Wolfsmanagement : Jagdverband fordert gezielte Jagd auf Wolf

Die zügige Rückkehr des Wolfes lässt Jäger an seinem Schutzstatus zweifeln.
Die zügige Rückkehr des Wolfes lässt Jäger an seinem Schutzstatus zweifeln.

Der Deutsche Jagdverband will „effektive Strukturen“ für ein Wolfsmanagement schaffen. Zu diesem Zweck soll der Schutz von Isegrim gelockert werden.

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23. Juni 2015, 15:53 Uhr

Dresden | Nach dem Bundesjägertag in Dresden am vergangenen Freitag hat der Deutsche Jagdverband ein sechsseitiges Positionspapier zum Thema „Rückkehr des Wolfes nach Deutschland veröffentlicht“. Hierin sprechen sich die Jäger angesichts der rasch anwachsenden Population der Wölfe für ein „ganzheitliches Wildtiermanagement“ und ein grenzübergreifendes Monitoring aus. Die kontinuierlich steigende Population der Wölfe sei auch ein Resultat der guten Arbeit der Jäger. Sie hätten in den letzten Jahrzehnten maßgeblichen Anteil daran, dass die Schutzbestimmungen eingehalten wurden.

Da der jährliche Zuwachs der Wölfe bei kontinuierlich über 30 Prozent liege, müsse man nun dafür sorgen, die Population auf einem „stabilen, den Lebensraumbedingungen angepassten Niveau“ zu halten. Wie ernst es die Jägerschaft mir dieser Formulierung meint, wird im letzten Satz des Papiers deutlich: „Der Wolf ist baldmöglichst, sinnvollerweise bereits im Rahmen des laufenden Fitness-Checks der FFH-Richtlinie, aus dem Anhang IV in den Anhang V zu überführen“.

Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union legt für ganz Europa fest, unter welchem Schutz bestimmte Tiere und Pflanzen stehen. Anhang V garantiert strengen Rechts- und Artenschutz für die besonders schützenswerten, stark vom Aussterben bedrohten Tiere. Dazu gehören neben Wolf unter anderem auch Luchs, Wisent und Schwertwal. Mit der Einstufung des Wolfes in die niedrigere Kategorie würde Isegrim rechtlich dem Iltis gleichgesetzt – was die Tür für Managementmaßnahmen öffnen und gezielte Abschüsse legitimieren würde. Wölfe, die keine Scheu mehr vor Menschen zeigen, würden zunehmend zum Problem, deshalb müsse die Bundesregierung die Forderungen rasch umsetzen, heißt es vom Jagdverband.

Momentan liegt bei Tötung eines Wolfes – auch bei einem Erlösungsschuss eines verletzen Tieres durch einen Polizisten – ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz und damit eine Straftat vor. Die Möglichkeit für Abschüsse besteht einzig im Fall von Sondergenehmigungen in besonders zwingenden Gründen.

Neben der Möglichkeit, die Wolfpopulationen gegebenenfalls durch kontrollierte Abschüsse regulieren zu können, fordern die Jäger vom Bundesministerium für Umwelt die Umsetzung der angekündigten Beratungsstelle bis 2017. Die Anzahl „erfahrener Personen“, das sind in der Regel speziell ausgebildete, abgestellte Wildbiologen, müsse gemäß der Ausbreitung der Wölfe erhöht werden. Sie sollen eng in die Aufgaben des Wolfsmanagements eingebunden werden. Hierfür kämen auch erfahrene Jäger in Frage.

Zum Wolfsmanagement gehöre primär eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen zu den Folgen der sich verdichtenden Populationen in Deutschland. In die Bewertung der Ergebnisse will die Jägerschaft dauerhaft eingebunden werden. Es solle ferner analysiert werden, wie der Artenschutz im Einflussgebiet des Wolfes gewährleistet werden kann und welche Auswirkungen auf Wild- und Nutztierbestände die dynamischen Wiederkehrer haben. Wildtierschutzbeauftrage sollen geschult und ernannt werden. Verantwortungsvolles Wildmanagement verlange eine „gleichrangige Berücksichtigung“ der lebenden Wildtierarten, heißt es. Es müsse einerseits gewährleistet werden, dass der Wolf in der Kulturlandschaft leben könne. Andererseits müsse er aber auch in die Gegebenheiten hineinpassen.

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