Hamburger Dauerbaustelle : Kein Licht am Ende des Elbtunnels

Der Elbtunnel wird zur Dauerbaustelle: Probleme mit dem neuen Rauchabzugssystem
Der Elbtunnel wird zur Dauerbaustelle: Probleme mit dem neuen Rauchabzugssystem

Die fest versprochene Öffnung aller Röhren des Hamburger Elbtunnels wird verschoben. Dafür gibt es eine Garantie bis 2030: Jede Menge Staus wegen Großbaustellen.

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07. November 2012, 01:18 Uhr

Hamburg | Dauerstau-Steher vor dem Elbtunnel mögen geglaubt haben, schlimmer geht’s nimmer. Am Montag mussten sie sich eines Schlechteren belehren lassen. An nur einem Tag setzte es für Nutzer der Autobahn 7 gleich zwei Schläge in die Magengrube. Nicht nur die für den 2. Dezember fest versprochene Öffnung aller vier Elbtunnelröhren muss verschoben werden - bis alle Röhren wieder frei sind, dauert es wohl bis Anfang Februar.
Grund für die Verzögerung ist ein Defekt an einem Rauchabzugskanal, einem Kanal aus Stahlblech mit einer Länge von sechs Metern. Bei einem Test, mit dem die Leistungsfähigkeit der Rauchabsaugung überprüft wurde, habe sich ein Abschnitt des Kanals für die dritte Röhre im Betriebsgebäude Süd stark verformt. Daher sei die "erforderliche Dichtigkeit des Abzugskanals" nicht mehr gegeben.
Staugarantie bis 2030
Zugleich wurde bekannt, dass sich die extreme Staugefahr rund um das Nadelöhr des Nordens um vermutlich weitere zehn Jahre verlängert. Das neue Schreckensszenario: Bis etwa 2030 gilt auf der A7 nördlich und südlich des Tunnels Staugarantie, weil eine Großbaustelle die andere nahtlos ablösen wird.
Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), überbrachte die bittere Wahrheit bei einem Besuch an der Elbe. Nach seinen Angaben wird Deutschlands meistbefahrene Autobahn in den nächsten Jahren nicht nur nördlich des Tunnels aufwendig verbreitert und mit einem Lärmdeckel versehen. Auch südlich des Tunnelausgangs gebe es dringenden Sanierungsbedarf. Ferlemann: "Die Pfeiler der dort aufgeständerten Autobahn sind marode und müssen ersetzt werden." Zugleich sollen die Fahrbahnen der Autobahn erneuert und diese bis zur Anschlussstelle Moorburg von sechs auf acht Spuren verbreitert werden. "Die Sicherheit im Elbtunnel hat allerhöchste Priorität", betonte Staatsrat Andreas Rieckhof. "Da gibt es keine Kompromisse."
Brücke völlig marode
Auf rund vier Kilometern südlich des Elbtunnels verläuft die A7 auf Stützen und bildet Deutschlands längste Autobahnbrücke. Auf dem Abschnitt sind täglich im Durchschnitt 115.000 Pkw und Lkw unterwegs. Das 70er-Jahre-Bauwerk aus Spannbeton gilt als weitgehend zerschlissen, eine Grundsanierung als unumgänglich. Ferlemann: "Dafür muss jeweils eine der beiden Brücken voll gesperrt und der gesamte Verkehr über die andere Brücke geführt werden." Als Bauzeit werden acht bis zehn Jahre veranschlagt.
Die Hamburger Verkehrsbehörde will den Neubau der Viadukte erst nach Abschluss alle Bauarbeiten nördlich des Tunnels beginnen lassen. Nach jetzigen Schätzungen dürfte dies kaum vor 2020 oder 2022 der Fall sein. Anders als Enak Ferlemann hofft Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof (SPD), dass während der Bauzeit auf den Viadukten sechs Fahrspuren befahrbar bleiben können.
A20 als Entspannung?
Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) sieht eine "zügige Fertigstellung der A20 bis zur A7" als einen Weg, den Hamburger Knoten zu lockern. So könnten Durchgangsverkehre von der A7 zur A1 Richtung Süden geleitet werden. Auch wünscht sich Meyer eine "zügige Fertigstellung der A20 einschließlich westlicher Elbquerung bei Glückstadt, um den Dauerstaupunkt Elbquerung dauerhaft zu umfahren".
Zugleich sickerte gestern durch, dass die Autofahrer weitere Monate auf die ersehnte Komplettfreigabe des Elbtunnels warten müssen. Ursache sind Probleme mit dem neuen Rauchabzugssystem, bei dessen Überprüfung Mängel festgestellt wurden. Staatsrat Rieckhof: "Wir müssen nachbessern und hoffen, dass dann ab Frühjahr 2013 alle vier Röhren gleichzeitig frei sind."
ADAC-Sprecher Carsten Willms nannte die Verzögerung "äußerst kritisch". Wie auch Ferlemann und der Hamburger CDU-Abgeordnete Klaus-Peter Hesse fordert der ADAC vom Senat ein stimmiges Konzept, um die Folgen der jahrzehntelangen A7-Baustellen abzufedern.

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