Kartenmaterial zwingt Rettungskräfte zum Blindflug

Weil Kommunen und Landespolizeiamt sich nicht einigen können, müssen Rettungskräfte auf veraltetes Kartenmaterial zurückgreifen.

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01. September 2012, 12:37 Uhr

Harrislee/Sylt | Ein Verletzter braucht Hilfe, doch der Rettungswagen findet die Adresse nicht. Die Angaben aus der Leitstelle sind veraltet. Es ist ein Szenario, das an Horror grenzt - und doch kein Einzelfall in Schleswig-Holstein. Schuld ist ein politisches Tauziehen zwischen Kommunen und Landespolizeiamt. Es geht darum wer die Kosten für die technische Ausrüstung der Leitstellen trägt.
Beispielsweise kann die Leitstelle Nord mit Sitz in Harrislee den Rettungskräften keine aktuelle Wegbeschreibung zum Einsatzort bieten, da die Angaben auf den digitalen Karten oft nicht mehr den Gegebenheiten vor Ort entsprechen. Das gleiche Problem plagt die Kollegen aus den Kreisen Pinneberg, Dithmarschen und Steinburg - auch hier kann die Leitstelle (West) Sanitätern, Polizisten und Feuerwehrleuten nur überholte Angaben über die Funkmelder schicken.
Selbst die Harrisleer Leitstelle ist nicht aufgeführt
Das Problem ist technischer Natur: Obwohl das Landesvermessungsamt allen Leitstellen in Schleswig-Holstein halbjährlich aktuelles Kartenmaterial zur Verfügung stellt, fehlt es in den Leitstellen an der entsprechenden Schnittstelle, um die Daten zu aktualisieren. "Die Schnittstelle fehlt seit drei Jahren", berichtet der stellvertretende Leitstellenleiter aus Harrislee, Sacha Münster. Kurios: Beim Blick in das grafische Informationssystem (GIS) ist selbst die Harrisleer Leitstelle nicht aufgeführt.
Über den Konflikt zwischen Landespolizeiamt und Kommunen will sich von den Beteiligten derweil niemand öffentlich äußern- Innenministerium und Polizei verweisen auf die Zuständigkeit des jeweils anderen. Zumindest auf Sylt will die Kommunalpolitik diesen Zustand nun nicht länger hinnehmen. Die Bürgermeister der Insel forderten das Land auf, die nötigen Massenschnittstellen unverzüglich einzurichten.

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