"Gorch Fock"-Affäre : Jetzt gehen die Ermittler an Bord

Ermittler sollen klären, was sich an Bord der 'Gorch Fock' zugetragen hat. Foto: dpa
Ermittler sollen klären, was sich an Bord der "Gorch Fock" zugetragen hat. Foto: dpa

Belästigungen und Drohungen soll es an Bord der "Gorch Fock" gegeben haben. Neuer Vorwurf gegen Crew: eine Karnevalsfeier nach dem Todessturz.

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22. Januar 2011, 11:04 Uhr

Kiel | Die Vorwürfe wiegen schwer: Von sexueller Belästigung, Bedrohungen, Druck ist die Rede, auch das Wort Meuterei fällt. Auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock", dem Aushängeschild der Marine, ist es nach dem Tod einer Kadettin im November zu schweren Konflikten zwischen Stammbesatzung und Offiziersanwärtern gekommen. Gestern wurde zudem bekannt, dass zwei Tage nach dem Tod der Soldatin Teile der Besatzung eine Karnevalsfeier veranstalteten. "Dass die einen trauern und die anderen feiern, zeigt ja, was in manchen Köpfen der Stammbesatzung gelaufen ist", sagte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold. Eine "rückhaltlose Aufklärung" verlangte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Aufschluss erhofft er sich von einem Ermittlungsteam, das die Vorgänge aufklären soll. Die "Gorch Fock" ankert mittlerweile vor dem Hafen von Ushuaia in Argentinien. Dort soll sie auf die Untersuchungskommission warten. Das Team wird laut Ministerium noch zusammengestellt und soll sich dann auf den Weg machen. Am Freitag hieß es, dass die Ermittler kommende Woche in Argentinien ihre Untersuchungen auf der "Gorch Fock" beginnen werden.
"Wir werden jetzt alles Menschenmögliche tun, um den Sachen nachzugehen und das aufzuklären", sagte Marine-Sprecher Alexander von Heimann. Die Untersuchungskommission soll zügig und mit gebotener Sorgfalt Gespräche mit allen Beteiligten führen.
Mindestgröße für Einsatz in der Takelage erst kürzlich aufgehoben
Das Klettern in die Takelage gehört im Bordalltag dazu. "Wenn es heißt Aufentern, dann heißt es aufentern. Da wird nicht diskutiert", sagte Heimann weiter. Aber in begründeten Einzelfällen werde davon abgesehen. Zu Vorwürfen, nach denen die verunglückte Offiziersanwärterin mit einer Körpergröße von 1,59 Meter nicht in die Takelage hätte klettern dürfen, sagte Heimann. "Es gibt für die Marine keine besonderen Körpergrößen." Daher gelte die für die Bundeswehr allgemein vorgeschriebene Mindestgröße von 1,55 Meter. Dagegen meinte der CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens, es sei zu prüfen, ob nicht doch wieder eine bestimmte Mindestkörpergröße für den Einsatz in den Takelage vorgeschrieben werden müsse. Denn die sei erst kürzlich aufgehoben worden.
Grüne und SPD im Kieler Landtag riefen zu schneller Aufklärung auf. "Es wäre ein falsch verstandener Korpsgeist, wenn Verfehlungen einzelner nicht rückhaltlos aufgeklärt würden", sagte Grünen-Fraktionschef Robert Habeck. Die Bark ist das Patenschiff des Landtags. Landtagspräsident Torsten Geerdts erklärte, er beteilige sich nicht an Spekulationen.

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