Sanierungsstau : Jede dritte Sportanlage in SH ist marode

Freibad in Flensburg-Weiche
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Das Freibad in Flensburg-Weiche aus dem Jahr 1946 ist stark sanierungsbedürftig.

Die Sanierung der Sportstätten kostet 55 Millionen Euro – doch das Geld ist nicht vorhanden. Es besteht aber dringender Handlungsbedarf, sonst „werden die bald so aussehen wie unsere Straßen“.

shz.de von
10. Juni 2014, 14:55 Uhr

Kiel | Marode Hallen, abgewirtschaftete Freibäder, holprige Sportplätze, umweltbelastende Heizanlagen – jede dritte der 3500 Sportstätten in Schleswig-Holstein ist dringend sanierungsbedürftig. Doch es gibt Stau am Bau. Die Landesregierung beziffert den Sanierungsbedarf für die kommenden Jahre auf 55,2 Millionen Euro. Vor allem Großsport- und Mehrzweckhallen brauchen ein Lifting. Fast jede zweite dieser Anlagen ist reif für eine Sanierung oder Modernisierung, heißt es in der Antwort auf eine große Anfrage der CDU-Landtagsfraktion.

Der Landessportverband (LSV) kommt teilweise sogar auf einen noch höheren Sanierungsstau und „einen dringenden aktuellen Handlungsbedarf“. Unter Berufung auf eine Umfrage bei Kreissportverbänden schätzt der LSV den Sanierungsbedarf bei öffentlichen Sportanlagen, die für den Trainings- und Wettkampfbetrieb normierter Sportarten wie Leichtathletik genutzt werden, auf über 65 Prozent „bis hin zu 90 Prozent“. Dabei strecken sich viele Städte und Gemeinden als Träger von Sportstätten heute schon finanziell nach der Decke, um die Anlagen fit zu halten. In den beiden vergangenen Jahren investierten die Kommunen rund 62 Millionen Euro in die Sanierungsmaßnahmen. Das Land beteiligte sich daran mit lediglich 3,4 Prozent.

Für die sportpolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Landtag, Barbara Ostmeier, ist es angesichts der von der Regierung gelieferten Daten „fünf vor zwölf“. Nötig sei eine Sanierungsoffensive für Sportstätten und Bäder, sagte Ostmeier. „Sonst werden die bald so aussehen wie unsere Straßen.“

Der Kieler Sportwissenschaftler Prof. Jens Flatau hält dagegen. Die Politik müsse angesichts knapper kommunaler Haushalte die Frage beantworten, ob es angesichts des demografischen Wandels sinnvoll sei, „wirklich alle Sportstätten auf Dauer zu erhalten“. Danach sei es womöglich sinnvoller, von zwei maroden Sportstätten eine „ordentlich in Stand zu halten“ und die zweite zu schließen, statt „mit Provisorien zu arbeiten“. Nötig sei eine Sportentwicklungsplanung.

Der Landessportverband warnt in einer Stellungnahme für die Landesregierung davor, die Sanierungsdebatte auf die bauliche Situation der Anlagen zu verengen. Menschen trieben heute anders Sport als vor einigen Jahrzehnten. Die Alterung der Gesellschaft erfordere in Zukunft „einen stark zunehmenden Bedarf an multifunktionalen und kleinteiligen Hallen und Räumen für gesundheits- und fitnessorientierten Sport“.

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