Rendsburg : Kanalufer - eine Gefahr für Radfahrer?

Der flache Ufer-Eindruck täuscht: Hinter der Steinböschung befindet sich eine Spundwand mit einer Zwei-Meter-Untiefe. Hermann Kaufmann demonstriert es mit einem Zollstock. Foto: rie
Der flache Ufer-Eindruck täuscht: Hinter der Steinböschung befindet sich eine Spundwand mit einer Zwei-Meter-Untiefe. Hermann Kaufmann demonstriert es mit einem Zollstock. Foto: rie

Nachdem vergangene Woche ein Radler nach einem Sturz in den Kanal beinahe ertrunken wäre, fordert sein Retter nun Leitern oder Warnhinweise.

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12. Mai 2011, 09:15 Uhr

Rendsburg | Die Hilferufe wurden immer leiser. Der Mann im Wasser hatte kaum noch Kraft zum Kämpfen, so berichtet es sein Retter. Anscheinend hatte der Verunglückte über eine Strecke von 60 Metern versucht, aus dem Kanal herauszukommen. Ohne Erfolg. Denn der Nord-Ostsee-Kanal ist hier überall so tief, dass man nicht stehen kann. Eine Spundwand, die schräg in den Boden reicht, bietet wenig Halt. Auch die rutschige Steinböschung am Ufer bereitete ihm offenbar Probleme. Der 60-Jährige trieb ab, war nach Aussage seines Retters schon gut zehn Meter vom Ufer entfernt. Er hatte Glück, dass just zur rechten Zeit der Rentner Hermann Kaufmann zur Stelle war - und eingriff.
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Hermann Kaufmann hielt sich für einen Mann, der mit allen Wassern gewaschen ist - doch nach dem Erlebnis vom vergangenen Freitag muss er feststellen: "Wir sind doch alle weich." An diesem Nachmittag sprang der 69-Jährige beherzt ins kalte Kanal-Wasser, um den hilflosen Mann vor dem Ertrinken zu retten. Dabei erlitt Kaufmann selbst einen Schock, musste im Krankenhaus behandelt werden. Nun warnt der Rendsburger, der in den 70-er Jahren als Arbeiter am Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals beteiligt war, vor der Gefahrenstelle. "Zwischen Kanal-Tunnel und Alter Lotsenstation ist es entlang des Ufers zwei Meter tief, dazu kommt die steile Spundwand. Es müsste dort Leitern geben, zumindest aber Warnschilder", fordert Kaufmann. "Schließlich fahren dort während der Saison viele Touristen mit dem Rad entlang."
Wasser- und Schifffahrtsamt will den Vorfall prüfen
Das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt in Kiel-Holtenau erfuhr erst am Dienstag durch den sh:z-Bericht von dem Vorfall. Leiter Dieter Schnell: "Wir bedauern diesen Unfall natürlich sehr, müssen erst einmal überprüfen, was dort geschehen ist - und ob es Handlungsbedarf gibt." Bisher seien ihm keine kritischen Stellen oder Probleme bekannt. Grundsätzlich sei der Nord-Ostsee-Kanal aber ein tiefes Gewässer, und auf der gesamten Länge sei das Ufer seit 100 Jahren nicht eingezäunt. An einigen Abschnitten gebe es ein senkrecht abfallendes Ufer mit Leitern, an anderen die Steinböschung. WSA-Leiter Dieter Schnell: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man über die Steine den Kanal verlassen kann", betont er im Gespräch, will jeden Eindruck einer Unsicherheit vermeiden. "Man kann hinausausklettern, und das wissen auch alle, die am Kanal leben."
Auch der 60-jährige Mann, der jetzt verunglückte, war Rendsburger. Warum er genau mit seinem Rad stürzte, ist bislang nicht klar. Sein Retter Hermann Kaufmann sagt: "Das Rad lag am Ufer, auf dem Gepäckträger befanden sich noch Mineralwasser-Flaschen." Der 60-Jährige liegt nach Auskunft der Polizei zwar noch im Krankenhaus. Sprecher Sönke Hinrichs: "Er befindet sich laut Aussage der Ärzte aber auf dem Weg der Besserung."
(rie, shz)

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