Wetterkapriolen : Kaum Heu und Stroh - die Preisspirale dreht sich

Pferdehalter müssen derzeit für ihre Schützlinge tief in die Tasche greifen. Foto: dpa
Pferdehalter müssen derzeit für ihre Schützlinge tief in die Tasche greifen. Foto: dpa

Die Wetterkapriolen machten Ernten zunichte und bringen Pferde- und Rinderhalter in Not. Heu und Stroh sind derzeit Mangelware - und die Preise haben sich mitunter verfünffacht.

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14. Oktober 2011, 09:24 Uhr

Rendsburg | Dass Heu und Stroh zur Mangelware werden und besonders bei Reiterhöfen und Rinderhaltern zu verzweifelten Nachfragen führen, ist eine völlig neue Situation in der Landwirtschaft, die Bauern und Lieferanten besondere Flexibilität abverlangt.
Klaus Dahmke vom Bauernverband macht die Wetterkapriolen für die ungewöhnliche Situation verantwortlich. Der erste Schnitt war wegen der Dürre nicht gewachsen, später stimmte die Qualität nicht mehr. Almuth Hassenstein vom Gut Projensdorf, das 65 Pferde beherbergt, bestätigte: "Wenn das Wetter mitgespielt hätte, hätten wir unseren Bedarf decken können." Nun hat sie bereits Ende August auf Späne umgestellt. Der extreme Regen habe eine normale Ernte von 1300 Ballen zunichte gemacht. Am Ende seien nur 200 Ballen brauchbar gewesen.
"Zusätzlichen Nachfragen kann ich nicht nachkommen"
So setzen die Bauern jetzt Torfmull, Sägespäne oder andere Ersatzlösungen in den Ställen ein. Derweil steigen die Preise für Heu und Stroh in zum Teil Schwindel erregende Höhen, die Lieferanten ordern häufig Nachschub aus dem Ausland, um die Nachfragen ihrer Kunden decken zu können.
Lars Kuhlmann, Landwirt aus Tangstedt (Kreis Pinneberg), beliefert noch seine Stammkunden unter den Pferdehaltern mit Heu und Stroh. "Zusätzlichen Nachfragen kann ich nicht nachkommen, um die Reserven für meine Stammkunden nicht zu gefährden", sagt der Landwirt, der auch schon aus Polen Nachschub erhalten hat.
Die Preisspirale dreht sich im Moment unaufhörlich
Der Import von Stroh aus dem benachbarten Ausland scheiterte allerdings auch daran, dass Händler aus den Niederlanden das Stroh für die dortigen Biogas-Anlagen aufkauften und somit der Tierhaltung entzögen, berichten Landwirte frustriert.
Die Preisspirale dreht sich im Moment unaufhörlich. Die Höchstpreise, die für Heu und Stroh gezahlt werden müssen, werden von den Pferdehöfen in vielen Fällen an die Halter weitergeleitet, die ihre Tiere dort untergestellt haben. Betreiber von Pferdehöfen berichten, dass sich der Preis für Stroh verfünffacht und der für Heu verdreifacht habe. Auch die Preise für die Ersatzprodukte seien sprunghaft in die Höhe gegangen.

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