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Tote Pottwale in der Nordsee : Kaiser-Wilhelm-Koog: Alle Kadaver sind geborgen

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Zahl der gestrandeten Tiere steigt auf 28. Fünf gestrandete Tiere liegen noch immer im Wattenmeer.

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2016 | 16:59 Uhr

London/Meldorf | Sämtliche vor Kaiser-Wilhelm-Koog verendeten Pottwale sind an Land gezogen worden. Mitarbeiter des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) hätten die Kadaver mit einer Raupe an den Fuß des Deiches gezogen, sagte LKN-Sprecher Hendrick Brunckhorst am Donnerstag. Fünf der acht toten Riesen konnten so bereits am Mittwoch aus dem Watt vor Dithmarschen geborgen werden.

Seit dem 8. Januar sind bereits 28 junge Pottwale in der südlichen Nordsee umgekommen: 16 in Deutschland, sechs in den Niederlanden und fünf in England. Warum sich die Tiere verirren, ist noch unklar.

Ein 15 Tonnen schwerer Kadaver aus Kaiser-Wilhelm-Koog wurde bereits per Tieflader zum Meldorfer Hafen gebracht. Weitere der am Deich nebeneinander aufgereihten Tiere sollten noch am Donnerstag folgen. Die Kadaver der zwei am Mittwoch auf einer Sandbank nordwestlich von Büsum entdeckten Jungbullen sollen dagegen frühestens Freitag aus dem Watt geborgen werden. Schiffe seien auf dem Weg zum Fundort, sagte Brunckhorst.

In Meldorf begannen Wissenschaftler der Tierärztlichen Hochschule Hannover derweil mit der Obduktion und Zerlegung des ersten Wals. Die wegen des Elfenbeins wertvollen Unterkiefer der Tiere hatten Experten bereits vor dem Transport abgetrennt.

Mitarbeiter des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz verladen die abgesägten Unterkiefer.
Mitarbeiter des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz verladen die abgesägten Unterkiefer. Foto: dpa
 

Weshalb sich die Jungbullen auf ihrer Wanderung durch den Atlantik zwischen November und März in die Nordsee verirrten, war weiterhin unklar.

Seit Mittwoch läuft die Bergungsaktion:

 

Während die Helfer in Dithmarschen die Kadaver bargen, wurde an der englischen Ostküste ein weiterer gestrandeter Pottwal entdeckt. Zeugen berichten, das Tier atme noch. Die Küstenwache und ein Team von Spezialisten kämpfen zwischen Old Hunstanton und Holme-next-the-Sea um sein Leben. Der in England gefundene Wal sei in einer angespannten Verfassung, sagte der Biologe Ben Garrod von der Zoological Society of London dem Sender BBC.

Die Karte zeigt die ungefähren Fundorte:

Die Wale sind im Nationalpark gestorben. Warum lässt man dort nicht Natur Natur sein und die Kadaver einfach liegen?

Die Wale würden bei einem der nächsten Hochwasser an den Strand gespült werden und dort langsam verwesen. Bis ein Wal zersetzt ist, dauert es mehrere Jahre. Bis dahin würden verweste Fleischbrocken an den Stränden und an anderen Stellen der Küste angespült werden.  

Wie laufen die Bergungsarbeiten ab?

Die Kadaver bekommen ein stabiles Tau um die Schwanzflosse, dann werden sie mit Raupenfahrzeugen an Land gezogen. Anschließend hievt sie ein Kran auf einen Tieflader zum Weitertransport in den Meldorfer Hafen. Dort werden die Kadaver obduziert und zerlegt. Anschließend werden sie wahrscheinlich in einer Tierkörperverwertung entsorgt. Museen oder andere Interessenten haben sich noch nicht gemeldet.

Wie alt sind die Pottwale?

Es sind junge Bullen, noch nicht ausgewachsen, und ungefähr 10 bis 15 Jahre alt. Ihr genaues Alter könne erst mit Hilfe der Zähne bestimmt werden, sagte Hendrik Brunckhorst von der Nationalparkverwaltung. Dazu wird ein Zahn aufgeschnitten: Ähnlich den Baumringen kann dann das Alter des Wals ausgezählt werden. „Beim Menschen kann man auch nicht unbedingt von der Größe auf das Alter schließen.“

Ist die Todesursache bekannt?

„Äußerlich sind keine Verletzungen erkennbar“, berichtete Brunckhorst. Der Schall von Offshore-Öl- und Gasfördereinrichtungen dürfte in diesem Jahr nicht stärker als sonst sein, sagte Rainer Schulz von der Naturschutzgesellschaft „Schutzstation Wattenmeer“. Obwohl früher geborgene Meeressäuger Fischernetze oder andere Kunststoffteile im Magen hatten, scheint die Menge von Plastikmüll nicht höher zu sein.

Warum sind in diesem Winter so viele Wale gestrandet?

Obwohl alle Tiere untersucht wurden, gibt es bislang keine Hinweise auf die Ursache.

Wenn sich ein Pottwal in die Nordsee verirrt: Ist das sein Todesurteil?

Falls die Meeressäuger vor einer Strandung entdeckt werden, haben sie eine Überlebenschance. So wurden nach Angaben der „Schutzstation Wattenmeer“ 1998 drei von sechs vor St. Peter-Ording in flaches Wasser geratene Tiere mit Hilfe von Booten wieder zurück ins offene Meer dirigiert.

 

(mit dpa)

 

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