Flensburg/Flensborg : Jetzt sind auch die Ortsschilder zweisprachig

Die Stadt Flensburg liegt direkt an der dänischen Grenze. Deshalb steht jetzt auch "Flensborg" auf den Ortsschildern - die dänische Bezeichnung für die Stadt.

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25. April 2008, 08:21 Uhr

Bis zum 12. Juni 2007 mussten Ortsschilder in Schleswig-Holstein einsprachig sein. An diesem Tag erlaubte die Landesregierung per Erlass, die gelben Ortstafel künftig auch mehrsprachig zu gestalten. Eine Ausnahme hiervon betraf Orte in Nordfriesland, die ihren Ortsnamen auch in Friesisch auf ihren Schildern haben (Niebüll/Naibel).
In Flensburg hatte der SSW die Initiative für zweisprachige Schilder ergriffen und schnell die Mehrheit der Ratsversammlung hinter sich gebracht. 10.000 Euro lässt sich die Stadt den Schildertausch kosten, insgesamt sollen in den nächsten Tagen rund 60 Schilder an den Einfallstraßen der Stadt ausgetauscht werden. Den Anfang machten zwei Schlosser des Technischen Betriebszentrums am Donnerstag am Ochsenweg. Auf der Rückseite des Schilder ist auch die Entfernungsangabe zum dänischen Nachbarort Pattburg/Padborg zweisprachig gehalten. Auf diesen zweisprachigen Hinweis wird jedoch verzichtet bei Hinweisen zu Nachbarorten diesseits der Grenze wie Handewitt, dessen dänischen Namen "Hanved" man demnach vergeblich auf den Schildern sucht.
"Im Grenzland wird eine neue Ära eingeläutet"
Der dänische Zusatz auf den Schildern sei "ein Bekenntnis zur deutsch-dänischen Vergangenheit Flenshurgs", sagte Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner. Flensburg sei die "Hauptstadt der deutsch-dänischen Region Sønderjylland-Schleswig" und zudem Mittelpunkt einer vernetzten Region. Mit dem zweiten kleine "o" im Ortsnamen setze man ein deutliches Zeichen.
"Wir meinen es Ernst", ergänzte Stadtpräsident Hans Hermann Laturnus (CDU). Die zweisprachigen Schilder seien "eine einmalige Geschichte", der Austausch "allemal den Aufwand wert". Auch der SSW begrüßte die Einweihung und Aufstellung des ersten Ortschildes am Rande des Stadtteils Weiche. "Mit den zweisprachigen Ortschildern in Flensburg wird eine neue Ära im Grenzland eingeläutet. Sie sind Ausdruck des gegenseitigen Respekts und der Anerkennung der kulturellen Vielfalt unserer Region", sagt die Vorsitzende des SSW im Landtag, Anke Spoorendonk. "Wir hoffen, dass jetzt weitere Gemeinden und Städte im Landesteil Schleswig folgen werden. Auch für die Debatte über zweisprachige Ortsschilder im südlichen Dänemark wird diese Entscheidung der Stadt Flensburg langfristig positive Auswirkungen haben."
Weitere Gemeinden sollen folgen
Mit den neuen Ortstafeln werde endlich auch das dänische Erbe und der starke dänische Bevölkerungsteil Flensburgs im Rahmen der öffentlichen Beschilderung verdeutlicht und gewürdigt, so Gerhard Bethge, der Vorsitzende der SSW-Ratsfraktion. Auch die Flensburger CDU-Vorsitzende Susanne Herold hofft, dass weitere Gemeinden im nördlichen Landesteil dem Beispiel Flensburgs folgen werden. CDU-Ratsfraktionschef Gernot Nicolai erinnerte daran, dass die ursprüngliche Initiative zu den zweisprachigen Ortsschildern schon im Jahr 2004 von der CDU kam.
Das Technische Betriebszentrum der Stadt verbindet das historisch Bedeutsame mit dem sicherheitstechnisch Nützlichen: Die neuen Schilder sind nicht nur zweisprachig, sondern dank einer neuartigen Folie auch besser sichtbar als die alten.

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