Metalldetektor-Suche : Jäger der verlorenen Schätze

Medizinstudent auf Schatzsuche: Andreas Loeke sucht den Eckernförder Strand mit einem Metalldetektor nach Schmuckstücken und Münzen ab - mit durchaus guten Erfolgsaussichten. Foto: Kühl
Medizinstudent auf Schatzsuche: Andreas Loeke sucht den Eckernförder Strand mit einem Metalldetektor nach Schmuckstücken und Münzen ab - mit durchaus guten Erfolgsaussichten. Foto: Kühl

Medizinstudent Andreas Loeke sucht am Strand mit einem Metalldetektor nach Schmuck und Münzen - und zwar ganz legal.

shz.de von
12. Oktober 2012, 08:05 Uhr

Eckernförde | Spaten und Spitzhacke braucht Andreas Loeke ebenso wenig wie eine kleine Wanne zum Goldwaschen - er bevorzugt die moderne und relativ entspannte Form der Schatzsuche per Metalldetektor. Von Weitem betrachtet ähnelt die Suche nach verlorenem Edelmetall und Münzen eher einem Strandspaziergang mit Freunden und Hund. Erst bei genauerer Betrachtung und genauerem Hinhören wird klar, dass der Strandspaziergang durchaus einem anderen Zweck als dem der reinen Erholung dient: Andreas Loeke sucht Schmuck und Münzen, bestreift den Strand mit einem Metalldetektor und führt das empfindliche Messgerät mit hoher Konzentration dicht über dem Sand.
Befindet sich ein eisenhaltiges Metall im Untergrund, schlägt der Detektor an - akustisch und grafisch. Eine Ein-Euro-Münze erzeugt einen hellen Ton, und der ausgerechnet identisch ist mit dem der Schraubverschlüsse der Eckernförder Spezialspirituose "Kleiner Feigling", hat Andreas Loeke festgestellt. Liegt eine Münze im Sand, weist das Display seines Detektors zudem einen Leitwert von 65 bis 80 aus, auch die Tiefe des Metallkörpers wird angezeigt.

Die Hoffnung auf einen guten Fund ist durchaus berechtigt: Der Hobby-Schatzsucher kommt in der Sommersaison auf 40 bis 50 Euro am Tag. Spielt das Wetter mit und sind die Strände voll, bringen es die Sondengänger mit viel Sucherglück auch schon mal auf 200 Euro pro Tag. Die Ein- und Zwei-Euro-Münzen, die den Strandbesuchern aus den Taschen und Portemonnaies fallen und die der Sand sofort verschluckt, entgehen zwar den Blicken ihrer Besitzer, nicht aber dem Magnetfeld des Metalldetektors. Die akustisch und grafisch lokalisierten Metallfunde - neben Laschen von Getränkedosen, Schlüsseln oder Knöpfen eben auch Münzen, Ketten sowie Ohr-, Silber oder Goldringe - gräbt Andreas Loeke aus, schließt die Löcher wieder und nimmt die Fundstücke an sich.
Vollkommen legal übrigens, denn der aus Eckernförde stammende Medizinstudent aus Kiel hat sich ordnungsgemäß eine Strandsuchgenehmigung beim Archäologischen Landesamt in Schleswig ausstellen lassen. Wälder und Felder sind hingegen tabu. Die gefundenen Euro-Münzen streicht der junge Mann ein, die Schmuckstücke allerdings liefert er im Fundbüro der Stadt ab. Werden sie dann nicht innerhalb eines halben Jahres von den Besitzern abgeholt - was selten geschieht - bekommt er Bescheid und darf den Schmuck behalten. "Ich habe viele Silberringe gefunden, die hebe ich alle auf." Auch drei Goldringe zählen zu seinem Fundus.

Vor etwa zwei Jahren hat sich der Medizinstudent den schon recht passabel ausgestatteten Metalldetektor für 450 Euro gekauft und ist seitdem oft an den belebten Stränden im Raum Eckernförde-Kiel zu sehen. Ganz konkurrenzlos ist Andreas Loeke übrigens nicht, neben ihm ist noch ein zweiter "Schatzsucher" im Raum Eckernförde unterwegs. Auf jeden Fall macht die Suche nach dem Verborgenen dem angehenden Mediziner viel Spaß, bessert seine Einkünfte auf und bereitet ihm auch ein wenig Nervenkitzel - man weiß ja nie, was sich im Sand verbirgt. Wer möchte, kann Andreas Loeke auch im Netz mit der gezielte Suche verloren gegangener Schmuckstücke beauftragen. Auf diese Weise ist auch ein Goldring als Familienerbstück in dritter Generation sehr zur Freude der Besitzer wieder aufgetaucht.
Genehmigungs- und Meldebehörde für alle Sondengänger ist das Archäologische Landesamt. Derzeit sind in Schleswig 107 zertifizierte Sondengänger registriert, sagt der Wissenschaftliche Leiter Dr. Ulf Ickerodt. Unabhängig davon vergibt das Landesamt auf einfachen Antrag sogenannte Strandsuchgenehmigungen, wie sie auch Andreas Loeke erhalten hat - Stand heute: 125. "Im Gegensatz zu den Strandsuchgenehmigungen vergeben wir die Suchgenehmigungen für die Suche mit Metalldetektoren nur nach Schulung. Derzeit stehen bereits etwa 50 Leute auf der Warteliste", sagt Ulf Ickerodt. Für alle archäologischen Funde bestehe nach dem Schleswig-Holsteinischen Schatzregal (siehe Info) eine Abgabepflicht, die Funde werden in die Landesaufnahme eingepflegt und inventarisiert.
Wichtig ist dem Wissenschaftler der Hinweis auf die Unantastbarkeit von Grabungsschutzgebieten wie dem Wattenmeer: "Wer dort mit einem Detektor erwischt wird, begeht eine Straftat", so Ickerodt. Nach Gesetzeslage kann das eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren nach sich ziehen. Sucht ein Sondengänger ungenehmigt im Raum der Wikingerstadt Haithabu, kann auch dies teuer werden: die Ordnungswidrigkeit kann in besonders schweren Fällen mit Geldbußen bis zu 250 000 Euro bestraft werden. Und es gebe Sondengänger, die gezielt nach Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg suchen, um die dann für viel Geld zu verkaufen. Auch das, so Ulf Ickerodt, ist verboten.

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