"Forellenhof" bei Büsum : Iris Udtke: "Wir haben erst mal Zeit gewonnen"

Zitternd vor Angst stehen Iris Udtke und ihr Mann Karl-Heinz (Mitte) vor der Zwangsversteigerung am Amtsgericht Meldorf. Foto: Ruff
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Zitternd vor Angst stehen Iris Udtke und ihr Mann Karl-Heinz (Mitte) vor der Zwangsversteigerung am Amtsgericht Meldorf. Foto: Ruff

Die Zwangsversteigerung des "Forellenhofs" war erfolglos. Es kam kein Bieter für das 1,25 Millionen Euro teure Kinderferiendorf.

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03. Dezember 2008, 07:27 Uhr

Das Zittern begann am 7. November um 9.15 Uhr - um 10.05 Uhr konnten Karl-Heinz und Iris Udtke aufatmen: Der Forellenhof bleibt vorerst in ihrem Besitz. In der 50-minütigen Sitzung im Amtsgericht Meldorf hatte sich kein einziger Bieter gefunden.
Die drei Vertreter der Sparkasse Westholstein, bei denen die Udtkes 856.000 Euro Schulden haben, zeigten versteinerte Mienen. Ob denn überhaupt jemand im Raum ernsthaft ein Gebot abgeben wolle, fragte eine Sparkassen-Vertreterin in den gut gefüllten Gerichtsaal. Weder sie noch Michael Burmeister, Leiter der Sparkassen-Rechtsabteilung, äußerten sich sonst in irgendeiner Form.
"Das Verfahren wird einstweilen eingestellt"
849.060 Euro - oder in einem zweiten Schritt die Hälfte des Gesamtwertes, also 627.900 Euro - hätten geboten werden müssen. Doch es blieb still im Saal. Schließlich verkündete der Rechtspfleger: "Das Verfahren wird somit einstweilen eingestellt." Applaus von den Besucherplätzen. Iris Udtke, die während der Verlesung ihres 4,2 Hektar großen Besitzes noch stark zu zittern begonnen hatte, zeigte sich erleichtert: "Jetzt haben wir noch ein bisschen Zeit." Und sie ging sogar auf die Sparkassen-Vertreter zu und gab ihnen die Hand. "Ich finde das nur fair, im Sport geht man nach einem Match auch so auseinander", begründete sie.

Das Match mag zuende sein, doch das Turnier könnte in eine nächste Runde gehen. Dann nämlich, wenn die Sparkasse Westholstein einen neuen Termin zur Zwangsversteigerung anstrebt. Innerhalb der nächsten sechs Monate müsste sie dazu einen Antrag stellen. "Dann gibt es keine Grenze mehr und der Hof könnte für Lau weggehen", sagt der Anwalt der Udtkes, Volker Mackeprang. Ob es zu einem Wiedersehen im Gerichtssaal kommt, bleibt zunächst offen.
"Ein geeigneter Käufer muss her"
Mackeprang hatte während der Verhandlung noch das persönliche Gespräch mit Burmeister gesucht - hinter verschlossenen Türen. Ergebnis: "Wir sind uns beide einig, dass wir jetzt einen geeigneten Käufer finden sollten." Ein Zeichen dafür, dass die Sparkasse den Udtkes jetzt Zeit geben wird?
Torsten Gerdom, Geschäftsführer der Immobilienbörse in Büdelsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde), hat nach eigener Aussage einen ernsthaften Interessenten an der Hand. "Aber die Finanzierung steht noch nicht, deshalb kann ich dazu derzeit wenig sagen", so Gerdom. Er hat viele Ideen, wie der Hof auch im Sinne der Udtkes weitergeführt werden könnte. "Ein Campingplatz würde sich anbieten. Bis zu 150 Campingwagen können hier locker stehen." Die Bettenhäuser könnten zusätzlich bleiben. Ein Klettergarten und Naturlehrpfad könnten das Familienangebot erweitern. "Und mit einem Blockheiztkraftwerk ließe sich Strom erzeugen und gleichzeitig das Wellenbad beheizen."
Viele Helfer gehen tatkräftig zu Werke


Auf dem "Forellenhof" werden in den nächsten Tagen erst mal die Ärmel hochgekrempelt. André Tappert und seine Mitarbeiter von "de Handwerkers" haben schon Freitagmittag begonnen, Laub von den Wegen zu fegen. "Wir werden den Udtkes kostenlos bei ihren Winterarbeiten helfen. Streichen, Zimmern, Kehren - alles, was anfällt und was wir leisten können", sagt Tappert. Durch die RTL-Sendung "Raus aus den Schulden" hat er von dem Schicksal des Ehepaares erfahren.
Nicht nur er. Zur Überraschung von Iris und Karl-Heinz Udtke kam Renate Knudsen vom Heider Autohaus Stotzem mit einem VW Polo auf den Hof - ein Leihwagen. "Wir haben erfahren, dass Ihr Golf zum TÜV muss. Wir checken ihn durch", sagte sie. Fallen Reparaturen an, will das Autohaus einen Großteil davon übernehmen. Warum das Unternehmen hilft? "Das Paar hat sich schon so lange so sozial engagiert. Das wollen wir unterstützen", sagt die Prokuristin.
Zum Dank für ihren Einsatz der vergangenen Tage und der kommenden Wochen hatte Iris Udtke alle Helfer mit leckerer Erbsensuppe bekocht. "Wir schlafen jetzt wieder ruhiger. Mal sehen, was die Zeit jetzt bringt", sagt sie zuversichtlich.

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