Neues Ausbildungskonzept : Kadetten dürfen auf der "Gorch Fock" nur schlafen

Am neuen Ausbildungskonzept werde 'mit Hochdruck' gearbeitet, sagt die Marine. Bis dahin sind die Kadetten nur Gäste auf der 'Gorch Fock'. Foto: dpa
Am neuen Ausbildungskonzept werde "mit Hochdruck" gearbeitet, sagt die Marine. Bis dahin sind die Kadetten nur Gäste auf der "Gorch Fock". Foto: dpa

Der diesjährige Kadettenjahrgang der Marine darf auf der "Gorch Fock" nicht fahren - nur noch schlafen.

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11. September 2011, 05:02 Uhr

Glücksburg/Rostock | Nach dem tödlichen Sturz einer Kadettin und den danach laut gewordenen Schikane-Vorwürfen fährt der diesjährige Kadettenjahrgang der Marine nicht auf der "Gorch Fock" (wir berichteten). Gestern hat Marineinspekteur Axel Schimpf nun das alternative Ausbildungsprogramm abgesegnet.
Trostpflaster für die Kadetten: Sie dürfen zumindest auf der "Gorch Fock" schlafen. Das Schiff dient ihnen als Unterkunft während einer neu ins Leben gerufenen, zwei Wochen langen "Marineausbildungsreise" zu verschiedenen Stützpunkten. Durch den Kontakt zu den Kadetten soll auch die Stammbesatzung des Schiffes wieder an die Ausbildung der Offiziersanwärter herangeführt werden. "Das Alternativprogramm kann die Ausbildung auf der ,Gorch Fock nicht ersetzen", erklärte der Amtschef des Marineamtes Rostock, Konteradmiral Horst-Dieter Kolletschke. "Unter den gegebenen Umständen erhalten wir aber einen bestmöglichen Kompromiss, mit dem wir Teile unserer Ausbildungsziele dennoch erreichen können und der für die betroffenen Offiziersanwärter eine attraktive Alternative darstellt."
Schwerpunkte der neuen Ausbildung sind ein auf acht Wochen verlängertes Bordpraktikum und die praxisorientierte Ausbildung am Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr (EAZS) der Marine in Neustadt.
Wann die "Gorch Fock" wieder mit Kadetten in See sticht und wer dann ihr neuer Kommandant ist, steht noch nicht fest. Zuerst müsse ein neues Konzept erarbeitet werden. An diesem Konzept werde "weiter mit Hochdruck" gearbeitet, so Konteradmiral Kolletschke.
Der Sturz der Kadettin Sarah Lena Seele (25) aus der Takelage im November 2010 und Vorwürfe, auf dem Schiff sei es zu Ekel-Ritualen und sexueller Belästigung gekommen, hatten zunächst zur Absetzung des Kapitäns Norbert Schatz und einer Diskussion um die Zukunft des Schiffes geführt. Am vergangenen Wochenende wurde zudem bekannt, dass die Eltern der bereits 2008 tödlich verunglückten Kadettin Jenny Böken (18) Strafanzeige unter anderem gegen Schatz gestellt haben, weil er seine Dienstaufsicht verletzt habe.

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