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„Im Tal des Todes“ in bad Segeberg : Karl-May-Spiele: Urlaub am Fuße des Kalkfelsens

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mal spielen sie Indianer, mal weiße Siedler: Die Statisten bei den Karl-May-Spielen sind wandlungsfähig – ob zu Fuß oder hoch zu Pferd.

Bad Segeberg | Sommer-Urlaub am Nordseestrand, in einer bayerischen Alpenhütte oder gar in einem türkischen Feriendorf? Die Statisten bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg wischen solche Pläne mit einer flüchtigen Handbewegung beiseite. Sie wollen keine Meeres- und keine Bergesluft atmen, sie schlucken lieber den Staub in der Manege zu Füßen des Kalkfelsens in Bad Segeberg. Sie tragen sogar ihre blauen Flecken spätabends stolz nach Hause. Und das in jedem Sommer wieder. Denn: „Wer einmal dabei war, ist vom Karl-May-Virus befallen.“

Der Segeberger Christoph Bobe (43) ist ein Musterbeispiel für die Faszination Karl May. Er hat in 31 Jahren über 2000 Mal bei den Inszenierungen mitgespielt, als Indianer, als weißer Trapper, als Saloon-Besucher. Im „zarten Alter von zwölf Jahren“, wie er selber sagt, hatte er vor 8000 Zuschauern seine persönliche Premiere als jugendlicher Apache. Er hat noch den legendären Pierre Brice kennengelernt, Bobe kann sich gut an den magischen Moment erinnern: „Plötzlich stand mein Jugendidol vor mir.“

Auch für Marc Francisco (32), mittlerweile in der elften Saison dabei, ging ein Kindheitstraum in Erfüllung, als der Komparsenvertrag im Briefkasten lag. Als sechsjähriger Steppke hatte er einst in der Freilichtarena die wilden Abenteuer von Winnetou und seinem Blutsbruder Old Shatterhand bestaunt. Heute ist er selbst mittendrin, wenn die Rothäute die friedfertigen Siedler attackieren, und spürt in diesen Momenten „das Adrenalin im Körper“.

Der Umgang mit den prominenten Stars bei den Karl-May-Spielen ist für die Statisten kein besonderes Thema. Alle Darsteller sind per Du, hinter der Bühne fühlt man sich als verschworene Gemeinschaft, wo sich jeder auf seinen Mitspieler verlassen kann. Das hat auch Neuling Laura Hornung (25) schnell verstanden. „Die Promis wissen, was sie an uns haben“, sagt die junge Frau aus dem Kreis Stormarn.

Nahezu drei Dutzend Statisten laufen in Bad Segeberg ins „Tal des Todes“ ein. Zu Fuß. „Fußies“ heißen sie intern – im Gegensatz zu den zwölf Reiter-Statisten, zu denen die Hamburgerin Elena Kersten (21) gehört. Auch sie lobt die „tolle Harmonie“ mit den Gaststars: „Alle sind gleich. Jeder muss mal durch den Schlamm.“

Vertraut mit den Pferden: Elena Kersten führt den Schimmel „Spike“, auf dem Old Firehand bei den Karl-May-Spielen in die Manege einreitet.
Vertraut mit den Pferden: Elena Kersten führt den Schimmel „Spike“, auf dem Old Firehand bei den Karl-May-Spielen in die Manege einreitet. Foto: Carstens
 

Indianergeheul, Pyrotechnik, galoppierende Pferde, ein mächtiger Adler, der in die Manege einfliegt, dazu jubelnde Zuschauer – die Karl-May-Spiele erwarten von allen Beteiligten ständige Aufmerksamkeit. „Ein Auge fürs Stück, ein Auge für sich selbst“ ist die Devise für Elena Kersten. Gerade Tiere sind unberechenbar. Ihre Fußie-Kollegen Laura, Marc und Christoph ergänzen: „Routine ist gefährlicher als Pferdehufe und Explosionen.“

Und dennoch: Blaue Flecken bleiben nicht aus, wenn es zu wilden Kämpfen und Verfolgungsjagden in der Manege kommt. Ernsthafte Verletzungen allerdings sind sehr selten. Christoph Bobe hatte sich vor 20 Jahren im Stück „Winnetou I“ das Schlüsselbein gebrochen. „Ich habe nicht aufgepasst, bin beim Duell falsch abgerollt“, erinnert er sich. Aber es gab reichlich Entschädigung für ihn: Der erfahrene Statist hat damals seine Frau kennen gelernt. Sie war Sanitäterin am Kalkfelsen.

> „Im Tal des Todes“ läuft noch bis zum 6. September.

 Vorstellungen: donnerstags, freitags, sonnabends

 und sonntags. Karten-Hotline: 01805 / 952111.

 

 

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erstellt am 26.Aug.2015 | 17:44 Uhr

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