Qualitätsbericht der Krankenkassen : Kaum Besserung bei der Pflege

Die Krankenkassen haben ihren neuen Pflege-Qualitätsbericht vorgestellt. Ergebnis: "Es gibt noch viel Luft nach oben".

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25. April 2012, 09:46 Uhr

Kiel / Hamburg | Sie liegen angeschnallt in den Betten, haben Schmerzen und wunde Stellen am Körper - und ihnen wird nicht genug geholfen. Immer noch leiden viele Bewohner unter schlechten Bedingungen in den Pflegeheimen in Schleswig-Holstein. Das ist das Ergebnis des dritten Pflege-Qualitätsberichts, den der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) am Dienstag vorgestellt hat. Zwar hat sich die Lage in den vergangenen Jahren verbessert, "dennoch gibt es noch viel Luft nach oben", sagt der Sprecher des MDK Nord, Dr. Martin Schünemann, in Hamburg. Laut Bericht lebt immer noch jeder fünfte Heimbewohner in Deutschland unter so genannten freiheitsentziehenden Maßnahmen - hat also ein Bettgitter, einen Tisch vor dem Rollstuhl oder wird gar im Bett festgeschnallt. In Schleswig-Holstein sind es dagegen nur 14,6 Prozent. "Diese Zahlen sagen zunächst nichts darüber aus, ob diese Maßnahmen berechtigt sind", sagt Schünemann. Allerdings sind laut MDK im Bund diese Maßnahmen häufig leicht zu umgehen - etwa durch niedrigere Betten, die die Sturzgefahr der Heimbewohner senkten.
Doch das ist nicht die einzige Baustelle in der Pflege. So prüfen und dokumentieren immer noch zu wenig Pfleger, ob die Patienten Schmerzen haben. "Im Bund gibt es nur in 54,6 Prozent aller Fälle eine systematische Schmerzeinschätzung, in Schleswig-Holstein und Hamburg sind es 43,8 Prozent", sagt Schünemann. Allerdings liegt der Norden nicht überall zurück - etwa bei der Medikamentenvergabe. Im Bund wird in 81,8 Prozent der Fälle immer die richtige Medizin dosiert, in Schleswig-Holstein und Hamburg sind es 86 Prozent. Und in den Heimen im Norden wird auch mehr für die Bekämpfung von Druckgeschwüren getan. "Hier liegen Schleswig-Holstein und Hamburg mit 35,6 Prozent unter dem Durchschnittswert von 59,3 Prozent", so MDK-Sprecher Schünemann.
Garg hebt positive Ergebnisse hervor
Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) hebt die positiven Ergebnisse des Berichts hervor. So gebe es Verbesserungen, etwa beim Umgang mit Demenz und bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsversorgung der Pflegebedürftigen. "Der MDK-Bericht zeigt, dass die Sicherung der Pflegequalität etwa mit Blick auf Verbindlichkeit von medizinischer Prophylaxe oder im Bereich der Medikamentenversorgung intensive weitere Bemühungen erfordern", sagte Garg. Die Pflegequalität müsse weiter verbessert werden.
In Schleswig-Holstein wurden für den Bericht zwischen Juli 2009 und Dezember 2010 über 7700 Menschen in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen besucht, so weit möglich befragt und ihre Akten ausgewertet, im Bund waren es über 100.000 Pflegebedürftige. "Gefühlt hat sich die Lage im vergangenen Jahr weiter verbessert", so Schünemann. Angesichts der steigenden Zahl der in Zukunft zu pflegenden Menschen dürften die Anforderungen an die Pflege jedoch weiter steigen.

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