Sperrung des Nord-Ostsee-Kanals : Jeder Skagen-Umweg kostet 10.000 Dollar

Bald ein Bild der Vergangenheit? Die Reedereien der Kreuzfahrt-Schiffe diskutieren darüber, die Routen durch den Nord-Ostsee-Kanal zu streichen. Foto: Grafikfoto.de
Bald ein Bild der Vergangenheit? Die Reedereien der Kreuzfahrt-Schiffe diskutieren darüber, die Routen durch den Nord-Ostsee-Kanal zu streichen. Foto: Grafikfoto.de

Höhere Transportkosten und ein immenser Zeitverlust: Bei den Reedern wächst angesichts der Schließung des Nord-Ostsee-Kanals für alle Schiffe ab 125 Meter Länge die Ungeduld.

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15. März 2013, 12:33 Uhr

Kiel | Frank Jungmann, geschäftsführender Gesellschafter von German Tanker aus Bremen, beziffert sein Minus innerhalb der voraussichtlich zweiwöchigen Sperrung auf 390.000 Dollar. Zwar spart er 195.000 Dollar Gebühren für die NOK-Passage, muss aber durch den 460 Kilometer längeren Weg rund um Skagen 260.000 Dollar zusätzlich für Treibstoff schultern - bleibt ein Saldo von 65.000 Euro Mehrausgaben. Was vor allem dazukommt und in der Summe zu seiner Schadensbilanz von 390 000 Dollar führt, sind 325.000 Dollar, die German Tanker durch den Zeitverzug entstehen. "Währenddessen hätte ich unter normalen Umständen zusätzliche Ladung befördert", sagt Jungmann.

Alle seine 13 Schiffe pendeln zwischen russischen und baltischen Ölhäfen einerseits sowie Rotterdam und Antwerpen andererseits. In jede Richtung verlängert der Umweg um die Spitze Jütlands die Tour um zwölf Stunden. Weiteres Pech: Am Mittwoch ging Jungmann ein schon gebuchter Auftrag von 600.000 Dollar verloren. Eine Folge des durcheinander geratenen Fahrplans: Weil German Tanker nicht zum vereinbarten Zeitpunkt in Russland sein konnte, um zu laden, stieg der Kunde auf die Konkurrenz um.

"Teils haben wir sie auf eigene Kosten weiterbefördert"

Ebenfalls mit all ihren Schiffen - in diesem Fall drei - fährt Delta Shipping Lines aus Hamburg zwischen Rotterdam und St. Petersburg. Assistant-Manager Matthias Hahn schätzt die Zusatz-Ausgaben für Treibstoff auf der Skagen-Route schon für eine Reise auf 10.000 Dollar je Richtung. "Durch Eisgang in der östlichen Ostsee gibt es ohnehin schon Schwierigkeiten mit der Zuverlässigkeit", ergänzt Hahn. Weil die Schiffe ohne NOK länger brauchen, kann Delta derzeit Dünkirchen in Nordfrankreich nicht bedienen. Es ist sonst einmal pro Woche Ziel. Gut 150 für Frankreich bestimmte Container mit Kühlgut drohten deshalb in Holland festzuhängen. "Teils haben wir sie auf eigene Kosten per Truck weiterbefördert", schildert Hahn.

Die dänische Reederei Unifeeder ist mit 1750 bis 2000 Passagen jährlich größter Einzelkunde des Kanals. Allein sie muss nach laut Deutschland-Manager Timm Ulrich Niebergall in den zwei Wochen NOK-Blockade 100 Schiffe um Skagen umleiten. Als Mittelwert für Fahrzeuge verschiedener Größe veranschlagt Unifeeder 20 Stunden und mehr. "Das beeinträchtigt die Kostenkalkulation schwer", betont Niebergall. Um das Löschen und Beladen zu beschleunigen, sei teils Nacht- und Wochenendarbeit mit Zuschlägen erforderlich. Bereits 2012 habe Unifeeder durch Schleusenausfälle in Brunsbüttel fast zehn Millionen Euro verloren. "Wir haben nunmehr keinen anderen Ausweg gesehen, als unsere Kundschaft um einen Zuschlag zu bitten."

Im Verhältnis zum Umsatz von Einnahmeausfällen noch stärker betroffen sind Schiffsmakler. Bei ihnen melden sich alle Schiffe für die Kanalpassage an, ordern dort Lotsen und Steurer. Ein Minus von 70 bis 80 Prozent vermeldet Jürgen Funck, Prokurist bei Sartori & Berger in Kiel. Das Haus wickelt eigentlich 40 bis 45 Passagen pro Woche ab. Derzeit sind es sieben bis acht - eben nur Schiffe unter 125 Meter. Und auch die angesichts des Engpasses in Brunsbüttel mit deutlich höheren Wartezeiten. Am Wochenende seien es bis zu neun Stunden gewesen. "Gerade angesichts des Sturms vom letzten Donnerstag bis zum Montag wäre eine Kanal-Passage für besonders viele Schiffe interessant gewesen", gibt der Mann von Sartori & Berger zu bedenken. Umso mehr Einnahmen seien seiner Firma durch die Lappen gegangen.

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