmt wurden auch ein Flak-Geschütz, ein Torpedo sowie zahlreiche Maschinengewehre.

Ein Bergepanzer der Bundeswehr rollt am Donnerstag in Heikendorf auf ein Villengrundstück.
Ein Bergepanzer der Bundeswehr rollt am Donnerstag in Heikendorf auf ein Villengrundstück. Foto: dpa
 

Ins Visier der Polizei war F. durch Ermittlungen um wieder aufgetauchte Nazi-Kunst geraten. Die örtlichen Behörden allerdings wussten seit 2005 von dem Panzer, wurden jedoch nie aktiv. Mitarbeiter des Plöner Ordnungsamts hatten den „Panther“ bemerkt, als sie über die Genehmigung für eine Grundstücksmauer entscheiden sollten.

November 1977: Der „Panther“ auf einem Schrottplatz in England.
November 1977: Der „Panther“ auf einem Schrottplatz in England.
 

Sie holten sich Rat im Innenministerium und forderten dann Unterlagen an, die eine Demilitarisierung belegen sollten. Klaus-Dieter F. konnte diese Bescheinigung nicht vorlegen. Er hatte den Panzer 1977 auf einem Schrottplatz in England gekauft und schickte der Behörde alte Fotos aus der Zeit vor der Restaurierung. Ein Sachbearbeiter der Plöner Waffenbehörde schrieb daraufhin: „Sie haben mich überzeugt, dass das Panzerfahrzeug seine Kriegswaffeneigenschaften verloren hat.“

Das Video zeigt die Bergung des Panzers:

Beim Kreis war Klaus-Dieter F. gut bekannt. Er vertrieb kommunale Darlehen und hatte auch den Plönern günstige Kredite über rund 18 Millionen Euro vermittelt.

Noch kurioser wurde der Fall, als das Verteidigungsministerium auf Anfrage des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z) bestätigte, dass die Bundeswehr an dem Panzer mitgeschraubt hat. Von 2011 bis 2014 half die WTD 41, die Wehrtechnische Dienststelle in Trier, bei der Instandsetzung des Motors. Für Ausbau, Überholung und Einbau wurden Herrn F. 28  317 Euro in Rechnung gestellt. Mittlerweile ermittelt die Kieler Staatsanwaltschaft auch gegen einen zivilen Mitarbeiter der Bundeswehr in Trier.

Ob der Panzer ewig in Heikendorf geblieben wäre, ist fraglich. Klaus-Dieter F. soll kurz vor der Beschlagnahme einen solventen Käufer gefunden haben. Es wäre ein Millionengeschäft geworden.

 

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