Neubau-Pläne : Kampf um Esso-Häuser am Spielbudenplatz

Bewohner und Sympathisanten wollen den Abriss der Esso-Häuser am Spielbudenplatz verhindern. Foto: sh:z
Bewohner und Sympathisanten wollen den Abriss der Esso-Häuser am Spielbudenplatz verhindern. Foto: sh:z

Ein Investor will die Esso-Häuser auf dem Hamburger Kiez abreißen und Luxus-Wohnungen bauen. Selbst Prominente fordern den Erhalt der Bauten am "Dorfplatz von St. Pauli".

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12. Juni 2013, 12:58 Uhr

Hamburg | Schön ist was anderes. Und doch kämpfen auf St. Pauli und darüber hinaus Hunderte Menschen in Hamburg verbissen für den Erhalt der Esso-Häuser nahe der Reeperbahn. Ein Investor will den heruntergekommenen Komplex aus den 1950er Jahren abreißen und durch Neubauten ersetzen. Etwa 100 Bewohner sowie etliche Sympathisanten möchten das verhindern und fordern eine Sanierung des Komplexes am Spielbudenplatz.
Zu dem Ensemble in allerbester Kiezlage gehören neben zwei achtgeschossigen Hochhäusern Dutzende Läden und Clubs - darunter das bekannte "Molotow" - sowie Deutschlands wohl bekannteste Tankstelle. Die Esso-Station an der Tauberstraße, die dem Quartier den Namen gab, ist eine Art Dorfplatz für Hamburgs Amüsierviertel. Kiezbummler und Nachtschwärmer versorgen sich dort 24 Stunden am Tag nicht nur mit flüssiger und fester Nahrung, sondern vor allem mit Klatsch und menschlicher Zuwendung.

Gutachten soll Sanierungsmöglichkeit klären

Seit 2009 geht das Ringen um die Zukunft der Immobilien bereits. Seinerzeit kaufte die Bayerische Hausbau das Sahnestück und legte Pläne für neue Gebäude mit verdreifachter Bruttogeschossfläche vor. 200 Wohnungen wollen die Münchner im Herzen St. Paulis errichten, darunter auch einige für sozial Schwache. Vor allem aber eben Apartments für Gutbetuchte, dazu Büros und Ladengeschäfte. Obwohl die Bayerische Hausbau den Mietern Bleiberecht zu geringen Mieten zusagt, formierte sich ein zäher Widerstand. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Pläne in einer Zeit publik wurden, da die Diskussion um Vertreibung durch Aufwertung in Hamburgs Stadtteilen Fahrt aufnahm. Unermüdlich fordert die Initiative Esso-Häuser seither die Sanierung der Gebäude und die Beibehaltung des geringen Mietniveaus.
Aufgeschreckt von den schlechten Erfahrungen bei den gescheiterten Abrissplänen fürs Gängeviertel zuckte Hamburgs Politik zurück. Senat und Bezirk verdonnerten den Investor zu einem aufwändigen Anwohnerdialog auf St. Pauli. Am Ende ohne wirkliche Annäherung. Laut Bayerische Hausbau wäre eine Sanierung der mehr als 50 Jahre alten Betonklötze aufgrund maroder Bausubstanz unwirtschaftlich.
Am kommenden Donnerstag soll ein Gutachten die technische Möglichkeit eines Erhalts endgültig klären. Kurz vorher haben die Abrissgegner am Montag ein Manifest vorgelegt, das die Unterschrift Dutzender Prominenter trägt. Darunter die Rockmusiker Udo Lindenberg, Jan Delay und Ted Gaier, die Schauspieler Peter Lohmeyer und Rolf Becker, Künstler Daniel Richter und der Autor Rocko Schamoni, Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard sowie diverse Hochschulprofessoren.

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