Aktivierung von „Homespots“ : Kabel Deutschland: Öffentliches WLAN aus privaten Routern

Netze privater Router nutzen: Für Kabel-Deutschland-Kunden ist das ab kommendem Jahr möglich.
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Netze privater Router nutzen: Für Kabel-Deutschland-Kunden ist das ab kommendem Jahr möglich.

Wer als Kunde von Kabel Deutschland ins Internet geht und einen WLAN-Router nutzt, stellt diesen bald für Fremde zur Verfügung. Wer das nicht will, muss widersprechen.

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15. November 2013, 16:24 Uhr

Die Nachricht sorgt für Furore und Fragen: Kabel Deutschland will die privaten Router seiner Internet-Kunden für ein Netz öffentlicher Hotspots nutzen. Das heißt: Zusätzlich zum privaten WLAN-Netz baut der Router ein zweites, öffentliches Netz auf. Das Unternehmen verschickt dieser Tage Post an Kunden, die Router der Hersteller Hitron oder Compal nutzen und informiert sie darüber, dass die Umstellung automatisch erfolgen wird. Wer nicht einverstanden ist, muss binnen sechs Wochen widersprechen. Nach der Aktivierung des „Homespots“ ist ein Abschalten über das Kundencenter im Bereich Interneteinstellungen möglich.

„Das ist zunächst ein positiver Ansatz, denn das erweitert die Möglichkeiten, mobil ins Internet zu kommen“, sagt Schleswig-Holsteins Datenschützer Thilo Weichert. Problematisch werde es allerdings, wenn nicht auszuschließen ist, dass Nutzer des öffentlichen Netzwerks an die Daten des privaten Netzwerks gelangen. Diesen Schutz sichert Kabel Deutschland zu. Sprecher Marco Gassen: „Der persönliche WLAN-Zugang und der öffentliche WLAN-Zugang sind technisch strikt voneinander getrennt.“ Außerdem können nur Mitglieder der „Homespot-Community“ auf die Netzwerke der anderen Router zugreifen, also nur jemand, der seinen eigenen Router für das Programm zur Verfügung stellt. Das gilt nicht für Kunden, die einen Tarif zur Nutzung öffentlicher WLAN-Hotspots bei Kabel Deutschland gebucht haben.

Um Missbrauch zu vermeiden, werden für das private Netzwerk und jedes Gerät im öffentlichen Netzwerk unterschiedliche IP-Adressen vergeben. „Für die unsachgemäße Nutzung des ‚Homespots‘ durch andere Community-Mitglieder sind die Kunden von Kabel Deutschland nicht verantwortlich“, versichert Gassen. Darüber hinaus kann jeder Nutzer anhand der IP-Adresse identifiziert werden und Kabel Deutschland kann bei entsprechender Anfrage von Ermittlungsbehörden bei möglichen Urheberrechtsverletzungen Auskunft erteilen.

Die eigene Surfgeschwindigkeit soll der „Homespot“ nicht beeinträchtigen. Für das öffentliche Netz werden zusätzliche zehn Megabit pro Sekunde zur Verfügung gestellt und die Bandbreite des Kunden wird nicht beansprucht. Ebensowenig müssen Kunden den Dienst extra bezahlen.

Dass der Internet-Dienstleister seine Kunden lediglich darüber informiert, dass die Umstellung erfolgt und diese widersprechen müssen, ist für Unternehmenssprecher Gassen kein Grund zur Aufregung. Denn: „Die Teilnahme an der Homespot-Community ist mit keinerlei Zusatzkosten verbunden.“ Sogar Datenschützer Weichert hält das Vorgehen verbraucherschutzrechtlich für nicht bedenklich. Das Unternehmen kündigt den „Homespot-Service“ in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen für Internet und Telefon (im Punkt Leistungsbeschreibung B 3.1) an: „Kabel Deutschland ist berechtigt, die Nutzung der öffentlichen Signale auch weiteren Nutzern durch entsprechende Vereinbarung mit Kabel Deutschland und/oder Kooperationspartnern zu ermöglichen.“

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