"Silbermond" im Interview : "Jede Erfahrung ist es wert, sie zu machen"

'Silbermond' am Strand von St. Peter-Ording: Vor ihrem Auftritt beim Kitesurf Worldcup 2009 nahmen sie sich Zeit für ein Interview mit sh:z online. Fotos: Sonja Kröger
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"Silbermond" am Strand von St. Peter-Ording: Vor ihrem Auftritt beim Kitesurf Worldcup 2009 nahmen sie sich Zeit für ein Interview mit sh:z online. Fotos: Sonja Kröger

Deutschrock am Nordseestrand: Vor ihrem Konzert in St. Peter-Ording sprachen "Silbermond" mit Sonja Kröger über Wassersport, Erfolgsdruck und Nachwuchsbands.

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04. August 2009, 12:09 Uhr

Viele eurer Fans sind weit angereist, um hier in St. Peter-Ording die besondere Konzeratmosphäre mitten am Strand zu genießen. Ist diese Show auch für euch persönlich ein Highlight?
Steffi: Ja. Es ist wirklich eine super Kulisse. Dass man am Strand spielt und so einen schönen Blick hat, hat man ja nicht alle Tage.
Thomas: Wir müssen allerdings zugeben, dass wir die Ostsee ein bißchen besser kennen - was nicht heißt, dass die Nordsee weniger schön ist (lacht). Aber das, was wir bis jetzt gesehen haben, ist sehr vielversprechend. Es hat auf der einen Seite was Schönes, Idyllisches, aber durch die Wellen und den Wind auch etwas sehr Raues. Das ist ein sehr schöner Kontrast. Es wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir hier waren.
Ihr seid hier am Strand von den weltweit besten Kite-Surfern umgeben. Könnt ihr mit Wassersport etwas anfangen?
Andreas: Ich bin vorhin im Wasser gewesen, da kommt man ja gar nicht drum herum. Zum Kiten hat es aber leider noch nicht gereicht. Da müssen wir wohl noch eine Woche dranhängen.
Thomas: Johannes und ich haben bei einem Urlaub an der Ostsee einen Surfschein gemacht. Das war allerdings das normale Windsurfen. Wir mussten uns jedoch eingestehen, dass wir nicht wirklich talentiert sind. Wir haben uns eher im Wasser gesuhlt und am Brett festgehalten, als dass wir einen Meter vorangekommen wären.
Eure aktuelle Single heißt "Ich bereue nichts" - eine Aussage, die ihr unterschreiben würdet?
Thomas: Auf jeden Fall, sonst hätten wir den Song gar nicht geschrieben. Die Aussage ist natürlich nicht so wortwörtlich zu nehmen, dass man sagt Ich kann in meinem Leben machen, was ich will und ich werde es nicht bereuen, weil es für irgendetwas gut ist. Es ist eher eine Metapher dafür, dass man mit einer gewissen Art von Mut durchs Leben geht. Sachen zu riskieren, Sachen anzugehen, von denen man weiß, sie werden einen nicht unbedingt an das Ziel bringen, wo man gerne hinmöchte. Denn trotzdem ist jeder Weg, den man geht, irgendeine Erfahrung. Jede Erfahrung ist es wert, sie zu machen. Darum geht es in dem Song und von daher ist es schon eine Aussage, die wir unterschreiben würden. Es gibt natürlich auch Dinge, die wir als Band gemacht haben und nicht unbedingt wiederholen würden. Beispielsweise der erste Song, den wir ausgekoppelt haben. Da waren wir vielleicht noch ein bißchen naiv und haben uns von Leuten reinreden lassen, auf die wir jetzt nicht mehr hören würden. Aber solche Fehltritte gehören dazu und man wächst daran. Von daher bereuen wir in dem Sinne nichts.
Euer neues Album "Nichts passiert" ist - genau wie sein Vorgänger - direkt auf Platz 1 der Charts geschossen. Wie groß ist der Druck, solche Erfolge immer wieder toppen zu wollen oder gar zu müssen?
Andreas: Druck hatten wir am Anfang unserer Schreibperiode. Da haben wir immer an die Erwartungen gedacht, die die Menschen jetzt an uns haben. Davon muss man sich lösen. Wenn die Platte herauskommt, muss man möglichst locker da rangehen. Man muss lernen, damit umzugehen und ein wenig erwartungsloser zu sein. Umso schöner ist es dann natürlich, wenn die Platte auf Platz 1 geht. Das ist eine Bestätigung für die Arbeit, die man da reingesteckt hat. Die Resonanz von den Leuten ist sehr erfreulich. Das ist ein tolles Gefühl.
Wer oder was holt euch bei all dem Rummel auf den Boden der Tatsachen zurück?
Johannes: Das ist bei jedem individuell verschieden. In erster Linie spielen natürlich unsere Familien eine sehr große Rolle. Wir versuchen, in jeder freien Minute in unsere Heimatstadt Bautzen zu fahren und ein wenig Zeit dort zu verbringen. Da kommt man dann wirklich mal wieder auf ganz andere Gedanken. Dort hat jeder seinen eigenen Freundeskreis, mit dem er Sachen machen kann, die nicht zwingend etwas mit Musik zu tun haben. Das ist extrem wichtig. Dort zieht sich jeder von uns zurück und holt sich neue Energie.
Ihr setzt euch sehr stark für Nachwuchsbands ein. Warum liegt euch die Förderung junger Musiker so am Herzen?
Thomas: Das war uns schon immer ein Bedürfnis. Wir haben einfach die Möglichkeit gesehen, die wir als Band haben, junge Musiker zu unterstützen. Das ist eine Hilfe, von der wir früher teilweise auch profitiert haben. Mitunter haben wir aber auch gemerkt, dass es nicht der Fall war. Da sind wir dann in Kneipen oder Clubs gegangen und haben gesagt Hey, wir haben eine Band, hättet ihr was dagegen, wenn wir hier mal spielen?. Und die Antwort war meistens Das könnt ihr machen, aber dann müsst ihr das komplette Equipment mitbringen. Da ist dann sofort ein riesiger Kostenberg aufgelaufen, den man als junge Band überhaupt nicht stemmen konnte. Von daher war man froh über jede Auftrittsmöglichkeit. Das ist auch das, was eine Band weiterbringt. So war es zumindest bei uns. Jeder Auftritt war eine Erfahrung, an der man gewachsen ist. Daher versuchen wir heute, davon etwas zurückzugeben. Wenn wir auf Tour sind, suchen wir uns in jeder Stadt eine junge Band aus der Region, die bei uns im Vorprogramm spielen darf. Die Musiker müssen außer ihren Instrumenten und ihren Stimmen nichts mitbringen. Bislang haben wir darauf nur positive Resonanzen bekommen. Wir bekommen pro Stadt 100 bis 200 Bewerbungen.
Nach welchen Kriterien wählt ihr die Bands aus?
Thomas: Das ist eine Bauchentscheidung.
Steffi: Die einzigen Kriterien sind, dass die Bands live spielen und keine fremdenfeindlichen Texte singen. Aber das versteht sich ja von selbst. Wir müssen uns die Band anhören und am Ende muss irgendwas bleiben. Die Musik muss uns berühren, erfreuen oder beeindrucken.

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