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Gesundheitskarte : Kassen machen Druck auf „Kartenverweigerer“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ab Januar 2014 ist die Gesundheitskarte mit Foto Pflicht. Wer sie nicht besitzt, bekommt in der Arztpraxis Probleme.

shz.de von
erstellt am 02.12.2013 | 11:45 Uhr

Die Uhr tickt: In einem Monat verliert die klassische Krankenversichertenkarte ihre Gültigkeit – unabhängig von dem auf der Karte bescheinigten Ablaufdatum. Ab Januar 2014 ist ausschließlich die neue elektronische Gesundheitskarte (eGK) mit Bild des Versicherten gültig. „Versicherte, die bisher noch keine eGK haben, sollten deshalb umgehend ein Foto bei ihrer Krankenkasse einreichen, damit die neue Karte rechtzeitig ausgegeben werden kann“, rät Schleswig-Holsteins AOK-Sprecher Jens Kuschel.

Das predigen die Kassen seit Monaten– mit mehr oder weniger großem Erfolg. Waren noch im September zehn Prozent der gesetzlich versicherten Nordlichter ohne Foto-Karte, sind es jetzt laut AOK nur noch fünf Prozent.

Unklar ist zur Zeit noch, ob die fünf Prozent der bundesweit 70 Millionen Versicherten, die bislang noch keine Foto auf der Karte haben, den Sprung ins digitale Ausweis-Zeitalter aus Überzeugung verweigern. Angesichts der aktuellen Debatten über Datenmissbrauch Datensammelwut und Abhörskandalen wäre das nicht ungewöhnlich.

Klar ist aber, dass das Nebeneinander von alter und neuer Karte Geld kostet,was die Kassen möglichst vermeiden wollen. Deshalb wird in diesen Tagen hinter den Abtrünnigen hertelefoniert. Hotline-Mitarbeiter leisten im Minutentakt Überzeugungsarbeit bei all denen, die die Abgabe verschludert haben, den Aufwand scheuen oder Datenmissbrauch fürchten. DAK und AOK locken Versicherte in ihren Filialen mit einem kostenlosen Fotoservice. Zusätzlich bietet die AOK ihren Kunden an, ihr digitales Foto bequem vom heimischen Computer aus unter www.aokbild.de hochzuladen.

Gern wird auch Druck aufgebaut: „Sie können Ihre alte Krankenversichertenkarte nur noch bis zum 31. Dezember 2013 als Versicherungsnachweis beim Arzt oder Zahnarzt vorlegen. Ganz unabhängig davon, welches Gültigkeitsdatum auf Ihrer Karte aufgedruckt ist“, teilt die Techniker Krankenkasse (TK) auf ihrer Homepage mit. Weiter heißt es dort: „Ab dem 1. Januar 2014 können Ärzte die erbrachten Leistungen nur noch über die elektronische Gesundheitskarte abrechnen“.

Doch ganz so streng wird das nicht gehandhabt. Versicherte ohne die neue Karte müssen keine Angst haben, ab Januar vom Arzt nach Hause geschickt zu werden , stellt auch Claudia Widmaier, Sprecherin des GKV-Spitzenverbands, klar. Selbst die TK räumt ein, für „ ganz besondere Ausnahmefälle“ habe man eine Übergangsfrist bis zum 30. September 2014 vereinbart. In dieser Zeit kann der Arzt im Einzelfall die alte Krankenversichertenkarte noch akzeptieren und mit dieser abrechnen.

Zumindest theoretisch. Hartnäckige Verweigerer müssen sich in der Praxis aber auf Unannehmlichkeiten und einige Lauferei einstellen. Denn es hängt nicht zuletzt vom Arzt ab, ob er die alte Karte noch akzeptiert.

Winkt der Doktor ab, greift eine Regelung, die auch beim Verlust der eGK zum Tragen kommt: Der Versicherte kann eine ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen und hat dann zehn Tage Zeit, einen gültigen Krankenversicherungsnachweis vorzulegen. Anderenfalls ist der Arzt dazu berechtigt, dem Betroffenen die Leistung privat in Rechnung zu stellen. Eine bereits bezahlte Privatrechnung kann erstattet werden, sofern „spätestens bis zum Ende des Quartals ein Versicherungsnachweis vorliegt“, heißt es in einer Mitteilung des GKV-Spitzenverbands. Klappt das, muss der Arzt die Privatrechnung wieder zurückziehen.

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