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Verdi-Kundgebung in Kiel : Kanallotsen protestieren gegen Verdi-Streiks

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Schleusenwärter und Festmacher am Nord-Ostsee-Kanal streiken. Zu einer Kundgebung in Kiel kamen auch Lotsen als Gegendemonstranten: "Der Streik macht richtig viel kaputt."

shz.de von
erstellt am 16.Aug.2013 | 01:51 Uhr

Kiel | "Arbeitsloser Lotse sucht Arbeit als Festmacher", steht auf einem Transparent. Weil Verdi die Festmacher in den Kanalschleusen Brunsbüttel und Kiel zum Streik aufgerufen hat, liegt der Verkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal brach. Somit haben auch die Lotsen in Kiel und Brunsbüttel nichts zu tun. Gemeinsam mit Lotsen, Kanalsteuerern, Schiffsausrüstern und Maklern demonstrierten die Kieler Lotsen deshalb auch in der Landeshauptstadt, um ihr Unverständnis für die Verdi-Aktionen zu zeigen.
"Hier wird richtig viel kaputt gemacht", sagt der Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK I in Brunsbüttel, Michael Hartmann. Er unterstützt den Protest seiner Kieler Kollegen. "Beiden Brüderschaften entgehen täglich 100.000 Euro Lotsengebühren", rechnet Hartmann vor. Der Zeitpunkt des Arbeitskampfes ist aus Hartmanns Sicht denkbar ungünstig: "Hier wird eine Infrastruktur gerade wieder mühsam aufgepäppelt, wofür wir die vergangenen sechs Jahre gekämpft haben." Diese neue Sperrung des Kanals sei den Kunden nicht zu vermitteln.

Schlepper-Hilfe für Tanker in Not verhindert

Die Kieler Kanallotsen berichteten, dass es am Mittwoch zu gefährlichen Zwischenfällen auf dem Nord-Ostsee-Kanal gekommen sei, weil Verdi verhindert habe, dass ein Schlepper einem hilferufenden Gefahrguttanker beim Anlegen behilflich sein konnte. "Das war knapp", sagte Lotse Uwe Klüver. "So einen Vorgang habe ich in meiner 24-jährigen Dienstzeit im Kanal nicht erlebt." Das Schiff hatte Ammoniak geladen. "Wenn das hochgegangen wäre, wäre der Kanal vor Kiel jetzt einen Kilometer breit."
Gewerkschaftssprecher, darunter Klaus Wiesehügel, Mitglied im Kompetenzteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, sowie der Chef des DGB Nord Uwe Polkaehn verteidigten den Arbeitskampf. "Verkehrsminister Ramsauer ist selbst zu einem Verkehrshindernis geworden", erklärte Polkaehn unter dem Beifall von rund 200 Demonstranten. Sie rief er auf, so lange zu streiken, bis ein Tarifvertrag vorliegt.

Stegner: "Ramsauer hat den Kanal verkommen lassen"

Verdi will wegen der bevorstehenden Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer über Tarifverträge verhandeln, damit alle derzeit 12.000 Beschäftigten ihren Job behalten. Trotz bereits schriftlich zugesicherter Jobgarantien des Ministers hält die Gewerkschaft an ihrem Vorhaben fest - und lässt immer mehr Beschäftigte der WSV in den Ausstand treten.
Der SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner sagte auf der Kundgebung: "Ramsauer hat den Nord-Ostee-Kanal verkommen lassen! Vor diesem Hintergrund sind die Forderungen der Beschäftigten nach einem Tarifvertrag, der z.B. Leiharbeit strikt begrenzt und Übernahme-Regelungen für Auszubildende festlegt, absolut berechtigt."

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