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Eröffnung der Spielzeit 2015 in Bad Segeberg : Karl-May-Spiele: So wurde Pierre Brice verabschiedet

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Vor drei Wochen starb der Winnetou-Darsteller. Bei der Eröffnung der neuen Spielzeit feierten 7500 Besucher sein Erbe.

shz.de von
erstellt am 28.Jun.2015 | 14:11 Uhr

Bad Segeberg | Für Pierre Brice war es die Rolle seines Lebens - und vier Sommer lang war er auch der Winnetou am Kalkberg: Die Karl-May-Spiele von Bad Segeberg haben sich zum Auftakt in ihre neue Spielzeit mit einem letzten Applaus von dem gestorbenen Schauspieler verabschiedet. Minutenlang spendeten ihm die Zuschauer in dem Freilichttheater am Samstagabend noch einmal Beifall - von ihren Sitzen hatten sich die rund 7500 Gäste in der ausverkauften Arena schon erhoben, als ein Bild von Brice auf die Bühne getragen wurde.

Von 1988 an war Brice vier Spielzeiten lang ihr Winnetou, 1999 kehrte er für eine Saison als Regisseur zurück. Er habe die Grundlage für die heutigen Erfolge geschaffen, betonten die Veranstalter, als der Franzose vor drei Wochen starb. „Sein Tod am 6. Juni dieses Jahres hat uns sehr betroffen gemacht“, sagte Geschäftsführerin Ute Thienel vor den Premierengästen. Live vor Publikum habe er die Rolle des edlen Apachen zum letzten Mal in diesem Theater gespielt. „Die Karl-May-Spiele werden sich immer an ihn voller Dankbarkeit erinnern und sagen: Adieu, Pierre Brice.“

In der 64. Bad Segeberger Spielzeit gibt erneut Jan Sosniok den Winnetou. Gemeinsam mit Schauspielkollegen wie Ralf Bauer als Old Firehand und Barbara Wussow als Se­ño­ri­ta Miranda brachte er am Premierenabend das Abenteuer „Im Tal des Todes“ auf die Bühne.

„Im Tal des Todes“: Jan Sosniok als „Winnetou“, Ralf Bauer (rechts) als Old Firehand und Dirc Simpson (links) als Sam Hawkins.
„Im Tal des Todes“: Jan Sosniok als „Winnetou“, Ralf Bauer (rechts) als Old Firehand und Dirc Simpson (links) als Sam Hawkins. Foto: dpa
 

Bis zum 6. September steht die am Ende mit einem Feuerwerk und minutenlangem Beifall gefeierte Inszenierung auf dem Spielplan. Im vergangenen Sommer kamen knapp 330.000 Zuschauer zu den Vorstellungen - ein neuer Besucherrekord.

Auch damals mimte der frühere „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“-Soap-Darsteller Sosniok den Apachenhäuptling. Für den 47-Jährigen begann - nach dem Startschuss durch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) - die dritte Saison.

Bewaffneter Torsten Albig: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident eröffnete die 64. Spielzeit in Bad Segeberg.
Bewaffneter Torsten Albig: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident eröffnete die 64. Spielzeit in Bad Segeberg. Foto: dpa
 

Und erneut erntete Sosniok, der schon beim ersten Einritt auf Pferd Iltschi in die Arena bejubelt wurde, den meisten Applaus.

Mittendrin: Jan Sosniok als „Winnetou“ auf der Freilichtbühne am Kalkberg.
Mittendrin: Jan Sosniok als „Winnetou“ auf der Freilichtbühne am Kalkberg. Foto: dpa

Begleitet wird auch der Kalkberg-Winnetou stets von der legendären Filmmelodie, deren Komponist Martin Böttcher (88) ebenfalls im Publikum begrüßt wurde.

Auch die Neuen in Bad Segeberg meisterten ihren Einstand: Der einstige „Gegen den Wind“-Star und „Let's Dance“-Kandidat Bauer (48) ebenfalls hoch zu Ross und selbst nach einem Sturz vom Pferd schnell wieder auf den Beinen, die ehemalige „Schwarzwaldklinik“-Krankenschwester und Berliner „Jedermann“-Buhlschaft Wussow (54) tanzend und temperamentvoll ein falsches Spiel spielend.

Feuerwerk am Ende der Premiere von „Im Tal des Todes“ bei den Karl-May-Spielen am Kalkberg.
Feuerwerk am Ende der Premiere von „Im Tal des Todes“ bei den Karl-May-Spielen am Kalkberg. Foto: dpa
 

Prominente TV-Gesichter zu verpflichten, hat Tradition bei dem von vielen Familien besuchten Wild-West-Spektakel. Für komische Momente sorgte mehr noch als Sam „Wenn ich mich nicht irre“ Hawkens (Dirc Simpson) der Dichter Heinz-Egon Winzigmann (Patrick L. Schmitz), der mit seinen Wortspielen gekonnt auf den Spuren von Humorist Heinz Erhardt (1909-1979) wandelt und am Ende neben Winnetou zu den Publikumslieblingen gehörte.

Regie führt zum 15. Mal Norbert Schultze jr., der 80 Mitwirkende, 25 Pferde, einen Weißkopfseeadler, einen Virginia-Uhu und drei Hühner zu dirigieren hat. Zum Start spielte auch das zwar kühle, aber immerhin trockene Wetter gut mit bei dem Open-Air-Spektakel.

Auch Schleswig-Holsteins ehemalige Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) ließ es sich nicht nehmen, bei der Premiere der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg dabei zu sein.
Auch Schleswig-Holsteins ehemalige Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) ließ es sich nicht nehmen, bei der Premiere der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg dabei zu sein. Foto: dpa
 

Das „Tal des Todes“ ist jener Ort, von dem keiner lebend zurückkehrt. Dort betreibt ein Verbrecher mit Sklaven ein Quecksilberbergwerk, in das auch Old Firehands Sohn verschleppt wird. Die Bad Segeberger zeigen die Geschichte aus der Feder Karl Mays (1842-1912) zum dritten Mal. Als Film wurde das Abenteuer unter dem Titel „Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten“ bekannt. Er beendete 1968 die Kino-Reihe, die mit „Der Schatz im Silbersee“ (1962) begonnen hatte. Diese Geschichte steht derzeit auf dem Programm der Karl-May-Spiele in Elspe im Sauerland - auch deren Winnetou war über Jahre Pierre Brice.

Unsere Video-Reporter machten sich schon vor ein paar Tagen auf in das „Tal des Todes“. Nicht nur Ralf Bauer kommt im Beitrag zu Wort.

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