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Online-Lernen : Kein Facebook an Schulen in SH

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Viele Bundesländer wollen Lehrer und Schüler im Social Web sogar lieber dauerhaft voneinander trennen. Auch Schleswig-Holstein. Der dienstliche Kontakt zwischen Schülern und Lehrern auf Facebook ist verboten.

Mr. Langer hat einen neuen Link gepostet. Einen englischen Artikel der US-Zeitung „USA Today“. Die Geschichte sollen vor allem Thomas Langers Schüler lesen. Die versorgt der Englischlehrer aus Leipzig über seine Facebook-Seite „Mr. Langer Online“ mit spannenden Texten. Doch der 40-Jährige ist damit unter deutschen Lehrern eine Ausnahme.

Viele Bundesländer wollen Lehrer und Schüler im Social Web sogar lieber dauerhaft voneinander trennen. Auch Schleswig-Holstein. In Abstimmung mit dem Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz (ULD) ist der dienstliche Kontakt zwischen Schülern und Lehrern auf Facebook verboten. Denn sowohl das ULD als auch das Land sehen große Risiken in der dienstlichen Nutzung von Facebook an Schulen: So dürfe Schülern kein Nachteil dadurch entstehen, dass sie im Netzwerk nicht angemeldet sind, heißt es in einem Brief vom Bildungsministerium an die Schulaufsicht. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Datenschutz: Alle auf Facebook oder via WhatsApp geteilten Inhalte und Daten werden auf US-amerikanischen Servern gespeichert. Der Datenschutz dort ist erheblich lockerer, als in Deutschland. Dieses Problem gilt auch bei Google-basierten Diensten oder Dropbox. Aus Sicht der Kultusministerkonferenz (KMK), dem gemeinsamen bildungspolitischen Organ der Länder, sei zudem bedenklich, wenn Schulen einen Teil ihrer Kommunikation mit den Schülern über Plattformen abwickelten, die mit den Daten der Nutzer Geld verdienten, erklärt KMK-Sprecher Torsten Heil.

Auch wenn die Schnelligkeit anderer Kanäle für die kurzfristige Information effektiv genutzt werden könne, seien sie für die Nutzung schulischer Inhalte – wie das Sammeln, Ordnen und Verbreiten von Unterrichtsmaterialien – nicht geeignet, befindet Boris Grimm. „In diesen Netzwerken werden die Schüler aber überrannt von Nachrichten, es gibt keine Hierarchie, keine Moderation. Inhalte bleiben in der Flut ungesehen“, weiß der Latein- und Spanischlehrer des Ludwig-Meyn-Gymnasiums in Uetersen (Kreis Pinneberg).

Umso mehr freut sich Grimm über „SchulCommsy“. Seine Schule nutzt die Online-Plattform inzwischen seit zwei Jahren. Hier werden Informationen und Termine öffentlich oder in eingerichteten Gruppen geteilt, Materialien zur Verfügung gestellt und Fragen ausgetauscht. Das alles wird moderiert. Es gibt eine klare Struktur und die Daten liegen auf deutschen Servern.

„SchulCommsy“ wurde von Hamburger Informatikstudenten entwickelt und befindet sich jetzt auf dem Vormarsch in Schleswig-Holsteins Schulen. Bereits 163 Schulen im Land nutzen das System, sagt Thore-Olaf Kühn vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in SH (IQSH). Im Frühjahr 2015 soll „SchulCommsy“ landesweit als Kommunikationsplattform zwischen Schülern und Lehrern etabliert werden, verrät er.

Der Landesschülerverband SH sieht in Facebook, Whatsapp und Co. die Möglichkeit einer unkomplizierten Abwicklung schulischer Angelegenheiten. „Es gibt bereits Kurs- oder Klassengruppen bei Whatsapp und Facebook“, sagt Simon Becker, Landesschülersprecher der Gymnasien in SH. Nur die Lehrer seien halt nicht dabei. Einen Antrag des Verbands auf eine Lockerung des Verbots lehnte die Landesregierung jedoch gerade erst ab. Insbesondere im Hinblick auf den Datenschutz teilt der Verband die Bedenken von ULD und Ministerium gegen Facebook nicht: „Wer etwas dagegen hat, hätte sich eh nicht angemeldet“, sagt Becker.

 

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erstellt am 14.Nov.2014 | 19:36 Uhr

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