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50 Jahre Eliteeinheit : Kampfschwimmer stehen stoisch im Wind

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Sie trainieren regelmäßig mit den Navy Seals – und sind nicht nur im Wasser zu Hause: Die Kampfschwimmer aus Eckernförde werden 50 Jahre alt. Nun werden sie neu strukturiert.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 16:44 Uhr

Eckernförde | Kampfschwimmer kommen auch an Land bestens zurecht. Etwa in Afghanistan oder im Kosovo. Sie bekämpfen Terroristen und helfen, Häfen zu sichern und nehmen an bewaffneten Evakuierungsoperationen teil. Dabei operieren sie wie andere Spezialeinheiten im Geheimen. Details zu Einsätzen dringen nicht an die Öffentlichkeit.

An diesem 1. April sind die Soldaten der Kampfschwimmerkompanie nicht in der Welt unterwegs, sondern in ihrem Stützpunkt in Eckernförde. Sie tragen weder Tauch- noch Tarnanzug, sondern maßgeschneiderte Uniformen. Stoisch trotzen sie dem frischen Wind, der von der Eckernförder Bucht her weht. Der Anlass fürs Stillstehen ist für die Truppe ein besonderer: Am Tag ihres 50-jährigen Bestehens wird die Kompanie ein eigenständiges Bataillon. Ab sofort bilden sie das Kommando Spezialkräfte der Marine.

„Mit der neuen Struktur ist eine Klarheit geschaffen, was die Auftragserfüllung für uns einfacher macht“, sagt Fregattenkapitän Jörg Buddenbohm, selbst Kampfschwimmer und Chef des neu aufgestellten Kommandos. Aus- und Weiterbildung, Versorgung und Unterstützung und damit der komplette Einsatz der Spezialkräfte lägen jetzt in einer Hand. Der Alltag der Soldaten werde sich durch die neue Struktur nicht ändern, sagte Buddenbohm nach dem Aufstellungsappell im Eckernförder Marinehafen. Auch an den Aufgaben ändere sich nichts.

In den Jahrzehnten seit der Gründung der Kompanie hat sich das Einsatzspektrum deutlich verändert. Die Bedrohungsszenarien des Kalten Krieges gelten nicht mehr. Die Kriegsführung ist eine asymmetrische geworden, die Einsatzgebiete haben sich in die Krisengebiete der Welt verlagert. Die Waffensysteme werden komplexer, die Mehrzahl der Einsätze findet mittlerweile an Land statt, teilweise auch in der Wüste. Und so verwundert es nicht, dass Kampfschwimmer „triphibisch“ ausgebildet werden - für Einsätze auf und im Wasser, an Land und aus der Luft.

Und die Ausbildung ist hart. Nur wenige schaffen sie: In den vergangenen Jahrzehnten sind nur wenige hundert Soldaten Kampfschwimmer geworden. Derzeit gibt es etwa 130 aktive Kampfschwimmer. Die meisten Anwärter halten die gut drei Jahre lange Ausbildung nicht durch: „Rund 70 Prozent der Lehrgangsteilnehmer steigen aus“, sagte Buddenbohm. Wer es geschafft hat, gehört zur „absoluten militärischen Elite“, wie Martens sich ausdrückte.

Auch international. Regelmäßig trainieren die Kampfschwimmer mit Spezialeinheiten anderer Länder, etwa den amerikanischen Navy Seals oder den französischen Kameraden. Mit den Franzosen verbindet die Schleswig-Holsteiner eine besondere Tradition: Die ersten Kampfschwimmer der Bundeswehr wurden 1959 in Südfrankreich ausgebildet.

Das ist lange her und Buddenbohm findet es schon erstaunlich, dass die Kompanie seit 50 Jahren besteht, „bei dem, was die Bundeswehr alles mitgemacht hat“. Und er ist überzeugt, dass es die Kampfschwimmer in Eckernförde noch lange geben wird. „Ich bin sicher, das wir einer sonnigen Zukunft entgegen sehen.“ Trotz Nebels über Eckernförde.

Bisher waren die Kampfschwimmer dem Großverband Spezialisierte Einsatzkräfte der Marine zugeordnet. Dieser wurde nun aufgelöst. Die Kampfschwimmer werden ein eigenständiges Bataillon. Die Marineschutzkräfte, Minentaucher und Boardingsoldaten - Spezialisten, die zum taktischen Durchsuchen von Schiffen ausgebildet sind - werden zum rund 800 Mann starken Seebataillon unter Führung von Fregattenkapitän Arne Krüger, zusammengefasst. Der Aufstellungsappell für dieses Bataillon war am Dienstagmittag ebenfalls in Eckernförde.

„Es mag Stimmen geben, die sagen, es gibt wieder mal einen neuen Namen“, sagte Flottillenadmiral Jean bei der Zeremonie am Vormittag.Doch das stimme nicht, vielmehr werde man durch die Umorganisation der Neuorientierung der Bundeswehr und auch den neuen Einsatzgebieten gerecht.

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