Ökostrom : Jetzt wird sogar das Brot teurer

Privatkunden und kleine Betriebe zahlen zurzeit die Rechnung für die Umstellung auf erneuerbare Energien Foto: ddp
Privatkunden und kleine Betriebe zahlen zurzeit die Rechnung für die Umstellung auf erneuerbare Energien Foto: ddp

Kleine Betriebe und Privatverbraucher tragen die Kosten für die Energiewende. Großverbraucher können sich durch Ausnahme-Regelungen von der erhöhten Umlage befreien lassen.

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17. Oktober 2012, 09:09 Uhr

Berlin/Kiel | Durch die offiziell bekannt gegebene Erhöhung der EEG-Umlage von 3,59 auf knapp 5,3 Cent pro Kilowattstunde wird der Privatverbraucher doppelt bestraft. Bei einem Jahresstromverbrauch von 3500 Kilowattstunden muss er demnächst nicht nur pro Jahr für die Förderung der Energie aus Sonne, Wind und Wasser rund 185 Euro zahlen - 60 Euro mehr als bisher.
Auch Brötchen, Leberwurst und Frisur werden teurer, weil das Handwerk die Mehrkosten an die Verbraucher teilweise weitergibt. "Einem Bäcker, der 300.000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht, kostet die Erhöhung der Umlage zusätzlich 5000 Euro", beschreibt Tim Brockmann, Geschäftsführer des Handwerks in Schleswig-Holstein, die Situation. Die Betriebe seien bereit, ihren Anteil am Atomausstieg zu leisten. "Aber wir halten es für eine Riesen-Ungerechtigkeit, dass die Energiewende allein auf den Schultern der Kleinen lastet, weil die Industrie diese Steuerumlage nicht zahlt", wettert er. Die Liste befreiter Unternehmen werde immer länger und dubioser. "Discounter, Golfplätze mit beheiztem Rasen und Hühnermäster stehen nicht im harten internationalen Wettbewerb. Die machen hier ihr Geschäft und verlegen ihren Firmensitz nicht ins Ausland", so Brockmann.
"Ausnahmen für Unternehmen reduzieren"
Auch die wissenschaftliche Geschäftsführerin des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dr. Sonja Peterson, spricht sich dafür aus, "die Ausnahmen deutlich zurückzuführen und Befreiungen von der EEG-Umlage nur noch in sehr ausgewählten Fälle auszusprechen". Schließlich handele es sich um eine indirekte Subvention.
Kritik an exzessiven Ausnahme-Regelungen wies Wirtschaftsminister Philipp Rösler zurück. "Von den aktuell 3,6 Cent EEG-Umlage werden nur 0,6 Cent durch die Ausnahmen für energieintensive Unternehmen verursacht", sagte der FDP-Vorsitzende. Das Freiburger Ökoinstitut kommt auf 1,2 Cent. Laut Greenpeace sind die privilegierten Unternehmen für 18 Prozent des Stromverbrauchs verantwortlich, müssen aber nur 0,3 Prozent der EEG-Umlage zahlen, das heißt von insgesamt 13,5 Milliarden nur 37 Millionen Euro.
"Wir müssen die Ausnahmen für Unternehmen reduzieren, damit nicht vor allem mittelständische Betriebe und Verbraucher die Last tragen", fordert Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck. Und auch der Kieler Wirtschafts-Staatssekretär Frank Nägele mahnt: "Wir müssen zu einer klugen Abwägung zwischen den berechtigten Interessen des Mittelstandes und Akzenten der Industriepolitik kommen." Je besser die Energiewende gelinge, umso geringer werde langfristig die Ökostrom-Umlage ausfallen.

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