Karl-May-Spiele in Bad Segeberg : Jan Sosniok hört auf: Erinnern Sie sich an alle 13 Winnetous vom Kalkberg?

2019 wird es einen neuen Winnetou geben, es ist Nummer 14. Ein Rückblick auf frühere Helden.

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03. September 2018, 13:19 Uhr

Jan Sosniok ist bei der letzten Winnetou-Vorstellung des Jahres ein letztes Mal durch die Arena am Bad Segeberger Kalkberg geritten. Nach sechs Jahren nimmt er Abschied von den Sommern abseits der Familie, die die Rolle des Apachenhäuptlings bei den Karl-May-Spielen einfordert. Er wolle sich Kino- und Fernsehprojekten widmen, teilten die Veranstalter nach der letzten Vorstellung in diesem Jahr mit. Im Sommer 2019 ist die Inszenierung „Unter Geiern - der Sohn des Bärenjägers“ geplant. Die Neubesetzung sei noch offen.

Sehen Sie, welche Schauspieler bereits den Winnetou vom Kalkberg spielten.

Jan Sosniok: Der Quotenbringer

 
dpa
 

„Ich habe sechs unvergessliche Sommer am Kalkberg erlebt“, sagte Jan Sosniok laut Mitteilung der Veranstalter zum Abschied dem Publikum. „Aber ich fühle, dass für mich jetzt der Moment gekommen ist, Winnetous Silberbüchse weiterzureichen.“ Geschäftsführerin Ute Thienel würdigte die Leistung des Schauspielers: „Du warst ein großartiger Winnetou und hast die Augen unserer Zuschauer zum Leuchten gebracht“, sagte sie. Die 67. Ausgabe des Freilichttheaters war mit einem Rekord zu Ende gegangen: Die 72 Vorstellungen von „Winnetou und das Geheimnis der Felsenburg“ lockten insgesamt 388.910 Besucher an. 2017 waren es 372.646 Zuschauer gewesen.

Hans-Jürgen Stumpf: Die Nummer Eins

Die Erfolgsgeschichte der Bad Segeberger Wildwest-Romantik beginnt mit den 15 Vorstellungen im Spätsommer des Jahres 1952. Der 34-jährige Winnetou Hans-Jürgen Stumpf lockt gut 100.000 Besucher an die Freiluftbühne – gleich ein Riesenspektakel. Von der damaligen Besetzung und Kulisse zeugt eine bis heute vertriebene Postkarte.

Gerhard Lippert: Der Teenager

imago/Rolf Hayo

Der Bayer Gerhard Lippert übernimmt die Silberbüchse im Folgejahr. Lippert ist ganze 16 Jahre alt, als er sich als Häuptling auf den Sattel schwingt. Es wird zum Sprungbrett seiner TV-Karriere („Der Bergdoktor“).


Horst Vincon: Der Hanse-Häuptling

Wieder unschuldig und jung soll der kommende Häuptling sein – diesmal mit norddeutschem Einschlag. Immerhin 27 ist Horst Vincon, der 1954 die Hauptrolle in „Der Schatz im Silbersee“ übernimmt. Wieder ist der Winnetou ein Nomade, das Engagement endet nach einem Jahr. Es folgen zwei Spielzeiten mit Aloys Kuttin und Hans Joachim Kilburger in zwei Karl-May-Inszenierungen ohne Winnetou: „Hadschi Halef Omar“ und „In den Schluchten des Balkan“.


Günter Hoffmann: Der Eingesessene

1957 gibt es wieder einen „Winnetou“: Günter Hoffmann („Die Brücke“) ist der erste Edel-Indianer, der zwei Jahre hintereinander über die Freiluftbühne reiten darf.

Heinz Ingo Hilgers: Die Stimme der Weisheit

 
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Viele Zuschauer der 1960er Jahre sehen in Heinz Ingo Hilgers bis heute den wahren Darsteller der wohl bekanntesten Karl-May-Figur. Am Kalkberg schaffte der gebürtige Duisburger, der mit Unterbrechung acht Saisons Winnetou blieb, seinen Durchbruch als Schauspieler. Bei seinem Debüt 1960 hatte er noch die Figur des Kara Ben Nemsi bei „In den Schluchten des Balkan“ verkörpert, nach seinem Debüt als Winnetou 1961 mit „Der Ölprinz“ durfte einmalig Manfred Böhm mit Melodie einlaufen. Hilgers, der Mann mit dem exotischen Aussehen und der besonderen Stimme, sprach den Winnetou und andere Karl-May-Figuren zudem in zahlreichen Hörspielproduktionen. Auf ihn folgte in einem Einjahres-Intermezzo Werner Wachsmuth.

Thomas Schüler: Der Authentische

Von 1976 bis 1980 verbrachte der 2015 verstorbene Österreicher Thomas Schüler seine Sommer in Holstein. Das Kostüm-Budget konnte er bei seinen Auftritten klein halten: Sein Markenzeichen als Winnetou war der durchgängig freie Oberkörper. Die Besucherzahlen schwappten erstmals über 160.000, diesen Rekord wird erst Klaus-Hagen Latwesen zehn Jahre später brechen.

Klaus-Hagen Latwesen: Der Blutsbruder

<p>Klaus-Hagen Latwesen als Winnetou, 1975 in Bad Segeberg.</p>
Programmheft 1982

Klaus-Hagen Latwesen als Winnetou, 1975 in Bad Segeberg.

Einer der großen „Häuptlinge“ vom Kalkberg: Klaus-Hagen Latwesen mimte den Winnetou zunächst 1973 und 1975. Zwischen 1981 und 1987 wirkte er zusätzlich neben dieser Hauptrolle auch noch als Autor, Regisseur und Intendant. Anschließend gab er die Leitfackel an Pierre Brice weiter.

Pierre Brice: Das „Original“

 
Imago/APress
 

Nach seiner Leinwandkarriere als Indianerhäuptling wagte sich der Kino-Winnetou Pierre Brice auch auf die Freiluftbühnen, erst in Elspe (NRW), dann vier Sommer lang bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg, die er allein schon durch seine Präsenz auf ein neues Popularitäts-Level hievte. In Bad Segeberg hatte Pierre Brice von 1988 an in mehreren Stücken gespielt: 1988: „Winnetou, der Apache“, 1989: „Der Schatz im Silbersee“, 1990: „Winnetous letzter Kampf“, 1991: „Winnetou, das Vermächtnis“. Bei dem letzten Stück, bei dem er auch als Autor und Regisseur mitwirkte, lockte Pierre Brice 317.000 Zuschauer an den Kalkberg – ein Rekord, der 18 Jahre Bestand haben sollte. 1999 kehrte er noch einmal nach Bad Segeberg als Regisseur für das Stück „Halbblut“ zurück.

Gojko Mitić: Das andere „Original“

 
dpa
 

Weil er in zahlreichen DEFA-Filmen fiktive Indianer mimte, gilt Gojko Mitić bis heute als der „ostdeutsche Winnetou“. Ab 1992 übernahm er die Rolle des Winnetou vom Kalkberg als Nachfolger seines BRD-Pendants Pierre Brice. Bis 2006 spielte er Jahr für Jahr den Apachenhäuptling. Zu seinem Abschied wurde Winnetou III gespielt, wo der edle Wilde schließlich stirbt.

 
dpa
 

Bei seinem Winnetou-Debüt 2007 wurde es ihm auf dem Rücken eines Pferdes noch etwas blass um die Nase, doch der attraktive Schauspieler Erol Sander füllte die Ränge wie bis vor ihm nur Pierre Brice. Auch seinen Reitstil wusste er in den sechs Jahren als Kalkberg-Held zu perfektionieren.

Galerie: Die größten Mimen vom Kalkberg

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