GDL-Urabstimmung : Jetzt kommt die Streikwelle der Lokführer

Claus Weselsky, Vorsitzender der GDL, zeigt ein Abstimmungsformular, während hinter ihm ausgezählt wird. Foto: dapd
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Claus Weselsky, Vorsitzender der GDL, zeigt ein Abstimmungsformular, während hinter ihm ausgezählt wird. Foto: dapd

Die Mitglieder der GDL haben entschieden, ihren Arbeitskampf ausweiten zu wollen. Schwerpunkt soll der Güterverkehr werden. Aber auch Personenzüge werden stehen bleiben, heißt es.

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08. März 2011, 12:27 Uhr

Die Lokführergewerkschaft GDL will ihre Streiks in den nächsten Tagen ausdehnen - und erntet Kritik von der Schwestergewerkschaft EVG. In einer Urabstimmung haben die Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) beschlossen zu streiken. "In der Folge werden wir noch in dieser Woche die Arbeitskampfmaßnahmen ausdehnen, sofern wir keine Angebote von den Arbeitgebern erhalten", sagte GDL-Chef Claus Weselsky in Frankfurt zu Beginn der Auszählung. Dabei solle vor allem der Güterverkehr getroffen werden. "Wir werden aber auch nicht darauf verzichten können, den Personenverkehr weiterhin ein Stück weit zu bestreiken."
Laut GDL nahmen 81 Prozent der Mitglieder an der Abstimmung teil.
Von den Lokführern, die bei der Deutschen Bahn angestellt sind, hätten 92 Prozent für weitere Arbeitskampfmaßnahmen gestimmt, bei den Angestellten der Privatbahnen seien es 96 Prozent gewesen. "Das ist ein deutliches Signal an alle Arbeitgeber in Eisenbahnverkehrsunternehmen, dass sich die Lokomotivführer für die Schaffung eines Flächentarifvertrages mit einheitlich hohem Entgeltniveau aussprechen", sagte Weselsky.
Keine Streiks am Dienstag
Einzelheiten darüber, wann und auf welchen Strecken die Streiks in Norddeutschland die Bahnkunden treffen werden, gibt es bislang noch nicht. Am Dienstag sollen die Züge überall in Deutschland laut Weselsky aber noch fahren.
Auf Kritik stößt die GDL indes bei der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Es gehe den Lokführern nicht um den Tarifkonflikt, sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner am Montag im rbb-Inforadio. Ihr Ziel sei es stattdessen, mehr Mitglieder als die Schwestergewerkschaft zu bekommen. Kirchner sehe die Gefahr einer Entsolidarisierung der Gesellschaft, wenn jede Berufsgruppe für sich "vom Kuchen immer ein größeres Stück abschneidet als die anderen".
Kirchner kritisiert längere Streiks
"Im Bereich Bahn gibt es jede Menge Beschäftigtengruppen, die mindestens oder sogar noch ein höheres Druckpotenzial erzeugen können als die GDL", sagte Kirchner. Er kritisierte auch mögliche längere Streiks: "Wenn es aber darum geht, dass in Zukunft nur noch Ergebnisse erzielt werden, wenn man möglichst lange und häufig streikt, dann kriegen wir eine andere Republik, eine andere Gesellschaft."
Die EVG hatte im Januar in einem Schlichtungsverfahren erstmals einen Branchentarifvertrag für den regionalen Schienenverkehr in Deutschland erwirkt. Für rund 31.000 Beschäftigte der Bahn-Regionaltochter DB Regio und sechs großer Konkurrenten gilt seitdem in den einzelnen Entgeltgruppen das gleiche Einkommen. Die GDL will einheitliche Tarifbedingungen für rund 26.000 Lokführer auf dem Niveau der Deutschen Bahn (DB) und hatte ihre Forderung in den vergangenen zwei Wochen mit drei Warnstreiks unterstrichen. Betroffen waren sowohl die DB als auch deren Konkurrenten, die Lokführer zu schlechteren Konditionen beschäftigen. Die Verhandlungen sind festgefahren, sechs Anbieter wollen auch nicht mehr gemeinsam mit der GDL sprechen.
(dpa, dapd, shz)

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