Zensus 2011 : Ist die Volkszählung teuer und überflüssig?

In Deutschland gibt es in diesem Jahr wieder eine Volkszählung. Dabei gilt: Mitmachen ist Pflicht. Foto: dpa
In Deutschland gibt es in diesem Jahr wieder eine Volkszählung. Dabei gilt: Mitmachen ist Pflicht. Foto: dpa

Die Interviewer stehen in den Startlöchern: Die Volkszählung 2011 beginnt. Schleswig-Holsteins Datenschützer Thilo Weichert sagt allerdings: "Die ist gar nicht nötig."

Avatar_shz von
28. April 2011, 10:09 Uhr

Kiel | Die Volkszähler stehen in den Startlöchern: Die ersten Interview-Anfragen für den Zensus 2011 sind bereits bei den Bürgern in der Post, sagte gestern ein Sprecher des Statistischen Bundesamts. Auch 285.000 Nordlichter finden in den nächsten Tagen eine Terminankündigung ihres Interviewers im Briefkasten, der ab 9. Mai die Haushaltsbefragung durchführen wird.
Derweil stellt Schleswig-Holsteins oberster Datenschützer Thilo Weichert den Nutzen des Zensus in Frage. "Die Verwaltung hat so viele Angaben in Datenbanken, da ist eine Volkszählung eigentlich gar nicht mehr nötig", meint Weichert. Ungenauigkeiten in den Melderegistern - mit denen die Volkszählung gerechtfertigt werde - könnten durch bessere Kommunikation unter den Behörden und einen Datenabgleich behoben werden. Um den Bedarf an Kindergärten oder Straßen festzustellen "müssen wir keine Volkszählung haben", so der Datenschützer. Mit hohem finanziellen Aufwand von 528 Millionen Euro würden lediglich Karteileichen aufgestöbert, "die Kommunen gerne mitschleppen, um ihre Einwohnerzahlen und damit die Zuweisungen aus dem Finanzausgleich hoch zu halten".
Interviewer im "Hoppla-Hopp-Verfahren" geschult
Kritik übt er auch am Fragenkatalog. "Zwar verlangt die EU den Zensus, aber der Bund will wieder einmal mehr von seinen Bürgern wissen als Brüssel vorschreibt." So müssen die Befragten Auskunft darüber geben, ob ihre Eltern nach 1955 in das heutige Gebiet der Bundesrepublik gezogen sind. Die EU hat 1979 als maßgebliches Jahr für den Migrantenhintergrund genannt. Rechtlich sei das Volkszählungsgesetz zwar "relativ wasserdicht", bei der Umsetzung sieht Weichert jedoch Probleme. So seien die 2500 Interviewer im Norden "im Hoppla-Hopp-Verfahren geschult worden".
Weicherts Sorge, dass Interviewer ausgefüllte Fragebögen bei sich zu Hause lagern und unbefugte Einsicht nehmen könnten, entkräftet das Statistik-Amt Nord: "Die Unterlagen müssen in einem verschlossenen Behältnis, etwa einer Aktentasche oder einem Rucksack aufgehoben werden."
(kim, shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen