Hamburg : Jeremie muss nicht zurück in den Zirkus

Jeremies Zukunft ist ungewiss. Aller Voraussicht nach soll der elfjährige Ausreißer in Hamburg bleiben - noch wird er in einer Klinik untersucht. Wo er Weihnachten feiert, steht noch nicht fest.

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21. Dezember 2012, 11:28 Uhr

Hamburg | Das elfjährige Pflegekind Jeremie kommt wohl nicht wieder in den Wanderzirkus nach Mecklenburg-Vorpommern. „Favorisiert wird eine Hamburger Einrichtung“, sagte die Sprecherin des zuständigen Bezirksamts Hamburg-Mitte, Sorina Weiland, am Donnerstag.
Wo der Junge künftig untergebracht wird, sei aber bisher unklar. „Das muss gemeinsam geklärt werden. Letztlich zählt: Was ist das Beste für Jeremie?“
Das Jugendamt Hamburg-Mitte hatte den Jungen vor knapp zwei Jahren bei der Zirkusfamilie unterbringen lassen. Dort war er am 20. November ausgerissen - und vier Wochen lang verschollen. Erst am Mittwoch tauchte er wohlbehalten wieder in Hamburg auf.

Jeremie ist körperlich gesund

Seine Großeltern - bei ihnen hatte er früher gelebt - brachten ihn in eine Klinik. In der kinder- und jugendpsychologischen Einrichtung werde er aller Voraussicht nach etwa eine Woche bleiben, sagte Weiland. Wo Jeremie Weihnachten feiern wird, sei bisher unklar: „Die Weihnachtsfrage ist noch nicht geklärt.“ Dass Jeremie angeblich die Feiertage nicht bei seinen Großeltern verbringen durfte, soll ein Auslöser für seine Flucht gewesen sein.
Jeremie sei körperlich gesund, berichtete Weiland. „Ob ihm das seelisch geschadet hat, müssen Untersuchungen zeigen.“ Wo der Elfjährige in der Zwischenzeit war, ist bisher nicht bekannt. Die Polizei hatte intensiv nach ihm gesucht. Die Ermittler hatten das Kind bei seiner weit verzweigten Familie in Hamburg vermutet. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen wegen Verdachts der Kindesentziehung gegen Unbekannt.

Gespräche mit Hamburger Einrichtungen

Das Jugendamt führe derzeit mit mehreren Hamburger Einrichtungen Gespräche über die künftige Unterbringung des Jungen, sagte Weiland. Die Großeltern sollten in die Entscheidung einbezogen werden. Bevor Jeremie in den Wanderzirkus kam, hatten mehrere Träger in der Hansestadt die Aufnahme des als schwierig geltenden Kindes abgelehnt.
Der „Fall Jeremie“ hatte zu hitzigen politischen Diskussionen geführt. Im Zentrum stand dabei die Frage, ob es sinnvoll ist, einen Elfjährigen in einem Zirkus unterzubringen. Auch die hohen Kosten von rund 7400 Euro pro Monat sorgten für Aufregung.

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