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Tierquälerei im Wald : Jäger warnen: Immer mehr Wilderer in SH

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Die Zahl der angezeigten Fälle von Jagdwilderei in Schleswig-Holstein hat sich in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt. Die unsachgemäße Tötung bedeutet Leid für die Tiere und auch Gefahren für die Menschen.

Kiel | Der Landesjagdverband warnt vor den Gefahren durch Wilderer im Land. In den vergangenen Jahren habe die Zahl der bekannt gewordenen Wildereien in Schleswig-Holstein spürbar zugenommen, sagte Marcus Börner vom Landesjagdverband. „Parallel dazu sank die Aufklärungsquote jedoch deutlich.“ Konnte im Jahr 2012 noch fast jeder zweite Fall aufgeklärt werden, war es 2013 nur noch jeder zehnte, sagte der Verbandssprecher.

Konkret registrierte die Polizei im Jahr 2012 insgesamt 25 Anzeigen. Davon wurden 12 Fälle aufgeklärt, sagte Stefan Jung vom Landeskriminalamt. Ein Jahr später waren es 64 Fälle, von denen aber nur 6 aufgeklärt wurden. „Die Zunahme der Fälle mit gleichzeitiger Abnahme der Aufklärungsquote von 2012 auf 2013 erklärt sich mit einer – aus unserer Sicht positiv zu wertenden – erhöhten Anzeigenfreude der Jäger und Jagdpächter“, sagte Jung. Aktuelle Zahlen für dieses Jahr würden noch nicht vorliegen. Bislang seien jedoch allein 20 Fälle von den drei Dienststellen Bad Segeberg, Börnsen und Schwarzenbek gemeldet worden. „In den Jahren zuvor wurden fast ausschließlich einzelne Anzeigen von unterschiedlichen Dienststellen registriert“, sagte Jung.

Börner befürchtet, dass die tatsächliche Zahl an Wildereien deutlich höher liegt. Angezeigt wird in der in der Regel der illegale Abschuss von Rotwild. Zuletzt hatte ein Wilderer vor wenigen Tagen in Bad Schwartau sein Unwesen getrieben. Ein Hausbesitzer hatte dort einen toten Rehbock in seinem Garten entdeckt. Dem Tier war irgendwann in den Tagen zuvor mit einem Kleinkalibergewehr in den Bauch geschossen worden. „Das war kein Jäger, denn kein Waidmann schießt mit einem Kleinkalibergewehr auf ein Reh“, sagte Börner. „Es war ein Wilderer und letztendlich ein Tierquäler, denn mit solch einer Verletzung kann ein Rehbock noch Tage lang überleben.“ 

Die Täter sind schnell und jagen auf verschiedene Arten. Während einige Waffen verwenden, um die Tiere zu erlegen, stellen andere Fallen auf oder legen Schlingen aus. Als besonders spektakulär schilderte Börner Ermittlungen der Polizei Anfang 2013 im Hitzhusener Waldgebiet (Kreis Segeberg). „In dem Gebiet wurden 45 Drahtschlingen sichergestellt, in denen sich Wildtiere fangen und qualvoll verenden sollten“, sagte Börner.

Anzeigen müssten energisch verfolgt werden, um weitere Wilderer abzuschrecken. „Denn der Täter denkt ja oft nur an die Tat, nicht an die Folgen.“ Häufig würden Wilderer den Tieren nach einem Schuss nur nachgehen, wenn diese liegen blieben. Die Folge: Schwer verletzte Rehe oder Gänse sterben erst nach einiger Leidenszeit. „Das ist eine abscheuliche Sache“, sagte Börner. Zudem seien unerwartete Schüsse eine Gefahr für Menschen, die im Wald spazieren gehen oder auf Pilzsuche sind. Auch die direkte Begegnung mit einem Wilderer könne riskant sein und sehr schnell eskalieren.

Wer beim Wildern erwischt wird, kann bis zu drei Jahre ins Gefängnis wandern. „In besonders schweren Fällen drohen sogar bis zu fünf Jahre Haft“, sagte Börner. Legal sind in Schleswig-Holstein laut Jagdverband rund 20.000 behördlich geprüfte Jägerinnen und Jäger unterwegs. „Jeder von ihnen hat eine umfangreiche Ausbildung absolviert: Um einen gültigen Jagdschein zu erhalten, sind mehr als 80 Theorie- und Praxisstunden sowie einige weitere Kurse zur Waffenhandhabung nötig“, sagte Börner.

Übrigens: Auch wer Rehe oder andere Tiere anfährt und im Kofferraum mitnimmt, sei rechtlich gesehen ein Wilderer, so der Jagdverband.

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erstellt am 20.Sep.2014 | 13:44 Uhr

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